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Leitfaden Münzensammeln: Sammlerfreuden, Spezialisten und Raritäten und „von nichts kommt nichts“


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Von wahren Sammlerfreuden

Anhand verschiedener Beispiele wurde bewiesen, dass man auch mit Münzen unter Umständen „richtig Geld“ machen kann. Doch vielfach wird man auch Investitionen tätigen, die sich nicht rechnen. Wie eingangs gesagt, wer Geld gewinnbringend investieren will, sollte sich lieber Aktien oder Grundstücke kaufen.


Doch wahre Sammlerfreuden bestehen darin, ein lang gesuchtes Stück endlich in die Sammlung einfügen zu können. Hier noch ein Blick zurück in die sechziger Jahre. Seinerzeit standen besonders die Silbermünzen im Mittelpunkt des Interesses, Kaiserreich und Weima- rer Republik waren die „Renner“. Nur wenige Münzfreundinnen und Münzfreunde widmeten sich den Notmünzen, die während und nach dem Ersten Weltkrieg geprägt worden waren. Diese konnte man oft schon für Pfennige kaufen. Doch schon nach wenigen Jahren wurden viele Notgeldstücke sehr gesucht und auf Auktionen für viel Geld gekauft wie verkauft.


Ähnlich erging es vielen Geldscheinsammlern, die anfangs wahrlich nur eine Minderheit in den Vereinen bildeten. Sie wurden damals nicht selten wegen ihres Sammelgebiets belächelt. Ein Vergleich alter mit aktuellen Geldscheinkatalogen hingegen beweist, wie teuer selbst an sich häufige Scheine heute geworden sind.


Spezialisten entdecken Raritäten

Erfahrene Sammlerinnen und Sammler können auch heute noch mit etwas Glück hier und da ein „Schnäppchen“ machen, selbst im Fachhandel. Wer sich auf ein spezielles Gebiet konzentriert hat, wird sehr schnell feststellen, welche Stücke häufig, selten oder gar nicht zu bekommen sind. Viele Anfänger glauben, dass heute schon alles erfasst, katalogisiert und bewertet ist. Doch selbst bei modernen Münzen gibt es eine Vielzahl von unbekannten Varianten oder nicht richtig bewerteten Prägungen.


Wer also „Spezialist“ auf einem bestimmten Gebiet ist, wird auch bei einem sonst sehr versierten Händler immer mal etwas preisgünstig finden. Selbst bei größeren Auktionshäusern, wo mehrere Berufsnumismatiker*innen die Stücke bearbeiten, gibt es solche Chancen, die zu so genannten „Überfliegern“ werden, wenn es nicht nur ein Sammler oder Händler bemerkt. Der Schätzpreis wird dann um ein Vielfaches überboten, wenn zumindest zwei Interessierte die Rarität als solche geortet haben und diese unbedingt haben wollen. Und manchmal bleiben solche Stücke auch unentdeckt von anderen, sehr zur Freude der Käuferin oder des Käufers, der oder die sie dann für wenig Geld erworben hat. Wie schon gesagt: Auch im Münzhandel gibt es Spezialisierungen, der eine Händler ist Fachmann für USA und Kanada, bei ihm kann man viel von diesen Gebieten zu marktgerechten Preisen erwerben, aber keine Raritäten dieser Länder in Kramkisten entdecken. Eine andere handelt nur deutsche Münzen und bietet Auslandsmünzen in interessanten und billigen Lots an, in denen auch mal eine seltene Münze enthalten oder gar eine kleine Rarität versteckt ist.


Von „nichts kommt nichts“

Abschließend noch eine weitere, grundsätzliche und wichtige Bemerkung zum Thema „Münzen und Wertanlage“. Es gibt viele Hobbys, die nichts mit Sammeln zu tun haben. Denken wir nur an Fußballfreunde, die für Karten bei bedeutenden Spielen sehr viel Geld ausgeben. Opern- und Theaterfreunde zahlen manchmal „Schwarzmarktpreise“ für die Eintrittskarten und erinnern sich gern an tolle Inszenierungen. Viele gehen in teure Restaurants essen und erfreuen sich an den kulinarischen Genüssen, wieder andere kaufen sich eine Rassekatze für viel Geld oder machen Weltreisen auf einem Traumschiff. Einige Männer lieben teure und schnelle Autos, und manche Frauen brauchen ständig neue Kleider.

Und niemand käme auf die Idee, bei solchen Leidenschaften irgendwie an Wertsteigerungen zu denken, wie auch. Wer Münzen kauft, hat etwas Bleibendes, das – entsprechende Sach- kenntnis vorausgesetzt – unter Umständen an Wert gewinnen kann. Auch wenn man häufig nicht das, was man mal hineingesteckt hat, gar mit Zinsen zurückerwarten darf beim Verkauf, bleibt meist doch einiges übrig. Und nicht selten ist bei einigen Dingen ein Wertverlust eingetreten, bei anderen hingegen ein Zuwachs, der diesen kompensiert und in der Summe ein Plus bedeutet.


Nur wer nie etwas in eine Sammlung steckt, nur geschenktes Material oder übrig gebliebene Kleingeldstücke von Auslandsreisen zusammenträgt, darf sich nicht wundern, dass seine Münzsammlung auch kein „Kapital“ darstellt. Ein Berliner Münzhändler pflegt Besitzer solcher Sammlungen, ob selbst zusammengetragen oder ererbt, immer mit wenigen Bemerkungen aufzuklären, dass schließlich von „nischt“ auch „nischt kommt“. Wer nichts in eine Münzsammlung investiert, kann auch nicht mit Wertsteigerungen rechnen.