• Jürgen Lorenz

Leuchtturm-Darstellungen auf römischen Münzen


Bei Leuchttürmen handelt es sich um für die See-Navigation bedeutsame Zeichen, die wichtige oder gefährliche Punkte an Küsten markieren. Dabei weisen Leuchtfeuer oder Lichtsignale den Seefahrern den Weg. Leuchttürme dienen der Positionsbestimmung, markieren die Fahr-Rinne und warnen vor Untiefen. Bereits in der Antike gab es zahlreiche Leuchttürme, die heute leider nicht mehr erhalten sind, darunter so berühmte Vertreter wie der Pharos von Alexandria, eines der sieben Weltwunder. Aber auch andere Städte wie Messana, Apameia oder Korinth hatten Leuchttürme. Lediglich zwei römische Leuchttürme waren bis in die Neuzeit erhalten, nämlich in Brigantium in Spanien, der im 18. Jahrhundert umgebaut wurde und in Boulogne, der im Jahr 40 n. Chr. erbaut wurde und im 17. Jahrhundert eingestürzt ist. Der noch heute genutzte Turm in Nordspanien ist damit der älteste funktionsfähige Leuchtturm der Welt und gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ältere Türme aus römischer Zeit wie der von Dover sind vielfach noch vorhanden, teils allerdings nur als Ruinen.

Darstellungen von Leuchttürmen finden sich in der römischen Antike in zahlreichen Gattungen, etwa in der Reliefplastik, und auch auch Münzen wurden Leuchttürme abgebildet. Bei dem Denar des Sextus Pompeius sieht man auf der Vorderseite die Darstellung des Leuchtturms von Messina in Sizilien, darauf eine Statue Neptuns mit Dreizack, während auf der Rückseite das Meeres-Ungeheuer Skylla, deren Unterleib in zwei Fisch-Schwänzen und drei Hunde-Protomen ausläuft, mit einem Ruder zum Schlag ausholt. Pompeius war ein römischer Feldherr und Politiker, der sich im zweiten Triumvirat 43 v. Chr. auf die Seite Caesars stellte und mit seiner Flotte vor Sizilien die Zufahrt nach Italien blockierte. In diese Zeit gehört unser Denar.

Das bimetallische Bronze- und Messingmedaillon aus dem Ende der Regierungszeit des Commodus (189/190 n. Chr.) in der Mitte zeigt eine Darstellung des Hafens von Ostia mit Leuchtturm. Commodus steht in eine Toga gekleidet mit Schriftrolle in der Linken leicht nach links gewandt und opfert aus einer Patera (Opferschale) in seiner Rechten über einem Dreifuß, hinter dem ein Opferdiener steht. Hinter dem Kaiser erkennt man den vierstöckigen Leuchtturm der Hafeneinfahrt von Ostia, auf dem Felsen zu Füßen des Kaisers liegt abwärts ein bereits getöteter Opferstier, davor eine Opferschale (?); auf dem offenen Wasser sieht man fünf Schiffe, die nach rechts auf die Hafeneinfahrt zufahren: im oberen Bereich ein größeres und ein kleineres Schiff mit Takelage, das größere mit gesetztem Segel und Steuermann im Heck, in der mittleren Bildzone ein großes Frachtschiff mit gesetztem Segel, im Heck sitzt Sarapis mit Kalathos auf dem Haupt und ausgestreckter Linker, am Bug ein Vexillum, davor ein kleineres Schiff mit vier Ruderern und zwei Feldzeichen an Bord, darunter ein kleines Boot mit einem Ruderer. Ebenfalls aus der Zeit des Commodus stammt schließlich eine kleine Bronzemünze aus Korinth, die den Leuchtturm der Stadt auf der Rückseite zeigt. Die Münzen und Medaillons mit Darstellungen von Leuchttürmen zeugen von den technologischen Fähigkeiten der Römer, auf die sie stolz waren und die sie nach außen darstellen wollten.