• Sylvia Karges

Auf Wiedersehen, Jay (1950-2020)


Jay M. Galst, 1950–2020.

Am 11. April 2020 verstarb Dr. Jay M. Galst an Komplikationen der Coronaerkrankung in New York City, dem derzeitigen Epizentrum der Corona-Epidemie. Der Augenarzt und Numismatiker hinterlässt eine große Lücke in seiner Familie, bei seinen Freunden und Bekannten, bei seinen Patientinnen und Patienten und nicht zuletzt in den numismatischen Zirkeln, in denen er sich bewegte. Und so habe ich ihn auch kennengelernt. Ganz frisch bei der American Numismatic Society traf ich ihn dort regelmäßig seit 2007 als Gast des Kabinetts, als Forschenden, als Autor und als Fellow der Society, wo er nicht nur lebenslanges Mitglied war, sondern diese über 150 Jahre alte Institution auch als sponsor generös unterstützte.


Jay war überhaupt die Definition des Wortes großzügig. Er war großzügig mit seiner Zeit und Aufmerksamkeit, die er für sein Gegenüber aufbrachte, er war großzügig mit seiner Geduld, die er seinen Gesprächspartnerinnen und -partnern entgegenbrachte, er war großzügig gegenüber verschiedentlichen Meinungen und sah jede Konversation als eine Möglichkeit, Neues zu lernen. Aber vor allem galt dies für das Teilen seines Wissens, das für ihn eine der größten Freuden darstellte, ohne dabei dozierend und von oben herab zu wirken. Zur Veröffentlichung seiner monumentalen Publikation „Ophthalmologia Optica et Visio in Nummis“ (Ophthalmologie, Optik und Sehen in der Numismatik) im Jahre 2012, die er in Zusammenarbeit mit der ANS, insbesondere mit Dr. Peter van Alfen, erarbeitete, gestaltete ich mit ihm und Dr. Elena Stolyarik, Sammlungsmanagerin der ANS, eine begleitende Sonderausstellung, die bei der ANS zu sehen war. Natürlich waren vorrangig Stücke aus Jays Sammlung zu finden, die er bereitstellte. Die Freude in seinen Augen über diese Ausstellung sehe ich noch heute vor mir!


Jay war einer meiner Ankerpunkt, als ich 2010 begann, meine Dissertation über antisemitische Ikonologie auf numismatischen Objekten zu schreiben. Neben dem Sammeln von numismatischen Objekten zum Thema Ophthalmologie, also der Augenheilkunde die er ja praktizierte, sammelte er Judaica, die auch Antisemitica beinhalteten. Er zeigte mir Stücke seiner Sammlung, lies mir Bilder von entsprechenden Objekten zukommen, erzählte mir alles, was er über sie wusste und gab mir Tipps für meine Recherchearbeiten. Ich sah und traf ihn regelmäßig bis zu meinem Umzug nach Deutschland, da er mich als Mitglied des New York Numismatic Club vorschlug und ich seitdem jenes bin. Er war eine der Säulen des Clubs, wie Peter van Alfen in seinem Nachruf feststellt. Jay gewann mich auch für die Arbeit im Mitglieder-Komitee des Clubs, eine Aufgabe, die ich sehr gern erledigt hatte. Ich vermisse den Club. Jay liebte das Leben sehr. Und dazu gehörte auch immer ein gutes Essen und ein exquisites Getränk, vorrangig hochkarätige Rotweine; auch darüber habe ich viel gelernt!


Jays Tod inmitten und aufgrund der Corona-Epidemie trifft mich ins Herz. Mein tiefes Beileid an seine Familie, seine Freunde und Bekannten.



Biographie von Jay M. Galst


Geboren 1950 und aufgewachsen in Milwaukee, Wisconsin, wo er 1972 einen Abschluss in Chemie an der University of Wisconsin gemacht hatte, zog Jay im Anschluss nach New York City und nahm dort ein Medizinstudium an der Columbia University auf, das er 1976 abschloss. Bald darauf gründete Jay eine erfolgreiche private augenärztliche Praxis und machte Karriere in der Medizin. Er war klinischer Professor am New York Medical College, leitender Oberarzt an der New Yorker Augen- und Ohrenklinik und ehrenamtlicher Chirurg der NYPD (New York Police Department). Er diente auch als Vorstandsmitglied des Museum of Vision und Vorsitzender des Sammlungsausschusses der American Academy of Ophthalmology. Darüber hinaus war er Vorstandsmitglied der Cogan Ophthalmic History Society und Mitglied und ehemaliger Präsident der Ocular Heritage Society.


Jay war 48 Jahre verheiratet und hinterlässt einen Sohn. Neben seiner Involviertheit bei der ANS war Jay Fellow der Royal Numismatic Society und Mitglied auf Lebenszeit, wie auch Richter und Bezirksdelegierter der American Numismatic Association. Jay war von 1988–1989 Präsident des New York Numismatic Clubs, fungierte als dessen Vorstandsmitglied von 1991–2020 und Vorstandsvorsitzender von 2001–2020. Auch diente er als Präsident des Bronx Coin Club von 1998–2006. Im Jahr 2014 erhielt er den Numismatic Ambassador Award der Florida United Numismatists (FUN) in Anerkennung seiner Arbeit zur Förderung des Studiums und der Wertschätzung der Numismatik.