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Leitfaden Münzensammeln: Falschgeld und Münzfälschungen. Teil II

Aktualisiert: Mai 20



Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Der Staat als Falschmünzer?

Schon in der Antike wurden die als sittenstreng bekannten Spartaner durch vergoldete Bleimünzen von der Obrigkeit betrogen. Im Mittelalter gab es laufend „Münzverschlechterungen“. Gut bekannte, vollwertige und gern angenommene Münzen wurden eingezogen und durch Prägungen mit schlechterem Silber ersetzt. Römische Folles hatten einen Silberüberzug, bestanden aber fast nur aus Kupfer.


Gefälschte 5-Pfund-Note, hergestellt für das NS-Regime von Gefangenen im KZ Sachsenhausen.

Und es gibt nicht wenige Fälle in der Geldgeschichte, wo Falschgeld als Kriegsfinanzierung eingesetzt wurde. König Friedrich II. von Preußen beauftragte während des Siebenjährigen Krieges den Münzpächter der Leipziger Münzstätte Veitel Ephraim, große Mengen sächsisch-polnischer Münzen in schlechtem Silber und Gold mit erbeuteten Stempeln auszuprägen, was nicht sofort bemerkt wurde. Er konnte mit dieser gigantischen Münzmanipulation bedeutende Summen für seine Kriegsführung aufbringen und zugleich die sächsische Währung unterminieren. Doch der Schwindel blieb nicht unentdeckt und der Begriff „Ephraimit“ wurde später der Inbegriff für geringhaltige Münzen schlechthin.


Preußen selbst wurde von einer Falschgeldschwemme betroffen, die um 1800 einsetzte. Englische Fälscherbanden produzierten massenhaft Groschen und Sechser, die nur hauchdünn mit Silber überzogen waren. Derartige Münzfälschungen sind heute als Sammlergegenstände sehr gesucht. Im Wirtschaftskrieg, den Napoleon gegen Großbritannien mittels der so genann- ten Kontinentalsperre von 1806 bis 1812 führte, versuchten die Franzosen, die britische Währung durch Fälschung von Pfund-Noten zu ruinieren. Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg eine „Falschgeldfabrik“ errichtet, die Millionen britischer Pfund-Scheine herstellte. Viele Noten waren so gut gelungen, dass sie nicht von ausländischen Banken beanstandet wurden. Einige Blüten waren sogar so gut, dass es selbst den Fachleuten der Bank von England schwerfiel, sie als solche zu klassifizieren. Über dieses „Unternehmen Bernhard“, so genannt nach dem SS-Hauptsturmführer Bernhard Krüger, liegen von überlebenden Häftlingen authentische Schilderungen über die Tätigkeit dieser Fälscherwerkstatt vor. Man benutzte die perfekt gelungenen Scheine zur Bezahlung beim Einkauf von Rohstoffen im neutralen Ausland.


Weniger gut gelungene Fälschungen wurden über England abgeworfen, um die Wirtschaft zu schädigen, andere um Diversanten und Agenten anzuheuern und zu bezahlen. Der berühmteste Empfänger falscher Pfund-Noten war der Top-Agent „Cicero“, ein gebürtiger Albaner, der Kammerdiener des britischen Botschafters in Ankara war. Er erhielt mehr als 300.000 Pfund Sterling, die sich jedoch nach dem Krieg beim Versuch des Einlösens im südamerikanischen Exil allesamt als falsch erwiesen. Der betrogene Agent verklagte 1962 die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs auf Schadensersatz, jedoch ohne Erfolg.


Zeitgenössische Fälschung des 5-Mark-Stücks von 1874.

Vielfach werden Münzen, die zum Schaden des Münzherrn und im Zeitraum ihrer Gültigkeit gefertigt werden, auch als „zeitgenössische Fälschungen“ bezeichnet. Solche Exemplare wandern gewöhnlich in die Ermittlungsakten oder Asservatenkammern der Polizei und Gerichte, wenn den Fälschern der Prozess gemacht wird. Doch man kann durchaus auch heute noch solche „zeitgenössischen“ Produkte aus vergangenen Jahrhunderten finden, sie sind immer eine interessante Ergänzung einer Sammlung (Abb. siehe Seite 123).


Münzfälschungen zum Schaden der Sammler

Fälscher gibt es jedoch nicht nur für „richtiges“ Geld, sie stellen alles das gern her, was von anderen gesucht und gut bezahlt wird. Antiquitäten, Briefmarken und alte Gemälde, Möbel und sogar Hitler-Tagebücher wurden und werden mehr oder minder gut nachgemacht. Und nicht immer werden sie als solche sofort erkannt.


Krönung jeder „Weimar“-Sammmlung: der „Goethe-Fünfer“. Leider existieren davon auch viele Fälschungen.

Als sich etwa Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts das Münzensammeln zu einem Massenhobby entwickelte, wurde das Münzmaterial schnell knapp, die Preise stiegen nahezu explosionsartig. Ein Vergleich alter Preislisten und Kataloge mit heutigen Marktpreisen beweist dies. Im amerikanischen Yeoman-Katalog von 1957 finden wir unter „Germany“ die Nr.77, dies ist das 5-Mark-Stück von 1932 (Jaegernr. 351) auf den 100. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe. Es ist dort mit 10 US-$ bewertet, was seinerzeit 42 DM waren. Heute kostet diese Münze je nach Erhaltung gut und gern 2.000 bis 4.000 Euro.


Mit rasant steigenden Münzpreisen begann eine regelrechte Fälschungsplage. Und viele Anfänger glauben gar nicht, wie viele falsche Münzen es gibt. Heute gibt es kaum ein Gebiet, wo nicht mehr oder minder gelungene Fälschungen zum Schaden der Sammler anzutreffen sind. In großem Stil wurden deutsche Reichsmünzen und Münzen der Weimarer Republik gefälscht, ebenso wie deutsche Kolonialmünzen oder die Prägungen für die Freie Stadt Danzig. Gerade auch bei den Reichsgoldmünzen werden im Handel immer wieder Fälschungen angeboten, dies gilt insbesondere für die raren goldenen 5-Mark-Stücke.