Eine ganz besondere „Präsidentengattin“

Um die Gattinnen bzw. die First Ladies der US-Präsidenten zu ehren und der amerikanischen Öffentlichkeit näher zu bringen, starteten die Vereinigten Staaten 2007 die Serie „Präsidentengattinnen der USA“ mit der Emission einer 10-Dollar-Goldbarrenmünze auf Martha Washington, die First Lady und Gemahlin George Washingtons. Das Porträt der Präsidentengattin erschien dem Münzgesetz entsprechend auf der Münzvorderseite, während eine Szene aus ihrem Leben die Rückseite schmückte. Da allerdings einige US-Präsidenten nicht verheiratet oder zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts bereits Witwer waren und keine Präsidentengattin vorweisen konnten, wären einige 10-Dollar-Goldmünzen dieser Serie „bildlos“ geblieben. Um genau dies zu verhindern, entschloss man sich, in solch einem Fall, dem Präsidenten eine fiktive Gattin zuzuordnen und wählte dazu die Allegorie der Freiheit aus, wie sie sich zur Amtszeit des betreffenden Präsidenten auf Münzen dargestellt fand. Nun war Andrew Jackson, der 7. US-Präsident, zwar seit 1791 mit Rachel Donelson Robards Jackson (1767-1828) verheiratet, doch verstarb seine Gattin am 22. Dezember 1828, so dass Jackson bei seiner Amtsübernahme am 4. März 1829 bereits Witwer war. Da sich Jackson während seiner Präsidentschaft zu offiziellen Anlässen, mit der Nichte seiner Frau, Emily Donelson, zeigte, galt sie weithin als First Lady. Weil sie aber nie die Gattin Jacksons war, wurde sie für diese Gedenkmünzenserie auch nicht ausgewählt. Aus diesem Grund erschien dann auf der Münzvorderseite an Stelle der bereits verstorbenen Mrs. Jackson ein Abbild der Lady Liberty und auf der Rückseite der Präsident selbst hoch zu Ross.

 

Goldbarrenmünze mit Gedenkcharakter aus der Serie: „Präsidentengattinnen der USA“, 10 Dollars 2008, Gold 999,9/1000, 15,554 g (1/2 oz. Feingewicht), 26,50 mm, Auflage: 7.684 in PP, 4.609 in Stgl, Münzstätte: West Point.  Bildquelle: MA-Shops, Künker, Oktober 2019.

 

Die Liberty, die hier die Vorderseite ziert und die Stelle der First Lady hält, wurde „capped bust Liberty“ genannt. „Capped“, weil sie eine phrygische Mütze (die Freiheitsmütze) trägt und „bust Liberty“, weil sie die Büste der Freiheit darstellt. Diese Lady Liberty war übrigens das Werk des deutschen Einwanderers John Reich, der von 1807-1817 Graveur der US-Münzstätte in Philadelphia war und dessen Libertybüsten die meisten Gold- und Silber-Nominale zwischen 1807 und 1836 schmückten. Die stilistisch größte Ähnlichkeit hat die abgebildete Liberty jedoch mit den Libertybüsten des Dime (10-Cent-Stücks 1809-1828), des Viertel Dollars (1815-1828) und des Halb Dollars (1809-1836). Die Jahreszahlen 1829 / 1837 im Feld rechts von ihr stehen für die Amtszeit Präsident Jacksons. Die 13 Sterne, 7 links und 6 rechts, symbolisieren die ersten 13 Staaten, aus denen der Bundestaat USA 1776 hervorging. Deshalb auch das Motto E PLURIBUS UNUM (Aus vielen eine Einheit) auf der Münzrückseite. Der US-Präsident, der sich in Uniform hoch zu Ross auf der Rückseite zeigt, ist nur an Hand seines Beinamens „Old Hickory“ (alter Hickorynussbaum, eine Walnussart von besonders hartem aber auch elastischem Holz) als Präsident Andrew Jackson identifizierbar.

 

 Porträt von Andrew Jackson, 7. US-Präsident 1829-1837. Gemälde von Thomas Sully (1783-1872). Bildquelle: Wikimedia Commons.

 

Jackson (* 1767, von 1829-1837 Präsident, † 1845), hatte in den Kämpfen gegen die Indianer (1814) und durch seinen Sieg über die Briten bei New Orleans (1815) nationalen Ruhm erlangt, den er dann durch weitere kühne Feldzüge gegen das spanische Florida – Niederringung der Seminolen-Indianer und die Besetzung Pensacolas (1817/18) – noch mehren konnte. Als Präsident trat er partikularistischen Bestrebungen der Südstaaten 1832 vehement entgegen, wenngleich er selbst Südstaatler war. Die Politik, die er verfocht und durchsetzte, war gemäßigt liberal und antimonopolistisch. Da Andrew Jackson auf seiner Baumwollplantage „The Hermitage“ bei Nashville allerdings Zeit Lebens rund 300 Sklaven für sich schuften ließ und auch gegen die indianische Urbevölkerung nicht nur in Kriegszeiten hart und erbarmungslos kämpfte, sondern auch ganze Stämme zwangsumsiedelte, wird seine Präsidentschaft heute erheblich kritischer gesehen als noch im 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Diese Kritik geht sogar soweit, dass einige die Forderung erhoben, ihn von der 20-Dollar-Banknote wieder zu entfernen. Diese Kritik ist sicherlich mehr als berechtigt, wenn man ihn allein mit den moralischen Maßstäben des 20. und 21. Jahrhunderts beurteilt. Betrachtet man ihn jedoch vor dem Hintergrund seiner Zeit, einer Zeit in der Sklavenhaltung selbstverständlich war, zumindest in den Südstaaten, und man den Indianern das Land schlicht und einfach wegnahm, wenn man Raum für weiße Siedlungen brauchte oder wertvolle Bodenschätze auf Indianergebiet fand, dann erscheint auch Jackson nicht schlimmer gewesen zu sein als viele seiner Zeitgenossen und auch etliche seiner Nachfolger. Schließlich ist doch die gesamte Westexpansion der USA, die sich vom frühen bis zum späten 19. Jh. ereignete, ein Ausdruck Jackson‘schen Denkens. Wie sollte man sonst die Tatsache beurteilen, dass man die Gebiete der späteren Bundesstaaten Oklahoma, Kansas, Nebraska, North Dakota und South Dakota 1830 noch als Indianerterritorium ansah, 1866 dann um Hälfte beschnitt, 1889 weiter verkleinerte und das restlich verbliebene Indianerterritorium dann 1907 im Bundesstaat Oklahoma aufgehen ließ. Und auch nach Jackson führten die USA noch jahrzehntelang Indianerkriege und rottete sogar den Bison beinahe aus, nur um den Indianern der Great Plains ihre Lebensgrundlange zu entziehen und sie zu einem Leben in weniger „brauchbaren“ Regionen und in Reservaten zu „bewegen“. Mit anderen Worten, die Entstehung der USA, wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis eiskalter Machtpolitik und reinem weißen Interessendenken, bei dem für das Schicksal der Indianer bis ins frühe 20. Jh. hinein wenig Raum für Empathie blieb. Jacksons Indianerpolitik war sicherlich kein Ruhmesblatt, schreckte nachfolgende Präsidenten und US-Administrationen aber keineswegs ab, zumal diese das Gebiet der USA allesamt auf Kosten der Ureinwohner bis zum Pazifik hin ausdehnten.

 

 

 

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