Nachbesprechung der SINCONA-Auktionen 58-62 vom 21. bis 24. Oktober 2019

30.10.2019

 

Fünf spannende Kataloge waren den Kunden von SINCONA AG in Zürich Ende September zugestellt worden – gewichtige Kollektionen beinhaltend und in Hardcover gebunden – man stellt sie anschliessend gerne zu den anderen numismatischen Fachbüchern ins Regal.

Der Montag, 21. Oktober mit Katalog 58 war ganz der russischen Numismatik gewidmet, natürlich auch in russischer Fachsprache geschrieben mit englischen Übersetzungstexten. Das erste Los, ein 2 Dukatenstück von 1701 war die Ouvertüre zu einer Serie spannender Münzen und Medaillen, die für das Auktionshaus in Zürich bereits als traditionell bezeichnet werden kann. Der Zuschlag von 400'000 CHF für dieses Los war jedoch auch für Spezialisten erstaunlich.

 

Los 1: Russland Peter I. (1682-1725), 2 Dukaten 1701, Kadashevsky Mint. Schätzung 200'000 CHF, erz. Preis 400'000 CHF

 

Sicher haben die Zeiten geändert, wo die Sammler und Händler die frisch eingekauften Münzen am folgenden Tag zu Höchstpreisen weiterverkaufen konnten. In den letzten Jahren merkte man, dass die Finanzen auch im Land im Osten Europas nicht mehr so locker verteilt werden können. Aber der positive Trend zeigt sich langsam wieder – jetzt müssen die Händler sich darauf einrichten, dass sie ein gepflegtes Lager aufbauen sollten, und da war diese Auktion gerade höchst willkommen. Viele besterhaltene Stücke wechselten die Besitzer zu marktgerechten Preisen; freuen wir uns auf die Zukunft der russischen Numismatik.

 

Der Katalog 59 zu den Münzen und Medaillen aus aller Welt und der Schweiz, mit einer Abteilung Orden und Ehrenzeichen und der traditionellen SINCONA-Edelmetall Auktion wiegt 1.7 Kilogramm und zählt mehr als 2650 Lose. Es würde zu weit führen, all die herausragenden Gepräge aufzuzählen. So zeigen wir als Beispiel den Taler 1678 aus dem Bistum Olmütz, welcher mit seiner feinen Patina und der perfekten Ausprägung jedes Sammlerherz höherschlagen lässt.

    

Los 1976: Römisch Deutsches Reich, Bistum Olmütz, Carl II. von Liechtenstein-Castelcorn (1664-1695), Taler 1678, Mzst. Kremsier. Schätzung 1'000 CHF, erz. Preis 17'000 CHF

 

Bei den Münzen aus den USA wissen wir, dass die Amerikaner ihr Herz ganz an die aussergewöhnlichen Erhaltungen verloren haben. Besonders hoch gegradete Münzen erzielen Traumpreise. So konnte der SINCONA-Auktionator ein nur etwa 1.5 cm kleines 1 Dollarmünzchen, allerdings in NGC-Grade PF66+ ULTRA CAMEO bei 36'000 CHF zuschlagen. NGC hat noch kein Stück höher bewertet.

   

Los 2519: USA, 1 Dollar 1868, Mzst. Philadelphia. Schätzung 20’000 CHF, erz. Preis 36'000 CHF

 

Orden, wie auch Medaillen, weisen auf einen besonderen Anlass hin oder belohnten aussergewöhnliche Persönlichkeiten für Verdienste. Bei diesem Kapitel kamen gleich mehrere Preziosen aus der berühmten Ehrenzeichen Sammlung von Prof. Tammann zur Versteigerung. Alle 68 Positionen wurden verkauft, fast 350% über der Gesamttaxe. Wir erwähnen an dieser Stelle das Los 2697, den Orden des strahlenden Sterns mit dem Portrait des Sultans Sayyid Hamad ibn Thuwaini ibn Said al-Busaidi aus dem Sultanat Sansibar. Portraitdarstellungen sind für muslimische Herrscher immer als ungewöhnlich zu bezeichnen.

 

Los 2697: Sultanat Sansibar, Sayyid Hamad ibn Thuwaini ibn Said al-Busaidi (reg. 1893-1896), Orden des strahlenden Sterns, 5. Modell aus Set 1. Klasse. Schätzung 1'000 CHF, erz. Preis 10'000 CHF

 

Wir streifen die SINCONA-Edelmetall Auktion nur kurz, denn von den 77 Losnummern, und bei einem Umsatz von mehr als 860'000 CHF blieben schlussendlich nur gerade 7 Lose unverkauft. Bekanntlich werden diese Investitionsmünzen in Prozenten versteigert, wobei Steigerungen bis über 150% des effektiven und kurz vor den Losen fixierten Edelmetallpreises gleich mehrfach vorkamen. Spitze waren wohl 8 Exemplare russischer 7,5 Rubelstücken von 1897, die bei 195% zugeschlagen wurden.

SINCONA ist für Schweizer Münzen seit jeher der Spezialist im Alpenland. Das bewiesen die teilweise beeindruckenden Serien und die seltenen Einzelstücke zur Genüge. Auch hier zeigte sich, dass beste Erhaltung zu sammeln aktuellster Trend ist und bleibt, die Liebhaber tolerieren geringere Erhaltungsgrade oft nur noch, wenn Stücke wirkliche Raritäten sind.

   

Los 3109: Schweiz, Bern, 4 Dukaten 1798. NGC MS63. Schätzung 25'000 CHF, erz. Preis 32'000 CHF

   

 

Los 3361: Schweiz, Zürich, Rappen 1846, Mzst. Stuttgart. Sehr selten, sehr schön. Schätzung 750 CHF, erz. Preis 1200 CHF

 

Der Katalog 60, die Sammlung Werner Pfister vom 23. Oktober, bewies den Trend zur besten Erhaltung erneut. Dieser Liebhaber erstand seine Schweizer Bundesmünzen nur dann, wenn er mit seinem umfangreichen Wissen sicher war, dass ein besser erhaltenes Stück nicht existiert. So findet man im Katalog dutzende Schweizer Kleinnominale an, die in ihrer Schönheit nicht übertroffen werden konnten. Wir bilden deshalb keine besondere Rarität ab, sondern einfach ein herrliches 10-Rappenstück.

    

Los 4074. Schweiz, Eidgenossenschaft, 10 Rappen 1899, Mzst. Bern, FDC mit schillernder Patina. Schätzung 350 CHF, erz. Preis 1300 CHF

 

Ebenfalls ein typisch schweizerisches Thema betreffen die vielen Schützenmedaillen, besonders hervorgehoben mit Katalog 61 zur Schützentaler- und Medaillensammlung von Stephen Corn aus Florida. Das scheint unlogisch, aber gerade Numismatik-Freunde in den Vereinigten Staaten, in Japan und in China lieben Schweizer Schützenmedaillen genauso, wie die Leute im Ursprungsland. Das führte übrigens dazu, dass das Fachwerk zu diesem Thema, Schützentaler und Schützenmedaillen der Schweiz, vom CEO der SINCONA, Jürg Richter, im Frühjahr 2020 in chinesischer Schrift herausgegeben wird!

Tapfere Männer unter den Waffen, sanfte aber starke Frauen, welche sich für Familie und ihre Liebsten aufopferten, das waren die Leitmotive dieser herrlichen Gepräge, wie sie bedeutende Medailleure, wie Antoine und Hugues Bovy, Fritz Landry oder Hans Frei entwarfen und in die Prägeeisen übertrugen.

   

Los 5248: Genf, Exercices de l’Arquebuse et de la Navigation, Silbermedaille 1898 von Hugues Bovy. Schätzung 300 CHF, erz. Preis 600 CHF

 

Den Abschluss der SINCONA-Auktionsserie bildet üblicherweise im Oktober die Banknoten Versteigerung, dieses Mal mit Katalog 62. Die Gesamttaxe von 230'000 CHF wurde mit 540'000 CHF beinahe verdoppelt. Verantwortlich dafür waren erfolgreiche Serien Grönland, Italien, Niederlande und natürlich von der Schweiz. Die Versteigerung gipfelte jedoch im Kapitel der österreichischen Banknoten mit beinahe 80 Nummern. Durchwegs wurden die Schätzpreise vervielfacht. Das beste Ergebnis erzielte Los 6470 mit 65'000 Schweizer Franken; wohl ein Spitzenergebnis zu diesem Sammelgebiet für lange Zeit.

 

Los 6470: Österreich/Kaiserreich, 100 Gulden vom 23. Juni 1825. Eine Rarität ersten Ranges. Schätzung 1'200 CHF, erz. Preis 65'000 CHF

 

Für über 5.9 Millionen Schweizer Franken waren am Ende der drei Auktionstage zugeschlagen worden. Die Resultate können in der Ergebnisliste über die Homepage von SINCONA eingesehen werden; der Nachverkauf lässt vermutlich den einen oder anderen Münzenfreund noch nach einem Schnäppchen suchen. Unzählige besondere Stücke mit ihren herausragenden Ergebnissen konnten wir nicht erwähnen, aber SINCONA versichert Ihnen, dass dieses Auktionshaus auch Zukunft weitere spannende Versteigerungen anbieten wird – bleiben Sie also am Ball und schauen Sie regelmässig in die Homepage www.sincona.com

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