Francesco di Marco Datini - Kaufmann der Frührenaissance

13.05.2019

 Statue von Francesco di Marco Datini in Florenz. Bildquelle: Wikimedia, Galardi.

 

Auf der Piazza del Comune von Prato bei Florenz steht eine Statue des Kaufmanns Francesco di Marco Datini (1335-1410). Der Mann wäre wahrscheinlich längst vergessen, hätte er nicht ein detailgetreues Archiv all seiner Aktivitäten hinterlassen. Aus kleinen Verhältnissen nach oben gekommen, arbeitete er Tag und Nacht, um seinen Reichtum zu erhalten und zu mehren. Als früher Vertreter der Renaissance verdankte er seine Position nicht der Geburt, sondern schöpferischer Aktivität. Glück brachte ihm das viele Geld allerdings nicht. Von der Gier getrieben, von Verlustängsten geplagt, meldete sich im Alter das Gewissen. Sein Haus und das Vermögen in Höhe von 70.000 Gulden vermachte er den Armen von Prato.

Die verbürgte Geschichte begann mit dem Auszug des vollweisen jugendlichen Francesco im Jahr 1350 aus der toskanischen Heimat nach Avignon. Die einstweilige Stadt der Päpste bot damals glänzende Aufstiegschancen. Mit dem ersten selbst verdienten Geld eröffnete er ein Handelsgeschäft, das Rüstungen und Waffen verkaufte.

 

 Geschäftsalltag eines Kaufmanns. Bildquelle: Palazzo Strozzi.

 

Es folgte eine Wechselstube, in der fremde Währungen sowie Silberzeug und Kunstgegenständen gehandelt wurden: „Um diese Zeit fing Datini auch an, kunstvolle französische Emailarbeiten auf Goldgrund nach Florenz zu exportieren, die damals sehr in Mode waren. Sie wurden gern als Schmuck an Damengewändern und als Kopfputz in silbernen und goldenen Girlanden getragen. Diese Emailarbeiten wurden in Paris zu fünf Goldfranken pro Unze gehandelt.“ (Iris Origo: Im Namen Gottes und des Geschäfts, Berlin 1997, S. 37f.). Immerhin 1.328 dieser leicht transportablen Kunstwerke konnte Datini zwischen 1370 und 1371 nach Florenz verkaufen.

Als wohlhabender Mann kehrte Datini im Dezember 1382 in seine toskanische Heimat zurück. In seiner Heimatstadt Prato engagierte er sich im Tuchhandel, in Florenz eröffnete er ein Handelsunternehmen mit Niederlassungen in Barcelona, Avignon, Genua und Pisa. Sogar als Bankier betätigte sich Datini zeitweilig. In den Büchern der Firma finden sich Wechsel wie jener aus dem Jahr 1400: „Am 21. Februar desselben Jahres zog die Firma Bernardo degli Alberti, Venedig, einen Wechsel über 400 Dukaten zum Kurs von 16 Soldi und 8 Denari Barcellonesi für den Dukaten auf die Datini-Filiale in Barcelona und gab Anordnung, die Firma Aberti & Co., Brügge, mit dem Betrag von 333 Lire, 6 Soldi und 8 Denari zu belasten.“ (Ebenda, S. 173).

 

  Fiorino d’oro von 1347. Bildquelle: Wikimedia, Morino.

 

 

In Florenz wurde in Florin (Fiorino d’oro) gerechnet. Die Münze wurde später auch als „Florentiner Goldgulden“ bezeichnet. Der Florin wurde im Jahr 1252 zum ersten Mal mit einem Feingewicht von 3,53 Gramm geschlagen. Er zeigt sie auf der Vorderseite die florentinische Lilie, auf der Rückseite ein Bild von Johannes dem Täufer. Kaufleute wie Datini rechneten zumeist mit derartigen Gulden, also europaweit konvertiblen Handelsmünzen. Alltagsgeschäfte wurden dagegen in einer anderen Währung abgewickelt, welche auf der Lira d'argento (auch: Lira di pìccioli) basierte.

 Soldo (Florenz, um 1230). Bildquelle: Varesi Numismatica, Auction 70, Lot 267. 

 

 

Dieses gängige System einer Silberwährung ging noch auf Karl den Großen zurück. Es beruhte auf der Lira zu 20 Soldi. Ein Soldi entsprach 12 Denari. Somit entfielen auf eine Lira also 240 Denari. Der Wert des Florin stand allerdings in keinem festen Wechselverhältnis zum System des Silbergeldes: „Im Jahr 1252 bekam man für eine Lira di pìccioli einen Fiorino d'oro; im Jahr 1400 musste man dafür schon 3 3/4 Lire di pìccioli hinlegen, 1500 dann bereits 7.“ (Ebenda, S. 418).

Die Löhne waren überschaubar: der Jahreslohn eines kaufmännischen Angestellten betrug 20 Gulden, der einer Magd zehn Gulden. Und eine erwachsene Sklavin kostete 50 bis 60 Gulden. In den Haushaltbüchern der Datinis ging es auch um die Lebenshaltung: „Grob gesagt, war alles billig, was am Ort hergestellt wurde und nicht importiert werden musste, also Eier, Gemüse, Obst, Wildbret, Süßwasserfische (meist Schleie und Hechte). Salz und Zucker sowie alle Gewürze waren dagegen relativ teuer, wurden aber trotzdem reichlich verwendet. Der Wein aus der Gegend kostete weniger als eine Lira pro Fass, eine Anphora Tyros-Wein dafür gleich 28 Dukaten.“ (Ebenda, S. 307). Und weiter: „Ein Schneider verlangte für das Nähen eines Gewands nur einen Gulden, aber das fertige Kleidungsstück konnte mit dem Material, wenn es aus feiner Seide oder feinem Samt gemacht, pelzbesetzt oder bestickt war, schon auf mehr als 100 Gulden kommen.“ (Ebenda, S. 308).

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