Meuterei & Rebellion: Teil 1, die „Rum-Rebellion“ 1808

12.06.2019

Diesen Monat hat die Royal Australian Mint eine neue Gedenkmünzreihe gestartet, in der die Gestaltung der Münzen thematisch unter dem Motto „Mutiny & Rebellion“ steht, also „Meuterei & Rebellion“. Hierbei handelt es sich um drei Ausgaben, die an die folgenden historischen Ereignisse Australiens erinnern: die Meuterei auf der HMS Bounty, die Rum-Rebellion und die Eureka Stockade oder Eureka Rebellion. Im Folgenden soll als erstes die Geschichte der „Rum-Rebellion“ vorgestellt werden, die auch das Thema der ersten Ausgabe der Münzreihe ist.

 

Vorder- und Rückseite der „Rum-Rebellion“- Gedenkmünze in Silber zu $5, 40,0 mm, 1 oz, in PP, Auflagenhöhe 1.500 Stück (auch zu $1 in AlBr, 25,00 mm, 9,0 g, in unzirkuliert, Auflagenhöhe 30.000). Bildquelle: Mit freundlicher Unterstützung Royal Australian Mint.

 

Bei der sogenannten „Rum-Rebellion“ handelt es sich um die einzige, temporär, erfolgreiche Rebellion gegen eine Regierung in Australien. Sie fand im Jahr 1808 statt und lässt sich, im Großen und Ganzen, als ein Machtkampf zwischen entsandten britischen Regierungsbeauftragten, und dem ebenfalls entsandten britischen Militär mit seinen Wirtschaftsinteressen umschreiben. Es standen sich zum einen William Bligh (1754-1817), der Gouverneur von New South Wales und zum anderen Major George Johnston (1764-1823) und John Macarthur (1767-1834) gegenüber.

 George Johnston, Aquarell von Robert Dwighton, 1752-1814. Bildquelle: Wikipedia.

 

Johnston war mit an Bord auf einer der elf Schiffe der First Fleet nach New South Wales, die die ersten Strafgefangenen zur neu gegründeten britischen Strafkolonie brachten, wodurch die Besiedlung des Kontinents durch Europäer begann. Er bekleidete nach der Ankunft in New South Wales das Amt des Adjutanten des Gouverneurs Arthur Philip (1738-1814) und wurde später Captain des New South Wales Corps, einem in England gegründeten Regiment, das hauptsächlich in Australien seinen Einsatz erfuhr – also die Überfahrt in die neue Strafkolonie unterstützten sollte, sowie die dortige Situation.

  John Macarthur. Bildquelle: Wikipedia.

 

Auch John Macarthur war Mitglied des South Wales Corps. Er segelte 1789 mit der Second Fleet nach New South Wales, wo er 1790 in Sydney ankam. An ihn, wie an viele andere Offiziere des Corps, wurde nach einer Periode der kollektiven Landwirtschaft unter Gouverneur Arthur Phillip Land verteilt, das jene Offiziere begannen zu bewirtschaften, wofür ihnen auch die angekommenen Sträflinge zugeteilt wurden. Macarthur wurde zum Begründer der Schafzucht und Wollindustrie in Australien, aber er war auch der erste der Wein anbaute und Pferde züchtete. Er stieg schnell zu einem erfolgreichen Geschäftsmann auf. Der Konflikt der Parteien, also dem Militär einerseits und der Regierung andererseits, reicht über jegliche wirtschaftliche Interessen insgesamt, die offene Revolte entzündete sich aber schließlich am praktizierten illegalen Rum-Import durch das Militär – der sich zudem in einem Land ohne eigenes Zahlungsmittel als Substitutwährung herauskristallisierte. Der Import und der Handel von Rum und anderen Spirituosen war bereits vom oben genannten Arthur Phillip verboten worden; jedoch ohne Erfolg. Hier spielte insbesondere die Praxis der Entlohnung mit Rum eine große Rolle, was gesellschaftliche Probleme wie Trunk- und Spielsucht und Kriminalität zu Tage förderte. Als Phillip aufgrund von gesundheitlichen Problemen nach England zurückkehrte, wurde dieses Verbot unter seinem Nachfolger Francis Grose (1754(58)-1814) gelockert, wie auch andere Gesetze und Befugnisse, die das Corps als Folge sehr mächtig machten. Sein Nachfolger Philip Gidley King (1758-1808) brachte die Situation nicht wie von der Krone verlangt unter Kontrolle, sodass William Bligh 1805 neuer Gouverneur wurde und nun die Hauptverantwortlichen des Rum-Handels, die oben genannten George Johnston und John Macarthur, verfolgte.

 

 William Bligh, Portrait von Alexander Huey. Bildquelle: Wikipedia.

 

Sein Vorgehen löste schließlich die „Rum Rebellion“ aus: das New South Wales Corps setzte nach Absprache mit dessen kommandierenden Major George Johnston, sowie dem oben genannten John Macarthur Gouverneur Bligh am 26. Januar 1808 ab und fest. Jonhston übernahm eigenhändig die Regierungsgeschäfte als „Lieutenant Gouverneur“ und entließ andere Offizielle der Regierung. Der zu dieser Zeit amtierende Vizegouverneur Blighs, Joseph Foveaux (1767-1846), war während diesen Ereignissen gerade auf dem Rückweg nach Australien. Als er eintraf, setzte er Johnston ab. Nur, um dann selbst wieder abgesetzt werden; von dem South Wales Corps Getreuen William Paterson. Nach diesem hin und her schickte die Krone schließlich Lachlan Macquarie (1762-1824) 1809 nach Australien.

 

 Lachlan Macquarie. Bildquelle: Wikipedia.

 

Er führte die Regierungsgeschäfte der New South Wales Kolonie von 1810-1821 und wird aufgrund seiner Errungenschaften oft als Begründer Australiens bezeichnet. Macquarie war schließlich auch in der Lage das Problem der nichtvorhandenen eigenen Währung, bzw. die Knappheit der britischen Währung in der Kolonie zu lösen, wofür ja auch Rum eingesetzt wurde. Ende 1812, nachdem die britische Krone seiner Bitte nach Währungsnachschub nicht nachkam, kaufte er 40.000 spanische 8-Reales-Stücke („Pieces of eight“) und ließ ein Loch in ihre Mitte stanzen – der Holey Dollar („löchriger Dollar“) und der Dump (gemeint ist die ausgestanzte Mitte) entstanden.

 

Die Vorderseite eines Holey Dollars von 1813 und der dazugehörige Dump. Bildquelle: State Library of New South Wales.

 

Der Ring entsprach einem Wert von fünf Shilling und der Dump 15 Pence – und dabei hatte Macquarie für die gekauften Reales 4 Shilling und 9 Pence bezahlt. Neben dem Ausstanzen wurden die Münzen auch mit einer Aufschrift graviert: NEW SOUTH WALES 1813, dem Ausgabejahr. Tatsächlich erreichte Macquarie, dass die „neue“ Währung Benutzung fand, und zwar bis 1829, als die Holey Dollars nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert und aus dem Verkehr gezogen wurden

Und was passierte mit den Rebellen und Bligh? John Macarthur kam vor das Kriegsgericht in England und wurde zu 8.5 Jahren Exil in England verurteilt, wonach er wieder nach Australien zurückkehrte. Es heißt, dass die gegen ihn gesammelten schriftlichen Beweise während der Überfahrt nach England verloren gingen…  George Johnston war ebenfalls auf dem Schiff nach England, um vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Dieses fand auch ihn 1811 der Meuterei schuldig – er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht sah in ihn vielmehr ein „Werkzeug“, als einen Täter aus eigenen Interessen. Auch er kehrte nach Australien zurück, wo er als Privatperson bis zu seinem Tod lebte. William Bligh kehrte ebenfalls nach England zurück, blieb jedoch und wurde noch 3 Jahre vor seinem Tod 1817 zum Vizeadmiral ernannt wurde.

 

Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen
Auf Linkdin teilen
Auf Pinterest teilen
Auf Google+ teilen
Gefällt mir!
Please reload