• Dietmar Kreutzer

Die Münzabteilung im British Museum


Die Abteilung für Münzen und Medaillen des British Museum in London gilt als wahre Schatzkammer. Hier lagern die Royal Collection, die König Georg IV. im Jahr 1823 dem Museum schenkte, die Sammlung der Bank von England, die 1877 ins Haus kam, und viele Privatkollektionen. Auch im Lauf der Jahrhunderte vergrabene Schätze sind hier ausgestellt. Der Fund von Bredgar (1957, Grafschaft Kent) umfasst Goldmünzen des frühen Imperiums von Julius Caesar bis Claudius. Der Depotfund von Hoxne (1992, Grafschaft Suffolk) besteht aus 14.780 Gold- und Silbermünzen aus dem 4. Jahrhundert. Der Schatz von Frome (2010, Grafschaft Somerset) umfasst sogar 52.000 römische Münzen aus dem 3. Jahrhundert - der größte derartige Fund in der Geschichte Großbritanniens. All diese Schätze, die von Gesetzes wegen der Krone gehören, wurden vom British Museum angekauft.

Der im Jahr 2000 eröffnete Great Court des British Museum

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Gegründet wurde das Museum, nachdem der Arzt Hans Sloane (1660–1753) seine umfangreiche Sammlung von Insekten, Fossilien, Steinen, Antiquitäten, Gemälden und Münzen gegen ein geringes Entgelt der britischen Nation vermacht hatte. Über den Gründungstag wird berichtet: „Am 7. Juni 1753 saß seine Majestät, angetan mit Krone und königlichen Insignien und umgeben von seinem Hofstaat, auf dem Thron. Zur linken seiner Majestät saß, ebenfalls in einer Robe, der Herzog von Cumberland an seinem Platz. Auch die Lords trugen ihre Roben. Da verlas der Schreiber der Krone im Einzelnen die Gesetzesvorlage, die wie folgt zur Annahme gelangen sollte. Eine Verfügung zum Kauf des Museums oder der Sammlung Sir Hans Sloanes und der Harleyschen Handschriften-Sammlung und zur Schaffung eines gemeinsamen Aufbewahrungsortes für die bessere Aufnahme und angemessenere Nutzung besagter Sammlungen sowie der Cotton-Bibliothek und weiterer Zugänge.“ (Frank Francis: Schätze des Britischen Museums. Leipzig 1983, S. 7) Sechs Jahre später öffnete das Museum seine Pforten in einem ehemaligen Wohngebäude, dem Montague Haus. Die Münz- und Medaillensammlung bildet seit 1861 eine eigene Abteilung.

Antimachos-Porträt auf einer Tetradrachme (um 180 v.Chr.)

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Honorius-Porträt auf einem Solidus (Hoxne-Fund, um 400 n.Chr.)

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In dem 1971 erstmals erschienenen Übersichtswerk Treasures of the British Museum berichtet Gilbert Kenneth Jenkins (1918–2005), ab 1965 der Abteilungsleiter für Münzen und Medaillen, über die Bestände. Im Abschnitt über die Antike beschreibt der Numismatiker und Experte für griechische Münzen und Medaillen begeistert über eine Prägung aus Baktrien (Nordafghanistan), dem östlichsten aller von Griechen besiedelten Gebiete: „So gibt es wohl kaum ein schöneres Porträt als den Kopf des Antimachos (frühes 2. Jh. v.Chr.) mit der Kausia, der traditionellen makedonischen Tellermütze. Das Gesicht vibriert regelrecht vor Lebenskraft und ist mit großer psychologischer Durchdringung wiedergegeben, auf der Rückseite erscheint Poseidon.“ (Ebenda, S. 34)

Heiliger Georg als Drachentöter auf einem Sovereign (1817)

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Im Abschnitt über europäische Münzen des Mittelalters und der Neuzeit widmet er sich vor allem britischen Prägungen. Ein Nobel von 1340 wird vorgestellt, eine der schönsten mittelalterlichen Goldmünzen: „Einen ganz anderen Stil weist eine Goldmedaille Elisabeths I. auf, die zum Gedenken an das bekannteste Ereignis in der Geschichte des 16. Jahrhunderts geschaffen worden ist – die Vernichtung der spanischen Armada im Jahre 1588. Die prächtige, detailreiche Kleidung der Königin wurde wie in den zeitgenössischen Gemälden minutiös wiedergegeben.“ (Ebenda, S. 43) Unter den Sammlungsstücken aus dem 17. Jahrhundert sticht eine Goldmedaille anlässlich der Rückkehr des eben gekrönten Karls I. (1633) mit einem faszinierenden Panorama des alten Londons hervor. Auch die ersten Exemplare einer bis heute beliebten Münze werden erwähnt: „Eines der schönsten Münzmuster aller Zeiten hat die Epoche des Neoklassizismus hervorgebracht – den englischen Sovereign. Es ist die gegen Ende der Regierungszeit Georgs III. von dem italienischen Münzgraveur Benedetto Pistrucci geschaffene Darstellung des hl. Georg mit dem Drachen.“ (Ebenda, S. 45)

Die Abteilung für Münzen und Medaillen des British Museum verfügt heute mit mehr als einer Million Objekten über eine der weltweit besten numismatischen Sammlungen. Derzeit werden in den diversen Ausstellungsräumen rund 9.000 Münzen, Medaillen und Banknoten gezeigt. Etwa 1.000 dieser Objekte sind seit Juni 2012 in der Citi Money Gallery ausgestellt, in der etwa 54.000 Jahre Geldgeschichte nachvollziehbar gemacht werden (Raum 68). Der Eintritt ist kostenlos. Neben der Dauerausstellung gibt es einen Saal mit Wechselausstellungen. Einzelne Objekte der vollständigen Sammlung können nach Vereinbarung in einem speziellen Studienraum besichtigt werden.