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Antike Numismatik: Fälschungen erkennen

Aktualisiert: Apr 2

Florian Haymann


Mit der Erfindung der Münze im 7. Jh. v. Chr. traten auch gleich die ersten Fälschungen auf. Nach der klassischen Definition von Göbl 1978 handelt es sich dabei um Falschmünzen, die den Zeitgenossen vertäuschten, dass sie aus vollwertigem Metall bestanden. In Wahrheit enthielten sie einen unedlen Kern, der mit einer hauchdünnen Gold- oder Silberschicht überzogen war. Diese antiken Fälschungen werden allgemein als Plattierungen bezeichnet, ein verwandtes Substantiv lautet „Fourré“, ein Adjektiv „subaerat“. Nicht immer fielen solche Stücke durch geringeres Gewicht auf, weshalb eine bewährte Prüfmethode der Prüfhieb war, mit dem man sich gewaltsam, doch ohne Gewichtseinbuße, einen Blick in das Innere der Münze verschaffte.


Fälschungen von Cavino
Fälschungen von Becker (Bleiabschlag).

Weit gefährlicher als die (teilweise auch schon täuschend echten) antiken Falschmünzen sind die Münzfälschungen, die nach der Göbelschen Definition zum Schaden des Sammlers hergestellt wurden. Die Geschichte der neuzeitlichen Münzfälschung beginnt in Padua mit dem berühmten Giovanni da Cavino. Dieser Mann war ein Künstler, der den in der Renaissance steigenden Bedarf an ansehnlichen antiken Münzen zu decken half, indem er solche – hauptsächlich repräsentative Sesterzen und Medaillons – selbst herstellte. Er bediente sich hierzu der antiken Prägetechnik. Seine Stempel zeichnen sich durch ein gutes Gespür für die antiken Münzbilder aus, doch weisen sie alle in irgendeinem Punkt markante Abweichungen auf. Zudem erreichen sie fast nie das Sollgewicht antiker Bronzen. Viele von Cavinos Schöpfungen entspringen auch seiner Fantasie. Cavinos Nachprägungen sind heute als „Paduaner“ berühmt und wurden jahrhundertelang nachgegossen und nachgeahmt.

Seit Cavino kannte jedes Jahrhundert mindestens einen großen Münzenfälscher, der nach dieser „klassischen“ Methode arbeitete, indem er selbst Stempel schnitt. Solche berüchtigten Namen sind beispielsweise Becker (19. Jh.), Caprara (frühes 20. Jh.), Christodoulos (frühes 20. Jh.) und Slavey (spätes 20. Jh.). Ihr Werk ist mittlerweile umfassend publiziert (Ehrend, Fälschungen). Ihre Produkte sind aber mitunter so gelungen, dass sie noch heute gelegentlich im Handel auftauchen. Ein eingehender Vergleich mit antiken Parallelstücken fördert aber immer feine Unterschiede zutage, insbesondere was die Ausführung der Buchstaben und den Stil betrifft, in dem die Motive wiedergegeben werden. Oft sind es auch kleinste Details, die belegen, dass eine Münze nicht antik sein kann.

Gussfälschung eines Aureus des Claudius.


Moderne Gussfälschungen

Als Modell für solche Fälschungen dient stets ein Original, von dem mithilfe feinporigen Materials Abdrücke erzeugt werden. Daraus werden wiederum Formen erzeugt, die ausgegossen werden, wobei Gusszapfen und ein unsauberer Gussrand entstehen können. Doch bereits in der Antike stellte man Gussfälschungen von zum Teil beeindruckender Qualität her. Dennoch gelingt es auch modernen Güssen nicht, Merkmale zu imitieren, die nur durch den Prägevorgang entstehen, beispielsweise Flusslinien (auch „Prägestrahlen“), die v. a. Silber- und Goldmünzen in guten Erhaltungen aufweisen. Schlechte Güsse haben zudem flaue Konturen und teils mit bloßem Auge erkennbare Gussporen, v. a. im Feld. Auch bei sog. Schleudergüssen, die mithilfe einer Zentrifuge hergestellt werden, sind solche Poren vorhanden, allerdings nur noch unter dem Mikroskop eindeutig erkennbar. Oft mangelt es allerdings auch guten Güssen bei den Buchstaben der Legende an Schärfe.

Einseitiger Galvano einer sizilischen Tetradrachme.


Galvanos

Durch elektrochemisches Galvanisieren hergestellte Nachahmungen waren lange Zeit recht gefährlich. Die Technik kommt aus dem Museumsbetrieb. Mit ihrer Hilfe lassen sich Exponate leicht kopieren – allerdings nur eine einzelne Seite. Um den Eindruck einer echten Münze zu schaffen, müssen zwei einzelne Galvanos zusammengefügt werden. Dabei entsteht am Rand eine verräterische Naht. Zudem bestehen Galvanos aus Graphitpulver und müssen mit einer Metallschicht versehen werden. Selten erreichen solche Stücke ihr Sollgewicht. Berüchtigt sind allerdings die sehr gut gemachten Galvano-Kopien, die das British Museum eine zeitlang verkauft hat. Wenn bei diesen die Ränder gut bearbeitet worden sind, können sie noch heute Sammler täuschen.


„Transfer Dies“

Die Methode der Stempelübertragung wurde bereits in der Antike praktiziert (den experimentellen Nachweis erbrachte Markus Peter). Sie ist die Grundlage der sog. Fourrées. Bei dieser Duplizierungsmethode wird eine echte Münze in einen weichen Prägestock (Stempel) eingesenkt. Nach dem Aushärten kann man damit einige, vielleicht sogar einige Hundert Münzen prägen, die im Prägebild dem Original gleichen. Heutzutage gibt es natürlich noch präzisere Kopiermöglichkeiten. Nur, wenn dabei Fehler entstehen, oder keine antiken Schrötlinge verwendet wurden, lassen sich solche Fälschungen noch einigermaßen sicher entlarven. Wir müssen aber schon jetzt davon ausgehen, dass ein Teil dieser Fälschungen bislang unentdeckt geblieben ist.

Pressfälschung eines Denars des Tiberius.


Pressfälschungen

Ein moderner Prägeautomat ist eine kostspielige Anschaffung. Metallpressen sind leichter verfügbar. Spannt man in diese selbst gefertigte Prägewerkzeuge ein, so lassen sich große Mengen von Münzen herstellen, die – je nach Ausführung der Stempel – antiken Stücken sehr ähnlich sehen können. Man wird allerdings nie das Prägebild einer Hammerschlag-Münze erreichen. Dazu gehören kleine Unregelmäßigkeiten wie leichte Dezentrierungen, Prägestrahlen oder eine minimale Wölbung der Rückseite. Eingerissene Ränder hingegegen kommen zwar bei antiken Münzen (v. a. Denaren) häufig vor, nicht aber in so unnatürlicher Weise wie bei „kaltgepressten“ Fälschungen. Charakteristisch für letztere ist auch die völlige Planheit von Vorder- und Rückseite ohne die Spur einer Wölbung. Insgesamt haben Pressfälschungen meist einen leblos-artifiziellen Charakter, können aber dennoch sehr gefährlich sein.


Selektives Laserschmelzverfahren

Dieses auch unter „3-D-Drucken“ bekannte Verfahren tastet jeden beliebigen Körper ab und formt ihn in jeder beliebigen Metalllegierung nach. Somit ist es möglich, eine Münze mit all ihren Spezifika zu kopieren – einschließlich all ihrer Makel. Allerdings wird es, wenn auch die Legierung mit dem Original identisch ist, schwierig, das exakte Gewicht zu treffen, da das Metall einer Münze etwas stärker verdichtet ist. Momentan sind die Kosten für dieses Verfahren noch so hoch, dass sich der Einsatz erst ab einem zu erwartenden Erlös von etwa 200.000 € (pro Münze!) lohnt. In Zukunft müssen sich Numismatiker allerdings ernstlich Gedanken darüber machen, wie sie diesem Fälschungstypus begegnen wollen.


Bearbeitungen und Verfälschungen

Es gibt verschiedene Techniken, eine antike Münze zu bearbeiten, um sie ansprechender zu gestalten. Da sie den Charakter der Münze verändern, stellen sie mindestens eine Verfälschung dar. Eine „Grundtechnik“ ist das Glätten der Felder mithilfe eines Polierstiftes. Dadurch sollen Unebenheiten beseitigt, v. a. aber das eigentliche Münzbild hervorgehoben werden. Dies kann so weit führen, dass die Felder regelrecht „tiefergelegt“ wurden und die Legende (besonders bei Sesterzen) auf einem deutlich vom Feld erhabenen Grat steht. Oft werden dann noch Details im Münzbild mithilfe verschiedener Werkzeuge nachgeschnitten. Besonders leicht erkennbar sind solche Manipulationen an den Haaren und Bärten von Kaiserköpfen. Auch verlorengegangene Legendenteile können nachgeschnitten werden. Die Grenze zur Fälschung ist überschritten, wenn Legenden verändert werden. Ein klassisches Beispiel ist die Verwandlung eines häufigen Gordianus-III.-Sesterzen in einen sehr seltenen Gordianus-I.-Sesterz.


Hier wurde aus einem Antoninian des Trajanus Decius ein rarer „Paeatianus“ „geschnitzt“.


Tipps zum Schutz vor Fälschungen:

Kaufen Sie teure Stücke nur bei Händlern, die einem Verband angehören, sich dauerhaft für die Echtheit der Münze verbürgen und sie bei begründeten Zweifeln anstandslos zurücknehmen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, echte antike Münzen, die Sie noch nicht kennen, in die Hand zu nehmen und ihre epochentypischen Spezifika eingehend zu studieren.


Weitere Ratschläge:

· Eine Echtheitsprüfung kann nur an Münzen vorgenommen werden, nicht an Bildern.

· Ein zu geringes Gewicht ist ein wichtiger Fälschungsindikator.

· Verdächtig sind auch Münzen, die sich in Spezialkatalogen nicht finden und zunächst als Unika erscheinen.

· Ziehen Sie zur Echtheitsprüfung ein möglichst gleichartiges und mit Sicherheit echtes Vergleichsstück heran, mindestens jedoch eine Münze aus der gleichen Zeit und dem gleichen Metall. Meist schwindet das Vertrauen in das zweifelhafte Stück dann sehr schnell.

· Widmen Sie dem Rand besondere Aufmerksamkeit. Ist er besonders ebenmäßig, (maschinell) bearbeitet oder weist sogar eine Naht auf (→ Galvano)? Lassen sich Spuren einer prägetypischen Materialverdichtung nachvollziehen?

· Um in den Feldern Gussporen zweifelsfrei zu erkennen, benötigen Sie eine Lupe mit mindestens 10-fachem Vergrößerungsfaktor. 15- und 20-fache Verstärkung können helfen, weitere Ungereimtheiten auf der Münzoberfläche festzustellen. Schleudergüsse können nur unter einem Mikroskop zweifelsfrei erkannt werden.

· In Zweifelsfällen: Ziehen Sie die Meinung eines Münzhändlers der eines Museumsangestellten vor. Letztere sind nicht auf die Entdeckung von Fälschungen geschult und haben wenig Erfahrung im Umgang mit ihnen.


Finden Sie diesen Text und viele weitere Informationen rund um das Sammeln antiker Münzen in Florian Haymanns Buch „Antike Münzen sammeln. Einführung in die griechische und römische Numismatik, Exkurse zu Kelten und Byzantinern“.


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