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Ausgabenpolitik der deutschen Sammlermünzen


Natürlich gab es schon immer Kritik an den Gedenkmünzen, das liegt in der Natur der Sache und zeigt ja auch das Interesse der Sammler. Durch vermehrte Ausgaben, zusätzliche Goldprägungen und höhere Nominale stieg diese Kritik spürbar an. Winfried Stein, Vorsitzender des Vereins für Münzkunde Nürnberg, wandte sich nun an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Michael Meister und bekam umgehend eine ausführliche Stellungnahme. Wir drucken diesen Briefwechsel ab (den Brief von Herrn Stein mit Kürzungen), nachdem beide Partner dem zugestimmt haben.

Foto: Die 5-Euro-Münze 2017 in der Verpackungsbox. (Foto: Eurohaendler.eu)

1. März 2018

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Meister,

aus Ihrem Vorwort im Programmheft der diesjährigen Berliner World Money Fair entnehme ich, dass Sie bereit sind, die politische Verantwortung für das deutsche Ausgabenprogramm für Sammlermünzen zu übernehmen. Ich nehme dies zum Anlass, Ihnen einige kritische Anmerkungen aus der Sicht eines Münzsammlers zu übermitteln, die nicht meine Einzelmeinung sind, sondern aus zahlreichen Gesprächen mit Sammlerkollegen bestätigt werden. Als langjähriger Vorsitzender eines der ältesten deutschen Münzsammlervereine kann ich dies einschätzen. Tatsächlich bemerke ich in Sammlerkreisen einen wachsenden Unmut über die Ausgabenpolitik für deutsche Sammlermünzen, der bereits zu Boykottüberlegungen geführt hat. Drei Dinge sind es, die nicht nur mich stören: Es geht um Verpackungsunfug, Sammlerabzocke und die Banalisierung der Themen.

1. Zum Verpackungsunfug

Im Juni 2017 erreichte mich ein dickes, kissenförmiges Paket, dessen Absender leicht zu vermuten war. Die „Offizielle Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland“ in Weiden übersandte die von mir bestellte 50-€-Sondermünze „Lutherrose“. Damit ist die Nominalreihe deutscher Münzen in Gold, bestehend aus den Werten 20, 50, 100 und 200 €, – allesamt Pseudomünzen, also nicht für den Geldverkehr bestimmt – vorläufig (?) komplett. Was meinen zunehmenden Unmut erregt, ist der Verpackungsunfug in immer aufwendigeren Umhüllungen mit viel verpackter Luft. Der Sammler ist gehalten, alle diese Verpackungen sorgfältig aufzubewahren, da er im Falle eines Wiederverkaufs ohne die Originalverpackung mit einem deutlichen Preisabzug rechnen muss. Betroffen sind jedoch nicht nur die Goldmünzen. Auch die neuen 5-€-Sondermünzen mit Polymerring in der Prägequalität Spiegelglanz sind ähnlich aufwendig verpackt. […]

Doch auch die 20-€-Sammlermünzen in der Prägequalität Spiegelglanz werden seit 2016 in aufwendigen Klappkarten verschickt. Entnimmt man die Kapsel, um sie z. B. in den Beba-Kasten einzulegen, bleibt die leere Hülle übrig, die pro Jahrgang rund 4 cm aufträgt. Bald muss der Schuhkarton durch einen Umzugskarton ersetzt werden! So viel zum Verpackungsunfug. Mein Einsparungsvorschlag wäre der Verzicht auf unnötigen Verpackungsaufwand. Die Verpackung in Kapseln ist völlig ausreichend. […]

2. Zur Sammlerabzocke

Der Sammler stellt verärgert fest, dass er einen immer größeren Anteil seines für das schöne Hobby verfügbaren Budgets für die modernen Münzen der Bundesrepublik Deutschland aufwenden muss, sofern er „komplett“ bleiben will. Dies ist nicht nur durch den enorm gestiegenen Gold- und Silberpreis verursacht, sondern auch durch die auf Expansion gerichtete Emissionspolitik des Staates. Insbesondere werden gerne Münzserien herausgebracht, die ein besonderes Geschäft versprechen. Die Aufteilung des Prägeumfangs auf alle fünf Prägestätten ist ein zusätzlicher Versuch der versteckten Serienbildung. Das Sammlerinteresse konzentriert sich dabei in Erwartung von Wertsteigerungen auf die jeweils erste Ausgabe der Serie bzw. auf die Münzstätte A Berlin. Ein weiterer preistreibender Faktor war die im Jahr 2011 von 25 € auf 50 € pro Goldmünze erhöhte Regiegebühr, egal, ob es sich um die 20-€- oder die 100-€-Münze, oder jetzt auch um die neuen 50-€-Münzen handelt. Somit muss der Sammler, der sich mit dem reinen Münztyp ohne Berücksichtigung der verschiedenen Prägestätten begnügt, jetzt bereits jährlich 150 € Aufpreis zum reinen Goldwert der Münzen an die Versandstelle für Sammlermünzen bezahlen.

Mein Appell an den Herausgeber dieser Gedenkmünzen lautet, hier rechtzeitig gegenzusteuern, um das Sammlerinteresse langfristig zu erhalten. […]

Älteren Sammlern ist noch gut in Erinnerung, wie das Interesse am Sammelgebiet Österreich schlagartig nachgelassen hat, als 1980 die Nominale der Silbermünzen von 100 auf 500 Schilling erhöht wurden. Absolutes Negativbeispiel ist Frankreich! Soweit darf es in Deutschland auf keinen Fall kommen. Der Rückgang der Auflagen z.B. für die kursfähigen Luthergedenkmünzen in Stempelglanz von 8,00 Millionen 5-Mark-Stücken 1983 auf nur noch 1,03 Millionen 20-Euro-Stücke im Jahr 2017 sollte den Verantwortlichen zu denken geben!

3. Zur Banalisierung der Themen

Die Themenwahl der Gedenk- und Sondermünzen war schon wiederholt Gegenstand kritischer Auseinandersetzung. Meines Wissens so zuletzt am 1. Dezember 2015 in einem Gespräch im Bundesministerium der Finanzen zwischen Ministerialdirigentin Ulrike Bohm und Nicol Worbs, damaliger Präsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft (Siehe Numismatisches Nachrichtenblatt 2/2016, S. 48). Natürlich kann man immer unterschiedlicher Meinung sein, welches Ereignis oder welche Person Gegenstand einer Gedenkprägung sein soll. Lange Zeit war unbestritten, dass sich Deutschland als Kulturnation auf seinen Münzen präsentiert. Damit nicht vereinbar ist meiner Meinung nach die Banalisierung der Themen, wie sie sich in den Serien „Deutscher Wald“, „Heimische Vögel“, „Grimms Märchen“ und „Klimazonen“ ausdrückt. Positiv dagegen ist die Serie der 2-€-Münzen zu den Bundesländern zu bewerten.

Unverständlich für viele Sammler war z.B., weshalb ein in der deutschen Geschichte so zentrales Ereignis wie die Völkerschlacht bei Leipzig zu ihrem 200. Jahrestag numismatisch völlig übergangen wurde. Dabei wäre es gar nicht darum gegangen, einen Sieg über Frankreich zu feiern, sondern vielmehr der vielen Opfer dieser Schlacht in angemessener Weise zu gedenken und sich damit positiv von den preußischen Gedenkmünzen von 1913, aber auch von den DDR-Gedenkmünzen zur Feier der deutsch-russischen Waffenbrüderschaft in den Befreiungskriegen zu unterscheiden.

Ein zweites Beispiel: Von deutschen Literaturpreisträgern wurden bisher nur Thomas Mann 1975 von der DDR zum 100. Geburtstag, Gerhard Hauptmann 2012 zum 150. Geburtstag und Nelly Sachs 2016 zum 125. Geburtstag numismatisch gewürdigt. Hier hätte ich mich über eine Gedenkmünze zu Heinrich Bölls 100. Geburtstag im Jahr 2017 sehr gefreut […].

4. Appell

Ich schließe meine kritische Stellungnahme mit einem Appell an Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär, sich hinsichtlich der zukünftigen Ausgabenpolitik der Sondermünzen der Bundesrepublik Deutschland für folgende Ziele einzusetzen:

Deutschland möge zu einer seriösen und nachhaltigen Emissionspolitik zurückkehren, die sich auf wirkliche kulturelle Werte besinnt, die Sammlerschaft nicht überfordert und die Freude an einem faszinierenden Hobby erhält.

Eine weitere Beteiligung der Sammlervereine und ihres Dachverbandes, der DNG, könnte dabei hilfreich sein, denn es sind ja die Sammler, die auch in Zukunft die deutschen Sondermünzen kaufen sollen und hoffentlich auch wollen.

In diesem Sinne verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Winfried Stein

12. März 2018

Sehr geehrter Herr Stein,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen zum Münzausgabeprogramm der Bundesrepublik Deutschland, die ich mit großem Interesse zur Kenntnis genommen habe.

Sammlermünzen sind Ausdruck des historischen und kulturellen Selbstverständnisses eines Landes. Sie würdigen große Persönlichkeiten und bedeutende Themen aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Sport. Als gesetzliches Zahlungsmittel im Inland sind die Münzen geprägte Zeitzeugen und prägende Botschafter der Bundesrepublik Deutschland. Der Anspruch nach einem ausgewogenen Themenspektrum spiegelt sich insbesondere in dem jährlichen Ausgabeprogramm für die 20-Euro-Silbermünzen wider.

Mit der Ausgabe von neuen, teilweise preisgünstigen Sammlermünzen zu gesellschaftlich relevanten Themen, wie z. B. der Umwelt (5-Euro-Serie,,Klimazonen der Erde“) wird zudem das Ziel verfolgt, die Produktpalette zu optimieren und damit ein breiteres Interesse an deutschen Sammlermünzen, insbesondere bei jungen Zielgruppen, zu wecken. Diese Einschätzung wurde auch durch die Teilnehmer eines im Dezember 2015 im Bundesministerium der Finanzen durchgeführten Expertentreffens der maßgeblich am Münzgeschäft beteiligten Institutionen geteilt. Eine entsprechende Produktoffensive des Bundes zur Gewinnung neuer Zielgruppen wurde als wichtiger Marktimpuls nachdrücklich unterstützt.

Dagegen ist seit Beginn der Gedenkmünzprägung in der Bundesrepublik Deutschland bei der Themenauswahl die Tradition gewahrt worden, keinerlei Themen mit militärischem oder gewalttätigem Hintergrund (z. B. Kriegsschauplätze, Schlachten) zu ehren. Auch ist die Aufteilung der Prägevolumina auf fünf Prägestätten keinesfalls eine versteckte Serienbildung. Im Sinne des Herausgebers handelt es sich um eine Münze, die sich lediglich durch Prägebuchstaben unterscheidet. Die Buchstaben A, D, F, G und J sind zudem ein Überbleibsel aus der Kaiserzeit, als es in Deutschland eine Vielzahl von Münzprägestätten gab.

Bezüglich des von Ihnen kritisierten Ausgabeaufschlags für deutsche Goldmünzen darf ich darauf hinweisen, dass der Aufschlag, neben der Erwirtschaftung eines adäquaten Gewinns für den Bundeshaushalt, sämtliche Sachkosten, Kosten des Herstellungsprozesses und des Vertriebs decken muss. Diese Kosten sind stets gleich hoch, unabhängig von dem aufgeprägten Nennwert. Aus diesem Grund wird auf alle Goldmünzen derselbe Aufschlag erhoben.

Ich bedaure, dass Sie mit der Aufmachung der Münzprodukte unzufrieden sind. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass hierzu auch viele positive Rückmeldungen von Sammlern eingehen, die die Darreichungsformen für sehr gelungen halten.

Die Verpackung dient dem Schutz des Produktes, soll aber gleichzeitig auch die Kennzeichnung als offizielles Produkt der Bundesrepublik Deutschland gewährleisten. Die Verkaufsstelle für Sammlermünzen hat bei der Gestaltung der Produkte auch zu berücksichtigen, dass Sammlermünzen vielfach als Geschenk überreicht werden. Sicherlich stimmen Sie mit mir überein, dass eine Kunststoffkapsel allein keinen repräsentativen Rahmen für ein werthaltiges Produkt, wie z. B. die Goldmünze, darstellt.

Bei der Aufbewahrung der Münzen in der jeweiligen Verpackung entsteht ein gewisser Platzbedarf. Da die Münzen jedoch verkapselt eingefügt sind, ist es jederzeit möglich, diese ohne Beschädigung herauszunehmen und platzsparend zu lagern.

Abschließend darf ich mich für die offenen Worte nochmals herzlich bedanken. Direkte Rückmeldungen eröffnen die Möglichkeit, zukünftige Fälle in ihren Abläufen, wenn möglich, besser zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen und dem Verein für Münzkunde auch weiterhin viel Freude bei dem interessanten Hobby.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Michael Meister

#Münzen #Europa