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Leitfaden Münzensammeln: Qualität und Erhaltungsgrade, Teil 2

Aktualisiert: Jan 23


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Seit es Münzsammler und Händler gibt, haben sich zur besseren Kommunikation Definitionen der Erhaltungsgrade eingebürgert, die man unbedingt kennen muss. Denn, wie schon erklärt, gerade vom Zustand der Münze ist ihr Preis abhängig, manchmal mehr als von der Seltenheit. Die Erhaltungsgrade sollen nachstehend erklärt und möglichst genau beschrieben werden. Es gab viele Versuche, diese Erhaltungsgrade mit naturwissenschaftlicher Exaktheit zu bestimmen, so in den USA, wo es unzählige „Grade“ gibt. Die Einschätzung der Qualität von Münzen, Medaillen und Banknoten wird durch Menschen vorgenommen und wird zu einem bestimmten Grad immer subjektiv bleiben.


Und gerade bei den Erhaltungsgraden gibt es die meisten Differenzen zwischen den Sammlern, aber auch im Handel. Während manche Verkäufer eine Münze „schön reden“ wollen, wird der Käufer auf kleinste Mängel hinweisen und versuchen, den Erhaltungsgrad und damit den Preis nach unten zu drücken.


Wir wollen uns nun den verschiedenen Erhaltungsgraden widmen, zu denen auch gleich die gängigen Abkürzungen angegeben werden, die der Handel bei seinen Angeboten verwendet. Um es gleich vorweg zu nehmen, viele Namen der Erhaltungsgrade sind von Hause aus sprachlich „geschönt“, hier wird „gut erhalten“ gesagt, aber gemeint ist „gering erhalten“, was eigentlich mit „unbrauchbar“ übersetzt werden müsste.

Polen, Johannes Paul II., 1.000 Zloty in Polierte Platte (PP).

Polierte Platte „PP“

Hier handelt es sich um besonders behandelte Stücke, die speziell für Sammler hergestellt werden, wobei die Münzronden und die Stempel poliert werden. Solche PP sind keine Erfindung der letzten Jahre, auch von Kaiserreichmünzen gibt es solche Abschläge in PP. Die Münzfläche ist „spiegelnd“, erhabene Partien hingegen erscheinen matt. Im engeren Sinne ist „PP“ kein Erhaltungsgrad, sondern eine Art besonderer Ausführung bei der Münzprägung. Bei diesen Stücken ist besondere Sorgfalt geboten, man darf niemals auf die Münzoberfläche greifen, Fingerabdrücke könnten das Stück schnell verderben. In solchen Fällen spricht der Fachmann von „PP – berührt“. Solche Spuren sind auch für Fachleute schwer oder gar nicht zu entfernen.


Proof-like „PL“

Einige Länder geben, wie es der englische Begriff ausdrückt, „PP“-ähnliche Stücke heraus, doch hier ist die gesamte Münzfläche spiegelglatt ohne Mattierung bei erhabenen Flächen. Kanada z. B. pflegt seine Dollarmünzen in „PP“ und „PL“ zu prägen, auch bei ungarischen Neuheiten gibt es meist beide Varianten.


Spiegelglanz

Diese Sonderqualität ähnelt den PP- bzw. PL-Versionen. Hier werden die Münzen zwar mit poliertem Stempel, aber nicht mit polierter Ronde hergestellt. Die bundesdeutschen Gedenkmünzen und Kursmünzenserien werden so gefertigt. Die umgangssprachliche Bezeichnung dieser Stücke als „PP“ ist eigentlich nicht richtig.

Polen, Johannes Paul II., 1.000 Zloty in Stempelglanz.

Stempelglanz „St.“ oder „Stgl.“

Der Name beschreibt zutreffend, wie die Münzen aussehen müssen: Der durch das Prägen entstandene Glanz muss erhalten geblieben sein. Solche Stücke sind gänzlich unzirkuliert, waren also nie im Umlauf und weisen auch keinerlei Gebrauchsspuren auf, wie Kratzer oder Flecken. Ähnlich belegt ist auch der französische Ausdruck „Fleur de coin“ („FDC“). Klassische „Massenprägungen“ waren die deutschen 5- und 10-DM- und 10-Euro-Münzen in Normalausführung. Viele frisch bei der Bank angelieferte Münzen hatten noch den klassischen Glanz des Stempels, aber zugleich zahlreiche kleine Kratzer und Schlagstellen, auch wenn sie nie einen einzigen Tag im Umlauf waren. Besonders auffällig ist dies, wenn sie großflächig gestaltet wurden, wie „Hamburger Hafen“ oder „10 Jahre Deutsche Einheit“.

Diese vielen kleinen Kratzer und winzigen Schlagstellen entstanden schon in der Prägestätte, weil die Münzen in Behältern aufeinander fielen und sich gegenseitig diese „Blessuren“ zufügten. Bei der Stempelglanzqualität wird aber von einer makellosen Qualität ausgegangen, die es bei den genannten Stücken eigentlich gar nicht gibt.



Im nächsten Teil erwarten Sie die weiteren Erhaltungsgrade Stempelfrisch,

vorzüglich, sehr schön, schön, sehr gut erhalten und gut erhalten, sowie Handgehoben.