Das Saarland als Währungsraum zwischen Frankreich und Deutschland
- Andreas Raffeiner
- vor 5 Tagen
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In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war das Saarland mehrfach Schauplatz politischer und wirtschaftlicher Weichenstellungen, die sich direkt auf seine Geldpolitik auswirkten. Bereits ab 1921 stand das Saargebiet nach dem Versailler Vertrag unter der Aufsicht des Völkerbundes. Frankreich erhielt für 15 Jahre das Nutzungsrecht an den Steinkohlengruben und durfte den Zahlungsverkehr in französischer Währung abwickeln.
Zunächst zirkulierten Franc und Mark nebeneinander. Ab Juni 1923 wurde das Saargebiet wirtschaftlich vollständig an Frankreich gebunden und der Franc zur einzigen offiziellen Währung. Ergänzend zu den französischen Zahlungsmitteln brachte die französische Grubenverwaltung eigenes „Grubengeld” in Umlauf. Diese Notausgaben in kleinen Nennwerten (50 Centimes, 1 und 2 Francs) waren bis 1930 in Gebrauch, ehe sie von regulären französischen Banknoten abgelöst wurden.
Mit der politischen Rückkehr des Saargebiets ins Deutsche Reich im Jahr 1935 wurde die Reichsmark eingeführt. Der Wechselkurs lautete: 1 Franc = 0,1645 Reichsmark.
Französischer Franc und Saar-Mark – das Währungsexperiment nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland abermals zum Grenzfall zwischen deutscher und französischer Interessenpolitik. Am 16. Juni 1947 führte man die Saar-Mark als Übergangswährung ein, doch diese hatte nur ein kurzes Leben. Bereits im November desselben Jahres wurde der Französische Franc zum gesetzlichen Zahlungsmittel im Saarland erklärt.
Im Rahmen dieser erneuten wirtschaftlichen Anbindung an Frankreich wurde die Saar-Mark im Umrechnungsverhältnis 20:1 gegen den Franc getauscht. Ab dem 15. Januar 1948 galt ausschließlich französisches Geld.

Saarland: 10 – 20 - 50 – 100 Franken (1954 – 1955)
Quelle: Katz Auktion, Prag Los Nr. 1807
In den Jahren 1947 und 1955 wurden im Saarland keine eigenen Banknoten herausgegeben – es blieben die französischen im Umlauf. Erst 1954 und 1955 trat das Saarland mit einer eigenen Münzserie hervor. Auch wenn diese Münzen regional geprägt wurden, hatten sie formal keinen Status als eigenständige Währung.
Der politische Wandel folgte bald: Nach der Saarabstimmung trat das Saarland am 1. Januar 1957 der Bundesrepublik Deutschland bei. Die wirtschaftliche Integration, also die Übernahme der D-Mark, vollzog sich am 6. Juli 1959, dem sogenannten „Tag X“. Zum Stichtag lautete der letzte Umtauschkurs: 100 Franken = 0,8507 DM bzw. 1 DM = 117,55 Franken.
Eigene Münzen, aber keine eigene Währung – die Saar-Franken von 1954/55
Mit den Prägungen der Jahre 1954 und 1955 versuchte das autonome Saarland, ein eigenständiges monetäres Zeichen zu setzen – wenn auch ohne eigene Notenbank oder Banknoten. Die „Saar-Franken” entsprachen technisch den französischen Münzen jener Zeit, was Material, Gewicht und Durchmesser betraf.
Die Unterschiede lagen allein in der Gestaltung:
10 Franken (1954), Aluminium-Bronze, Gewicht 3 g, Durchmesser 20,0 mm
Quelle: de.numista.com
20 Franken (1954), Kupfer-Nickel, Gewicht 6 g, Durchmesser 24,0 mm
Quelle: de.numista.com
50 Franken (1954), Aluminium-Bronze, Gewicht 4 g, Durchmesser 23,8 mm
Quelle: de.numista.com
100 Franken (1955), Kupfer-Nickel, Gewicht 6 g, Durchmesser 24,0 mm
Quelle: de.numista.com
Die Beschriftungen auf allen Münzen waren in deutscher Sprache gehalten – ein klarer Ausdruck regionaler Identität, auch unter französischer Währungsregie. Dennoch blieben diese Münzen Teil des französischen Währungssystems und besaßen keine eigenständige rechtliche Stellung als Währungseinheit.
Die Saar-Franken sind heute ein eindrucksvolles numismatisches Zeugnis für ein Jahrzehnt, in dem das Saarland zwischen zwei Staaten stand – symbolisch, politisch und wirtschaftlich.
Andreas Raffeiner
















