• Rainer Albert

Die Legionsdenare Marc Antons


Römische Republik, M. Antonius, Denar, 32/31 v. Chr., Heeresmünzstätte in Ägypten (und Griechenland?). Vs.: Galeere n.r., darüber ANT[onius] AVG[ur], darunter III VIR [Triumvir] R[ei] P[ublicae] C[onstituendae]; Rs.: Legionsadler zwischen 2 Standarten, darunter LEG[io] V. Crawford 544/18, Albert 1719. Foto: Auktionen H. D. Rauch (Wien), Auktion 79, Los 2269

Im Jahr 32 v. Chr. trieb der Kampf zwischen Octavian (der sich später Augustus nannte) und Marcus Antonius (zusammen mit der ägyptischen Königin Kleopatra VII.) um die Macht im Römischen Reich seinem Höhepunkt zu. Die beiden Gegner rüsteten zum entscheidenden Endkampf. Marc Anton zog eine gewaltige Streitmacht an der Westküste Griechenlands mit dem Schwerpunkt Actium am Golf von Ambrakia zusammen. Seine vereinigte römisch-ägyptische Streitmacht umfasste 500 Kriegs- und 300 Handelsschiffe, mit denen seine Truppen, 75 000 Legionäre und 12 000 Reiter, nach Italien übergesetzt werden sollten, um Octavian zu besiegen.

Zur Versorgung seiner Soldaten richtete Marc Anton auch eine oder mehrere mobile Heeresmünzstätten ein. Sie prägten das für die regelmäßigen Soldzahlungen benötigte Geld, eine wichtige Voraussetzung für die Loyalität der Legionen. So entstanden 32/31 v. Chr. die „Legionsdenare“ (es gibt für einige Legionen auch Aurei), eine Münzserie, die den Feldherrn nur mit dem Namen nennt, ansonsten aber nur militärische Bilder zeigt und auf der Rückseite den Namen einer Legion oder einer Sondereinheit (Cohors Praetoria und Chortis Speculatorum) verzeichnet.

Alle 23 Legionen aus M. Antons Streitmacht erscheinen in dieser Serie, für alle Legionen lässt der Feldherr Münzen zur Soldzahlung prägen und allen will er das auch mitteilen – adressierte Münzen also. Dass es mit M. Antons Rüstungen nicht zum Besten stand, verraten uns diese Münzen aber auch: Sie wurden leicht untergewichtig ausgegeben, der Feldherr sparte also am Silber. Der Beliebtheit dieser Münzen tat das keinen Abbruch, im Gegenteil. Noch viele Jahrzehnte später finden sie sich im Zahlungsverkehr, offensichtlich von findigen Menschen immer wieder gegen werthaltigere Denare ausgetauscht und erneut in den Umlauf gegeben, oft mit ganz abgegriffenen, kaum noch lesbaren Legenden.

Die Galeere wird leicht schräg von vorn mit dem Rammsporn abgebildet, an Deck sind Soldaten zu erkennen, die Ruder sind im Gleichtakt ins Wasser getaucht, am Heck sind auch die Steuerruder zu sehen. Die Legende nennt den Namen des Feldherrn in der kürzesten Form, ANT, dazu sein Priesteramt eines Augurs und seine Stellung als Mitglied im Dreimännerkollegium zur Wiederherstellung des Staates (so die Übersetzung von IIIvir rei publicae constituendae), das, obwohl de facto als Kollegium nicht mehr bestehend, Grundlage seiner außerordentlichen Vollmachten war. Die Rückseite zeigt einen Legionsadler (aquila), flankiert von zwei Feldzeichen (signa), und dem Namen einer der Legionen oder Sondereinheiten Marc Antons.

Aber auch sein gigantischer Propagandafeldzug mit Münzen sollte Antonius im Ende nichts nützen. In Actium wurde seine Flotte vernichtend geschlagen und die Landarmee kapitulierte wenig später. Marcus Antonius beging im August 30 v. Chr. Selbstmord.

Als Einstieg in eine Sammlung römischer (Republik-)Münzen sind die oft wenig gut erhaltenen und deshalb auch preiswerten Legionsdenare aber geeignet und führen direkt in eine hochspannende

Phase der römischen Geschichte.

#Münzen