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Aktuelle Numismata in München mit europaweiter Anziehungskraft

Am 7./8. März fand in München die international aufgestellte Münzmesse Numismata statt. Direkt hinter dem Zugang der Messehalle glänzten schon die ersten Superlative. Heritage Auctions Europe, der Hauptsponsor der hiesigen Numismata, präsentierte die Prunkstücke seiner nächsten Münz- und Medaillenauktion, die vom 18. bis 23. Mai in den Niederlanden stattfindet. Im Mittelpunkt steht eine Goldmedaille zu 67 Dukaten aus dem Jahr 1672 auf den Tod der Gebrüder de Witt. Die beiden Republikaner wurden im August 1672 von einer aufgebrachten Menschenmenge auf grausamste Weise gelyncht. Die Vorderseite der Medaille zeigt die einander zugewandten Brüder. Auf der Rückseite verschlingt ein vielköpfiges Monster die unschuldig Ermordeten. Nur fünf Goldmedaillen auf dieses Ereignis sind bekannt. Sie wurden vermutlich von Christoph Adolphi gestaltet. Die größte und wahrscheinlich auch schönste davon wird im Mai versteigert.


Prunkstücke der nächste Heritage Aktion im Mai 2026

7.

Mika van Eldijk von Heritage Auctions Europe


Rückseite der Goldmedaille auf den Tod der Gebrüder de Witt


Die Münze Österreich stellte eine neue Serie von Goldmünzen zu 100 Euro vor, die unter dem Titel "Mythen, Schätze und Legenden" steht. Die erste Ausgabe trägt den Titel "Symbole des Göttlichen". Sie erscheint im Oktober. Ein vergrößerter Entwurf, dessen Gestaltung allerdings noch nicht verbindlich ist, war am Stand des Unternehmens ausgestellt. Im Jahrestakt folgen weitere Ausgaben zur Bibel der Kaiser, zum Goldenen Vlies, zur Legende des Einhorns und der Mystik des Todes. Auch Beispiele zum übrigen Münzprpgramm waren ausgestellt, insbesondere die vielfach preisgekrönten Niob-Münzen, deren Farbpalette sich allein aus der Oxydation des Metalls ergibt. Die Probleme, die sich für deutsche Sammlermünzen aus dem hohen Silberpreis ergeben, kennt man in Österreich nicht. Münzen, die zum Nennwert ausgegeben werden, bestehen dort schon seit 2012 an aus Kupfer. Bernhard Urban von der Münze Österreich: "Aus den deutschen Prägestätten höre ich immer wieder, dass Mitarbeiter vom Finanzministerium und aus der Verwaltung  die Ausgabepolitik bestimmen, die noch nie auf einer Münzmesse waren, von der Materie also keine Ahnung haben."


Variante der ersten 100-Euro-Ausgabe "Symbole des Göttlichen"auf der Website der Münze Österreich


Abweichende, auf der Messe vorgestellte Variante


Die Bayerische Numismatische Gesellschaft bot an ihrem Stand kostenlose Münzanalysen für Sammler an. Dabei kamen ein Messgerät zur Leitfähigkeit des Metalls und ein weiteres zur Röntgenfluoreszenz-Analyse zum Einsatz. Letzteres ist mit Kosten von mindestens 20.000 Euro für einen herkömmlichen Händler kaum erschwinglich, für einen Sammler erst recht nicht. Angesichts der hohen Werte, die im Goldhandel den Eigentümer wechseln, ist eine Echtheitsprüfung heute aber nötiger denn je. In Zusammenarbeit mit Leuchtturm, einem deutschen Anbieter für Münzzubehör, hat die Firma Marawe daher unter dem Namen AurumXpert ein handliches Gerät zum Messen der Leitfähigkeit an den Markt gebracht, das für eine dreistellige Summe zu haben ist. Im Handumdrehen war das Gerät ausverkauft! Bald soll es aber wieder lieferbar sein. Thomas Götzer von Marawe: "Für den Münzkauf und -verkauf gibt es inzwischen Facebook-Communities mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahl. Wenn da niemand mehr etwas prüft, können Betrüger praktisch alles als Gold verkaufen!"


Messeveranstalter Manfred und Elena Zellner (links) im Gespräch

mit Götz Ulf Jungmichel von der World Money Fair


Thomas Götzervon der Firma Marawe

mit dem für Leuchtturm entwickelten Edelmetallprüfer AurumXpert


An einem Stand der Numismatic Guaranty Company (NGC) und der Paper Money Guaranty (PMG) konnten Interessenten hochwertige Münzen und Banknoten zur Bewertung nach US-Maßstäben (Grading) einreichen. Zum Preis von zumeist 30 oder 50 Euro werden die Münzen bewertet und gekapselt. In der Ankündigung hieß es: "Reguläre NGC- und PMG-Einreichungen werden am Stand der CCG GmbH entgegengenommen. Die Einreichungen werden versichert zum Hauptsitz der Unternehmen in den USA geschickt, wo sie bewertet und auf Wunsch auch konserviert werden. Nach der Einstufung werden due Einreichungen wiederum mit Versicherung an das Münchner Büro der Gesellschaft zurückgeschickt, um an die Einreicher zurückgesandt zu werden." Der Stand der Gesellschaft war unaufhörlich belagert! Ein Mitarbeiter erklärte auf Nachfrage, dass in absehbarer Zukunft eine Bewertung vor Ort erfolgen solle. Für Standardware lohnt das Verfahren nicht. Seltene Münzen mit Grading haben auf Auktionen aber bessere Aussichten auf hohen Zuschlag.


Mitarbeiter am Stand der Numismatic Guaranty Company


Der Portugiese Carlos Catalogart

vor einer seiner auf der Numismata ausgestellten Kunstwerke


An vielen Ständen war die internationale Vielfalt der Zwei-Euro-Münzen zu bestaunen. Das Publikum mit kleinem Geldbeutel nahm das Angebot dankend an. In einem Pressebeitrag hieß es jüngst, diese Sonderprägungen seien auch im Jahr 2026 die Nummer 1 unter den numismatischen Sammelgebieten in Deutschland. Das merkt auch die Firma Leuchtturm, die die zugehörigen Alben vertreibt. Georg Motschmann, Sales Director der Firma zu einem Kollegen: "Zwei-Euro-Gedenkmünzen sind weiterhin das größte Sammelthema." Neue Euro-Länder wie Bulgarien und Kroatien erweitern das Spektrum der Ausgaben, deren Vielfalt inzwischen inzwischen manchen Sammler überfordert. Weniger gefragt sind dagegen Produkte für reguläre Euro-Kursmünzen, sagt Motschmann. Das Sammeln immer gleicher Motive, nur mit anderer Jahreszahl, sei nicht mehr in Mode.


Deutsche Silbermünzen, außer Inflationsausgaben rechts unten, am Stand von Emporium Hamburg


Anlagemünzen aus Gold,

der Krügerrand zu einer Unze (links) für 4.460 Euro


Wer eine Unze Gold haben wollte, musste diesmal noch tiefer in die Tasche greifen. Mindestens 4.420 Euro waren für eine derart schwergewichtige Anlagemünze zu zahlen. Das schreckte manchen vom Kauf ab, zumal ab 2.000 Euro laut Gesetz die Daten des Käufers erfasst werden müssen. Jürgen Kühnen von Münzen Ritter aus Düsseldorf sieht die Nachfrage nach Goldmünzen dennoch ungebrochen, auch die nach ganzen Unzen. Andere Anbieter nehmen einen Trend zu kleineren Stückelungen wahr, insbesondere Viertelunzen. Vereinzelt wurde sogar nach Mini-Goldmünzen gefragt, etwa nach Dollars aus Niue mit einem Gewicht von einem halben Gramm. Das ist der zweiundsechzigste Teil einer Unze! Kostenpunkt: 150 Euro. Dann schon lieber ein Zwei-Peso-Stück aus Mexiko. Das enthält erkennbar mehr Gold, lässt sich ohne Probleme sogar noch in die Hand nehmen!


William Haennig und Kollegin am Stand von Comptoire des Monnaies


Ruedi Kunzmann von Sincona mit Nicole Lamken

am Stand des Battenberg Bayerland Verlages


An einem Stand der Numismatic Guaranty Company (NGC) und der Paper Money Guaranty (PMG) konnten Interessenten hochwertige Münzen und Banknoten zur Bewertung nach US-Maßstäben (Grading) einreichen. Zum Preis von zumeist 30 oder 50 Euro werden die Münzen bewertet und gekapselt. In der Ankündigung für die Messe hieß es: "Reguläre NGC- und PMG-Einreichungen werden am Stand der CCG GmbH entgegengenommen. Die Einreichungen werden versichert zum Hauptsitz der Unternehmen in den USA geschickt, wo sie bewertet und auf Wunsch auch konserviert werden. Nach der Einstufung werden due Einreichungen wiederum mit Versicherung an das Münchner Büro der Gesellschaft zurückgeschickt, um an die Einreicher zurückgesandt zu werden." Der Stand der Gesellschaft war unaufhörlich belagert! Ein Mitarbeiter erklärte auf Nachfrage, dass in absehbarer Zukunft eine Bewertung in Deutschland erfolgen solle.


Münzdose mit zwei portugiesischen Goldmünzen (18. Jh.) am Stand von Heritage Auctions Europe


Hochbetrieb an den "Grabbelboxen"


Einige Händler verkauften Silbergeschirr und Medaillen zum Silberpreis: "Interessiert an der Schale? Zwei Euro pro Gramm!" Silbermedaillen waren etwas teurer: "Das Stück zum Preis von drei Euro für das Gramm!" Eine Waage stand immer gleich daneben. Til Horna, der frühere Redakteur dieses Blogs, erläuterte mir, dass die Preisrekorde der beiden wichtigsten Edelmetalle dem Sammlermarkt ganz neue Impulse verliehen hätten: "Wer seine Anlagemünzen in den letzten Monaten mit hohem Gewinn verkauft hat, hört ja in der Regel nicht auf zu sammeln. Er entdeckt häufig nur ein anderes Sammelgebiet für sich, zum Beispiel die Antike oder Altdeutschland!" Das kann Jürgen Kühnen von Ritter nur bestätigen. Er hat festgestellt, dass Silbermünzen aus dem Kaiserreich stärker nachgefragt werden. Der Sammlerwert dieser Stücke steigt nicht in gleicher Umfang wie der Silberwert. Damit werden die historischen Stücke interessanter!

Suche nach Fachliteratur am Stand des Battenberg Bayerland Verlages


Bargeld beim Münzkauf war Trumpf!


William Haennig von Comptoires des Monnaies aus Frankreich sagte, dass seine Firma etwa 400.000 Objekte im Angebot habe. Ein wesentlicher Schwerpunkt liege auf der Antike. Vor einigen Wochen konnte er auf der World Money Fair in Berlin mit viel Erfolg eine große Griechen-Sammlung präsentieren. Da sei für jeden etwas dabei gewesen. Die Preise liegen zwischen 30 Euro und 30.000 Euro, je nach Seltenheit und Erhaltungszustand. Die französische Münzhandelsfirma ist aber auch für ihre Vielfalt an Medaillen bekannt, insbesondere die französischen aus der Zeit der Art Nouveau. Derartige Kunstobjekte haben es aber schwer am Markt: "Die Nachfrage ist verhalten. Es gibt einige Sammler, die Objekte von berühmten Medailleuren wie Chaplain oder Roty sammeln. Andere warten, bis sie ein seltenes Stück möglichst zum reinen Silberpreis von uns bekommen!" 


Text und Fotos: Dietmar Kreutzer

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