Der Mann, der The Maltese Falcon schrieb

21.10.2019

 US-Schriftsteller Dashiell Hammett (1894-1961). Bildquelle: Paris Review.

 

Ein verschlagener Kunstsammler erzählt Spade bei einem Whisky mit Soda die unglaubliche Geschichte. Im Jahr 1530 habe Kaiser Karl V. einem Ritterorden die Insel Malta als Lehen überlassen. Bald war der Orden nur noch unter dem Namen Malteser benannt. Als Tribut sollten die Ritter jährlich einen weißen Falken als symbolische Bestätigung der weiteren Abhängigkeit Maltas von der spanischen Krone schicken. Durch die Kreuzzüge reich geworden, verfielen die dankbaren Ritter auf die Idee eines besonderen Tributgeschenks: „Sie hatten den glücklichen Einfall, Karl für das erste Jahr nicht einen unbedeutenden lebenden Vogel zu senden, sondern einen prachtvollen goldenen Falken, von Kopf bis Fuß mit den schönsten Edelsteinen aus ihren Schatztruhen besetzt. Und – Sie wissen ja – sie hatten herrliche Steine, die herrlichsten von ganz Asien.“ (Dashiell Hammett, Der Malteser Falke, München 2006, S. 125).

 Humphrey Bogart als Sam Spade (USA 1941). Bildquelle: Pinterest, eTriggerz.

 

Privatdetektiv Sam Spade ist noch immer skeptisch. Doch der fettleibige Sammler setzt nach. „Großmeister Villiers de l’Isle d’Adam ließ diesen fußhohen, edelsteinbesetzten Vogel von türkischen Sklaven im Kastell St. Angelo anfertigen und schickte ihn an Karl nach Spanien ab. Er schickte ihn mit einer Galeere, die unter dem Kommando eines französischen Ritters namens Cormier oder Corvère stand, eines Ordensmitglieds.“ Er begann zu flüstern: „Die Galeere hat Spanien nie erreicht.“

Dashiell Hammett, der Altmeister des „harten“ Krimis, entwarf öfter derart anspruchsvolle Plots. Zwischen 1922 und 1934 schrieb er zahlreiche Kurzgeschichten und fünf Kriminalromane. Die Kenntnis des Milieus sammelte er in den ersten Jahren seines Berufslebens. Acht Jahre hatte Hammett bei der berühmten Agentur Pinkerton gearbeitet. Sein letzter Fall dort war der Goldraub auf der Sonoma: „Auf einem australischen Schiff, das vor San Francisco vor Anker lag, wurden runde 200.000 Dollar in Gold vermisst. Die haftende Versicherungsgesellschaft beauftragte die Pinkerton Agentur, das Gold aufzuspüren, das in einem Versteck auf dem Schiff vermutet wurde.“ (Nachwort zu Dashiell Hammett: Detektiv bei Continental’s, Zürich 1978, S. 367). Hammett und sein Kollege durchsuchten das Schiff, befragten alle Offiziere und Matrosen, konnten aber nichts finden. Kurz vor Auslaufen des Schiffes kam es zu einer letzten verzweifelten Suchaktion. Dabei erkletterte Hammett einen Kaminschlot. Dort waren die Goldmünzen! Als er mit 28 Jahren zu schreiben begann, brachte Hammett das Motiv der versteckten Goldmünzen in einer seiner ersten Kriminalerzählungen unter. Am Tresen eines Restaurants in Izzard (Arizona) zeigt ein Mann auf einen anderen, der gerade vor seinem Essen sitzt: „Der alte Rymer lebt in einer Hütte hinter der neuen Feuerwache, mutterseelenallein. Man sagt, er habe tonnenweise Goldmünzen unter seinen Dielen versteckt.“ (Dashiell Hammett, Nightmare Town, New York 1999). Derartige Gerüchte waren meist nicht aus der Luft gegriffen.

 

 US-Double-Eagles als Symbol für Reichtum. Bildquelle: Neatorama.

 

Die millionenfach kursierenden Double Eagles im Nennwert von 20 Dollar mit einem Goldgehalt von 30 Gramm galten damals schließlich als ultimativer Wertspeicher. Im Saloon darüber zu sprechen, dass man sie im Haus deponiert hatte, war leichtfertig. In der Geschichte wird der alte Mann jedenfalls kurz darauf schwer verletzt in seiner Hütte gefunden. Alle Dielen waren herausgerissen.  

Die Jagd nach dem Gold in Der Malteser Falke begann mit dem Besuch einer Dame in der Detektei von Spade & Archer. Stunden später war Privatdetektiv Miles Archer tot. Sein Partner Sam Spade wurde von der Polizei befragt. Leutnant Dundy nahm ihm gegenüber auf einem Chaiselongue Platz: „Ein Fünfdollar-Goldstück diente ihm als Krawattennadel, und ein fein gearbeitetes, brillantenbesetztes kleines Logenabzeichen steckte in seinem Rockaufschlag.“ (Der Malteser Falke, S. 22).

 

  Münze als Blickfang einer Krawattennadel. Bildquelle: Etsy, jt6740.       

 

Doch bei Spade biss der so penibel gekleidete Beamte auf Granit. Der ermittelte nämlich auf eigene Faust, zuerst bei Joel Cairo, einem verschlagenen Gauner, den er außer Gefecht setzte und durchsuchte. Jener Cairo schien in der letzten Zeit weit herumgekommen zu sein. In seinen Taschen fand Spade jedenfalls „eine Handvoll amerikanischer, britischer, französischer und chinesischer Münzen.“ (Ebenda, S. 51). Mit einem Trinkgeld in Höhe eines Silberdollars setzte der Showdown um den Gold-Falken ein. Nach drei Morden und einer turbulenten Verfolgungsjagd stand das wertvolle Stück endlich vor Spade und dem Kunstsammler auf einem Tisch. Der Detektiv kniff die Augen zusammen. Ungläubig wandte er sich an den Sammler: „Dann glauben Sie also, dieser komische Vogel ist zwei Millionen wert.“ (Ebenda, S. 130). Als was sich der vermeintlich wertvolle Schatz letztlich entpuppt, wird nicht verraten. Lesen sie selbst!

 

      

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