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Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege


Bei unseren „Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege“ sind wir bei einer kleinen Chemikalienkunde angekommen. Speziell für Anfänger stellen wir die wichtigsten Substanzen mit Erklärungen in alphabetischer Reihenfolge vor, es geht aktuell weiter mit dem Buchstaben S. Wir orientieren uns wieder am „Handbuch zur Münzpflege“ (4. Auflage Regenstauf 2015, 13,50 Euro) von Wolfgang J. Mehlhausen.

Teil 3.19 Kleine Chemikalienkunde

Teil 3.19.5 S

Salmiakgeist

siehe Ammoniak bzw. Ammoniaklösung.

Salpetersäure C – (ätzend!)

ist eine sehr starke, stechend riechende Säure, die sehr viele Metalle angreift, als ➞ Königswasser gemischt sogar Gold löst. Sie wird daher auch bei Goldschmieden für die Probebestimmung (Metallgehalt) von Gold eingesetzt. Ähnlich wie bei Schwefelsäure unterliegt S. mit 15% bereits der Gefahrstoff-Verordnung. Im Handel üblich ist eine 53%ige Säure. Doch häufig reichen nur 20–25% für unsere Anwendungen aus.

Wir nehmen Salpetersäure immer nur „in letzter Instanz“, wenn alle anderen Rezepte mit Salz- oder Schwefelsäure versagen. Hinweise des Sicherheitsdatenblatts genau beachten. Salpetersäure ist ein sehr starkes Oxidationsmittel.

Beschaffungshinweis: Apotheke

Mengenempfehlung: 100 oder 200 ml-Flasche reicht lange.

Salzsäure C – (ätzend!)

nennt man die wässrige Lösung des Chlorwasserstoffs; die Säure wird chemisch auch als Chlorwasserstoffsäure bezeichnet. Salzsäure ist sogar Bestandteil unserer Magensäure und wird gefährlich erst ab 15%. Sie riecht stechend, in konzentrierter Form (ca. 37%) „raucht“ sie und gibt Chlorwasserstoff an die Luft ab. Wir nehmen meist nur 25%ige Säure und diese auch nur selten in reiner Form. Diese starke Säure wird immer wieder empfohlen, wenn beispielsweise harmlose Säuren, wie Zitronensäure, nicht zum Erfolg führen. Die meisten Chloride, so nennt man die Metallverbindungen dieser Säure, sind gut wasserlöslich. Mit einer wichtigen Ausnahme: Silber. Daher Silber in der Regel nie mit Salzsäure in Verbindung bringen! Eine Vorratsflasche mit „starker Salzsäure“ nicht neben Ammoniaklösung lagern.

Beschaffungshinweis: Apotheke, Chemiehandel

Mengenempfehlung: wird häufig gebraucht: 200 ml oder mehr besorgen.

Scheidewasser C – (ätzend!)

wird Salpetersäure genannt, die in bestimmten Konzentrationen Silber löst, nicht jedoch Gold; die Säure „scheidet“ diese Metalle. Goldschmiede prüfen mit diesem Scheidewasser den Goldgehalt von Legierungen.

Schwefelsäure C – (ätzend!)

Besorgen Sie sich am besten gleich verdünnte Säure. S. ist eigentlich für viele Zwecke günstiger als Salzsäure. Gute Erfahrungen mit Schwefelsäure kann man gerade bei Eisen oder auch Zink machen. Sie können bei einigen Bädern, wenn dies nicht ausdrücklich als verboten ausgewiesen ist, auch S. statt Salzsäure einsetzen. Lassen Sie sich die Säure auf 25–30% verdünnen und setzen Sie diese dann nochmals verdünnt erstmals ab 15% ein, notfalls Konzentration erhöhen. Beachten Sie die Hinweise des Sicherheitsdatenblatts, das Sie in der Apotheke mitbekommen!

Beschaffungshinweis: Apotheke, Drogerie, Chemiehandel

Mengenempfehlung: 250 ml-Originalflasche – reicht lange

Seife

als Kern- oder Flockenseife ist chemisch neutral bis leicht alkalisch und wird als Grundreinigungsmittel verwendet. Es geht auch pH-neutrale flüssige Seife. Die darin in geringen Mengen enthaltenen Duft- und Riechstoffe stören nicht. Klassische „Kernseife“ ist eine Seife auf Natriumbasis, während die „Schmierseife“ auf Kalium basiert. Letztere ist kräftiger als Kernseife.

Seifenlauge

setzt man stets frisch an, indem die Seife in warmem Wasser aufgelöst wird. Gut eignen sich auch alle flüssigen Geschirrspülmittel.

Silberbad oder Silber-Tauchbad

sind speziell für Münzsammler hergestellte fertige Lösungen, die sofort eingesetzt werden können. Ein Silbertauchbad ist unverzichtbar, man benötigt hier eher zwei Flaschen dieses Produkts als nur eine. Man sollte stets ein frisches, oder wie die Fachleute es bezeichnen, ein „scharfes“ Bad für besonders gute Stücke vorrätig haben. Ein älteres Silberbad dient dann für die Reinigung weniger guter Stücke.

Beschaffungshinweis: Münzhandlung

Mengenempfehlung: 2 Bäder beschaffen, leere Behältnisse auf keinen Fall wegwerfen, sondern für andere Bäder aufheben. Jeweils mit einem frischen Bad gute PP-Münzen bearbeiten und mit altem Bad weniger wertvolle Stücke reinigen.

Silikonverbindungen

sind chemische Stoffe, die Silizium anstelle von Kohlenstoff enthalten. Beide Elemente sind 4-wertig. Ebenso wie die „natürlichen“ organischen Fette mit Kohlenstoff gibt es auch Siliziumfette und Öle, die in der Technik seit Jahren verstärkt eingesetzt werden, weil diese sich nicht verändern, z.B. „ranzig“ werden, und allgemein chemisch stabiler sind als die Kohlenstoffverbindungen. Silikonfette und Öle gibt es in Sprayform. Die modernen „Konservierungsbäder“ für Münzen enthalten solche Substanzen. Mit Silikonpasten oder anderen Silikonstoffen niemals die empfindlichen Magnesiumstücke (Litzmannstadt) behandeln!

Soda

ist die umgangssprachliche Bezeichnung von ➞ Natriumkarbonat

Soda, kaustisch

ist eine sehr alte umgangssprachliche Bezeichnung von ➞ Natriumhydroxid oder ➞ Ätznatron und darf mit diesem Stoff nicht verwechselt werden.

Sodawasser

wird bekanntlich auch Selters oder kohlensäurehaltiges Mineralwasser genannt. Wir verstehen unter Sodawasser etwas anderes, nämlich eine wässrige Lösung von ➞ Natriumkarbonat, das umgangssprachlich auch ➞ Soda genannt wird.

Speisesalz

ist der umgangssprachliche Begriff für ➞ Kochsalz oder chemisch ➞ Natriumchlorid

Spiritus

ist ein umgangssprachlicher Begriff für ➞ Ethanol

Die Reihe wird fortgesetzt mit der alphabetischen Vorstellung der Chemikalien ab „Tauchbäder“.