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Münzen im Fokus der Provenienzforschung


Die Sonderausstellung „Spuren der NS-Verfolgung. Provenienzforschung in den kulturhistorischen Sammlungen der Landeshauptstadt Hannover“ im Museum August Kestner widmet sich bis 16.6.2019 Besitztümern von Opfern des NS-Regimes und erzählt zugleich deren Lebens- und Verfolgungsgeschichte.

Blick in die Ausstellung

Das Kestner-Museum erwarb während des NS-Zeit Kunstgegenstände, die zuvor Verfolgten entzogen wurden. Der Rokoko-Schrank der Hannoveraner Fabrikantentochter Klara Berliner und die Goldmünzen des Arztes aus Großburgwedel Dr. med. Albert David gehören zu diesen Erwerbungen. Sie bilden die beiden Schwerpunkte der Ausstellung.

Anlass der Ausstellung ist der zwanzigste Jahrestag der „Washingtoner Erklärung“ vom Dezember 1998. Darin verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland dazu, während der NS-Herrschaft beschlagnahmte Kulturgüter zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer und Erben ausfindig zu machen und mit ihnen „eine gerechte und faire Lösung zu finden“. Seit 2008 erforscht die Landeshauptstadt Hannover in diesem Sinne systematisch die Herkünfte des städtischen Kulturgutes. In der Ausstellung werden erstmals die bisherigen Ergebnisse und aktuellen Probleme der Provenienzforschung im Museum August Kestner, im Historischen Museum am Hohen Ufer, im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek der Öffentlichkeit präsentiert.

Römische Goldmünze aus der Sammlung des jüdischen Arztes Dr. Albert David, Großburgwedel (Museum August Kestner Inv. 1942.38.10)

Der Fall des Arztes Dr. David und seiner Münzen ist spätestens seit 2010 bekannt. Als 2015 das Testament des Sammlers gefunden wurde, nahm die Forschung um seine wertvollen Goldmünzen eine neue Richtung auf, welche die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung nachverfolgen können.

Außerdem wird erstmals der Fall des Antiken- und Münzhändlers Philipp Lederer präsentiert. Dieser betrieb seit 1910 in Berlin Am Kupfergraben 4 ein erfolgreiches Geschäft „Alte Münzen u. antike Ausgrabungsobjekte“. Zu seinen Kunden gehörten Museen in Berlin, Köln, Stuttgart und das Kestner-Museum in Hannover sowie private Sammler. Aufgrund seines jüdischen Glaubens konnte Lederer spätestens 1936 seinen Beruf nicht mehr ausüben und sein Geschäft ging in demselben Jahr bankrott. Dennoch erwarb das Kestner-Museum 1936 und sogar 1937 antike Kunstgegenstände und Münzen aus dem Geschäft Philipp Lederers. Dieser emigrierte 1938 in die Schweiz, wo er 1944 starb. Inwieweit Lederer über seine Verkaufserlöse der Jahre 1936 und 1937 verfügen konnte, ist fraglich und wird in der Ausstellung thematisiert.

Die Kuratoren der Ausstellung sind Dr. Simone Vogt (zugleich Kuratorin der Münzsammlung am Museum August Kestner) und Dr. Johannes Schwartz (Provenienzforscher der Landeshauptstadt Hannover).

Ein Begleitbuch zur Ausstellung erscheint im Frühjahr 2019.

Ein reichhaltiges Begleitprogramm ermöglicht die Vertiefung der Ausstellungsthemen im Rahmen von Vorträgen und Führungen. Der entsprechende Flyer kann hier heruntergeladen werden: https://www.hannover.de/Museum-August-Kestner/Sonderausstellungen/Spuren-der-NS-Verfolgung.

Museum August Kestner

Trammplatz 3

30159 Hannover

Tel.: 0511/16842730

museen-kulturgeschichte@Hannover-Stadt.de

www.museum-august-kestner.de

Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr

Neujahr 13-18 Uhr

Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester geschlossen

Eintrittspreise: 5 €, erm. 4 €, freitags freier Eintritt