Wann wurde dieser einzigartige Goldstater geprägt?

Vom pontischen König Mithradates VI. Eupator (120-63 v. Chr.) ist ein Goldstater auf uns gekommen, den es nur einmal gibt. Dieser zeigt auf seiner Vorderseite das nach rechts gewandte Porträt des Königs mit Diadem und auf der Rückseite einen achtstrahligen Stern über einer Mondsichel innerhalb eines Efeukranzes und nennt die Legende: „[Münze] des Königs [der] von einem vornehmen Vater [abstammt]“.

 

Goldstater Mithradates´ VI. nicht datiert (wohl um 93/92 v. Chr.), 8,47 g, 20 mm, Münzstätte Amisos oder Sinope. Bildquelle: Classical Numismatic Group, Auktion 100 (7. Oktober 2015), Los 64.

 

Vergleicht man den eben erwähnten Goldstater mit den übrigen, den regulären Goldstateren des Mithradates, so fällt auf, dass sich die beiden Rückseiten völlig voneinander unterscheiden. Auf den regulären Goldstateren zeigt sich nämlich ein nach links hin äsender Hirsch, der von einem Efeukranz mit Fruchtdolden umgeben ist.

 Goldstater Mithradates´ VI. (223 pontischer Königsära, 75/74 v. Chr.), 8,41 g, 21 mm, Münzstätte Sinope. Bildquelle: Roma Numismatics Ltd., Auktion XIII (23. März 2017), Los 393.

 

Genau betrachtet, ist es allerdings nicht nur das Rückseitenbild, das ganz anders ist, sondern auch die Münzlegende. Denn im Gegensatz zu der bereits erwähnten Legende lautet die der regulären Statere auf „[Münze] des Königs Mithradates [der] von einem vornehmen Vater [abstammt]“. Der Name des Mithradates, der auf dem einzigartigen Stater fehlt, wird auf den regulären Goldstateren genannt.

Weil der einzigartige Goldstater ikonografisch jedoch so aus dem Rahmen fällt, setzten einige Numismatiker diesen ganz an den Anfang der mithradatischen Münzprägung ins Königreich Bosporus, das Mithradates um 108 v. Chr. einnahm. Andere wiederum wie z.B. François de Callataÿ, der 1997 ein Standardwerk zur Münzprägung des Mithradates veröffentlichte, verortet diesen Goldstater ins Königreich Pontos (nach Amisos oder Sinope) an den Anfang der Goldstaterprägung des Mithradates um 93/92 v. Chr. David MacDonald dagegen bringt diese Goldmünzprägung mit der Finanzierung der massiven Aufrüstung in Zusammenhang, die Mithradates zwischen 65 und 63 v. Chr. im Bosporus betrieb, um die Römer in einem erneuten Krieg via Donau von Norden her anzugreifen. „Some scholars have speculated that this gold stater was struck circa 108 BC, when Mithradates first acquired the Kingdom of the Bosporus, but it seems more likely that it was struck between

 

Mithradates´arrival in the Bosporus circa 65 BC and his death in 63 BC. During this period he was actively preparing for an expedition up the Danube to attack the Romans from the north.“ – „Einige Forschende haben spekuliert, dass dieser Goldstater um 108 v. Chr. geprägt wurde, als Mithradates zum ersten Mal das Königreich des Bosporus erwarb, aber es scheint wahrscheinlicher, dass er zwischen der Ankunft Mithradates' im Bosporus um 65 v. Chr. und seinem Tod im Jahre 63 v. Chr. hergestellt wurde. Während dieser Zeit bereitete er sich aktiv auf eine Donau-Expedition vor, um die Römer von Norden her anzugreifen.“ (David MacDonald, An Introduction to the History and Coinage of the Kingdom of the Bosporus, Lancaster u. a. 2005, S. 45).

 

Betrachtet man allerdings die Stempelfolge der Goldstatere in François de Callataÿs Werk „L´Histoire des Guerres Mithridatiques vue par les Monnaies, Louvain-La-Neuve 1997, Pl. I“ dann zeigt sich, dass das Porträt des Mithradates von dem einzigartigen Goldstater eigentlich recht gut zu dem Porträt des auf 93/92 v. Chr. datierten Goldstater passt, und dass sogar die Legenden auf den beiden Münzen identisch sind, d. h. den Namen des Mithradates nicht erwähnen, was wiederum für den von Callataÿ angenommenen Prägezeitraum spricht. Und auch die neuere Forschung um Oliver D. Hoover verortet den einzigartigen Goldstater in den Pontos (Amisos oder Sinope) in die Jahre 93/92 v. Chr. „An undated stater series, associated by portrait style and legend convention with the dated issues of 93/2 BC, depicts the star and crescent badge of Pontos with an ivy wreath on the reverse. This series is sometimes given to a mint in Bosporan Pantikapaion at the end of the king´s reign, but there is little basis for this attribution.“ – „Eine undatierte Stater-Serie, die durch Portraitstil und Legende mit den datierten Ausgaben von 93/2 v. Chr. verbunden ist, zeigt das Stern- und Halbmondabzeichen von Pontos mit einem Efeukranz auf der Rückseite. Diese Serie wird manchmal einer Münzstätte in der bosporanischen Pantikapaion am Ende der Königsherrschaft zugeschrieben, aber es gibt kaum eine Grundlage für diese Zuordnung.“

(Oliver D. Hoover, The Handbook of Greek Coinage Series, Bd. 7, Handbook of Coins of Northern and Central Anatolia, Lancaster/London 2012, S. 114).

 

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