• Rainer Albert

Einladung nach Flonheim


Am 22./23. September 2018 veranstaltet der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler in Rheinland-Pfalz die „Tage des Offenen Ateliers“. An diesen beiden Tagen sind auch die Räume und der Skulpturenpark der Eberhard & Barbara Linke Stiftung geöffnet. Prof. Eberhard Linke, Bildhauer und Medailleur, steht an beiden Tagen für erläuternde Gespräche über seine Arbeiten und künstlerischen Positionen zur Verfügung.

Eberhard Linke wurde 1937 in Lauban, Schlesien, geboren. Nach dem Abitur in Salzgitter und der künstlerischen Ausbildung in Stuttgart führte sein Berufsweg dann nach Braunschweig (1965–1972) und von dort 1972 an die Fachhochschule Mainz, wo er bis 2002, bis zur Pensionierung, unterrichtete. Seit 1972 hat Eberhard Linke in Flonheim bei Alzey ein Gehöft zu einem beeindruckenden Atelier ausgebaut. 2009 überführte er zusammen mit seiner Frau das stattliche, weitläufige Anwesen mit Nebengebäuden und Park und seiner Sammlung von eigenen Skulpturen aus fast 50 Jahren in die Eberhard & Barbara Linke Stiftung. Die Stiftung bietet (im eigentlichen Wortsinne) Raum für verschiedenste Projekte: eine Sommerakademie in den Atelierräumen, Kunstkurse für Kinder, Seminare und Treffen über politische und gesellschaftliche Themen in Verbindung mit Kunst, Gastaufenthalte für (angehende) bildende Künstler, Konzerte, Treffen für Literaten, Musiker und bildende Künstler. Und das alles in einer einzigartigen, idealen Atmosphäre, zu der auch die rheinhessischen Winzerbetriebe beitragen.

Eberhard Linke: Versuchte Einheit, 1990

Als Künstler ist Eberhard Linke bereits vielfach geehrt worden. Aus dem Medaillenbereich sei erinnert an die große Medaille „Versuchte Einheit“ für die Gemeinschaftsausstellung AUFBRUCH/DURCHBRUCH des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatlichen Münzsammlung München 1990, die zum Emblem für das Ausstellungsplakat wurde. Bei zwei Wettbewerben der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst (DGMK) erhielt er jeweils einen von zwei ersten Preisen: Beim Thema »Arche 2000« zum Kongress der FIDEM (Internationale der Medaillengesellschaften) in Weimar zeigt sein Entwurf ein Gatter mit Leibern, aus denen ein Armstumpf ragt, den auf der anderen Seite eine die Taube Noahs entlassende Hand ergänzt. 2006 entwarf er für die FIDEM 2007 in Colorado Springs einen entzweiten männlichen Torso, der durch die Hände eines Bildhauers wieder zusammengefügt wird. 2015 erhielt der seit einem Unfall im Jahre 2013 an den Rollstuhl gefesselte und gleichwohl unermüdlich tätige Künstler den Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst für das bisherige Lebenswerk auf dem Gebiet des Medaillenschaffens. Mit der Max-Slevogt-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz wurde Eberhard Linke 2017 geehrt. Kulturminister Konrad Wolf sagte bei der Preisverleihung an Eberhard Linke: „Für das Land Rheinland-Pfalz zählen Sie zu den wichtigen Protagonisten der rheinland-pfälzischen Kunstszene. Ihr Leben für und mit der bildenden Kunst dauert jetzt schon fast 60 Jahre. Für Ihre außergewöhnlichen Leistungen und Ihr Lebenswerk gilt Ihnen der besondere Dank des Landes Rheinland-Pfalz."

Das Grundthema von Linkes Kunst ist der Mensch in seinen existenziellen, sozialen, politischen, materiellen, geistigen und eben auch körperlichen Grenzen und Bindungen, die es zu kennen und zu (be-)achten gilt und deren Überwindung steter Auftrag ist in eine selbstbestimmte Zukunft. So entstanden Medaillen wie „Mauern überwinden“ und „Weiterrollen“. Seine Jahresmedaille 2017 trägt den Titel „Mann im Mond“ und offenbart ein weiteres Mal den hintergründigen Humor Eberhard Linkes, der uns mitnimmt auf die Reise aus unseren Beschränktheiten in eine grenzenlose Welt.

Den Künstler in seinem Atelier zu besuchen lohnt sicher!

Eberhard Linke: „Anmut im Winde“, Jahresmedaille 2013

Eberhard Linke: „Mauern überwinden“, Jahresmedaille 2016

Eberhard Linke: „Mann im Mond“, Jahresmedaille 2017