Die Münzsammlung der Smithsonian Institution

30.03.2019

Flowing-Hair-Dollar (amtliche US-Erstausgabe, Silber, 1794)

Bildquelle: Wikimedia, National Numismatic Collection

 

Mit der Herstellung der ersten Bundesmünzen fing alles an: „Am 2. April 1792 wurde in den jungen Vereinigten Staaten von Amerika der Mint Act, das Münzgesetz, beschlossen. Mit diesem Gesetz wurde in den USA der Dollar zu Hauptwährungsmünze erhoben. Die festgeschriebene Doppelwährung (Gold und Silber waren Währungsmetalle) schuf ein Verhältnis von 15:1 zwischen Silber und Gold. Das ergab für die Silberdollars, die erstmals im Jahre 1794 ausgeprägt wurden, ein Raugewicht von 26,956 g und 24,2604 g Feingewicht. Die Legierung bestand also aus 90% Silber und 10% Kupfer.“ (Helmut Kahnt: 200 Jahre US-Dollar. In: MünzenRevue 9/1992, S. 21) Die ersten 1.500 Exemplare einer Bundesmünze, nämlich die Half Dime zu 5 Cents, waren übrigens im Juli 1792 in einem Keller von Philadelphia vor Inbetriebnahme der neuen Münzstätte geprägt worden. Etwa 275 Exemplare sind erhalten geblieben.

 

 Adam Eckfeldt, zwischen 1814 und 1839 zweiter US-Münzmeister an der Philadelphia Mint

Bildquelle: Wikimedia, Du Bois

 

Mit Beginn ihrer ersten Prägungen begann die United States Mint jährlich eine Reihe ihrer Master Coins zu sammeln. Der zweite Münzmeister Adam Eckfeldt (1769–1852) trug außerdem vieles von dem zusammen, was eingeliefert wurde und werthaltig erschien. Eine der heute sagenhaft wertvollen Brasher-Dublonen war unter den ersten Sammlungsstücken. Aber auch seltene ausländische Prägungen gingen zur Goldgewinnung ein. Elvira Clain-Stefanelli (1914–2001), die legendäre Kuratorin der Münzsammlung in der Smithsonian Institution, berichtete einige Jahre vor ihrem Tod in einem Interview der MünzenRevue über den Grundstock der legendären Sammlung: „Einwanderer brachten Münzen, vor allem Goldmünzen aus der alten Welt mit, deren Goldwert sie gerne nutzen wollten. Sie brachten sie also in die Staatliche Münzstätte zum Schmelzen. Und dort wurden sie auf die Waage gelegt. Da hat man sich nicht gefragt, woher eine Münze kam, ob sie teuer oder kostbar oder selten war, man hat auf die Waage geschaut und dann pro Gramm Gold bezahlt. Und das viele Jahre lang. Zum Glück gab es Leute in der Münzstätte, die erkannt haben, dass viele Münzen mehr wert waren als das Gold und dass es schade war, sie in den Schmelzofen hineinzuwerfen. Und die haben langsam eine Sammlung aus eigener Initiative begonnen.“ (Ursula Kampmann: Bürgerin aller Welten – Die Numismatikerin Elvira Clain-Stefanelli. In: MünzenRevue 10/1997, S. 112)

 20 Dollar (Double Eagle, Design: James B. Longacre, Erstausgabe, Gold, 1849)

Bildquelle: Wikimedia, National Numismatic Collection

 

Im Jahr 1923 entschied die United States Mint, ihre Sammlung an die Smithsonian Institution abzugeben. Die Forschungs- und Bildungseinrichtung verfügte damals bereits über eine eigene Münzsammlung. Doch erst mit den 18.324 Münzen der US-Mint wurde sie zur bedeutenden Sammlung. Im Jahr 1956 übernahm Vladimir Clain-Stefanelli (1914–1982) die Position des Kurators. Ein Jahr später wurde seine Frau Elvira eingestellt: „Wir waren zwei Leute für eine Sammlung, die damals schon 60.000 Stücke zählte. Natürlich in schrecklicher Unordnung. Zwar gab es Schubläden, da waren Abteilungen und da waren die Münztütchen. Aber aus den Tütchen haben Leute Sachen herausgenommen für Ausstellungen. Da hatte man keine Ahnung mehr, woher die Münzen in den Ausstellungen kamen. Es war ein buntes Durcheinander.“ (Ebenda, S. 112) Nach 40 Jahren der Tätigkeit von Clain-Stefanelli war die Sammlung auf über 900.000 Objekte angewachsen – und geordnet. Inzwischen ist sie eine der bedeutendsten musealen Sammlungen weltweit. Derzeit besteht die von Smithsonian beaufsichtigte National Numismatic Collection des National Museum of American History in Washington aus etwa 1,6 Millionen Objekten, vor allem Münzen, Medaillen und Papiergeld.

 

 20 Dollar (Double Eagle, Design: Augustus Saint-Gaudens, Hochrelief, Gold, 1907)

Bildquelle: Wikimedia, National Numismatic Collection

 

Die im Jahr 2009 eröffnete Dauerausstellung Stories on Money lädt die Besucher ein, sich mit der Währung und den Münzen der Vereinigten Staaten vertraut zu machen. Innerhalb der Hauptstrecke America’s Money wird die Geschichte des Geldes von der Kolonialherrschaft im 17. Jahrhundert bis heute nachgezeichnet. Seltene Zahlungsmittel sind ausgestellt, etwa eine koloniale Schillingnote aus Massachusetts von 1690 oder eine Muschelschale, die während der Weltwirtschaftskrise als Zahlungsmittel verwendet wurde. Zu den herausragenden Ausstellungsstücken der Vitrine America’s Legendary Coins gehören alle drei Varianten eines raren Silberdollars von 1804, das unschätzbar wertvolle Unikat einer 20-Dollar-Goldmünze von 1849, die beiden Muster einer 50-Dollar-Münze von 1877, die unter dem Titel Half Union bekannt wurden, beide Hochrelief-Varianten der Goldmünze zu 20 Dollar von Augustus Saint-Gaudens von 1907 sowie zwei Exemplare dieser Münze aus dem fast komplett eingeschmolzenen Jahrgang 1933. Die aktuelle Sonderausstellung heißt Women on Money.      

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