Nike-Porträts – gibt es die überhaupt?

Dass die Siegesgöttin Nike auf unzähligen antiken griechischen Münzen vorkommt, dürfte dem Sammler griechischer Münzen sehr wohl bekannt sein. Schließlich sieht man diese Göttin sehr häufig beim Bekränzen eines siegreichen Gespanns, eines siegreichen Wagenlenkers oder eines menschengesichtigen Stiers, bei der Errichtung eines Tropaions (eines Siegesmals aus erbeuteten Waffen), bei der Tötung eines Opfertieres, beim Lenken einer Quadriga oder beim Bekränzen des Namens eines bedeutenden hellenistischen Königs. Doch in all diesen Fällen erscheint sie uns ganzfigurig – mal stehend, mal kniend und dann wieder fliegend –, so dass wir sie Dank ihrer Flügel und ihrer Betätigung auch sofort als Siegesgöttin erkennen können.

Aber wie sieht es mit Porträtdarstellungen der Nike aus? Gibt es diese überhaupt? Nun, so ungewöhnlich es auch erscheinen mag, es gibt sie tatsächlich, wenn auch längst nicht so häufig wie die Ganzkörperdarstellungen.

 

 

 

Abb. 1: Mytilene (Lesbos), Hekte (377–326 v. Chr.), Elektron, 2,55 g, Ø [Höhe Vs.] 10 mm

Foto: F. R. Künker, Auktion 318 (11–12. März 2019), Los 698

 

 

 Abb. 2: Brettion (Bruttium), Drachme (216–214 v. Chr.), 4,76 g, Ø [Höhe Vs.] 19 mm

Foto: Gorny & Mosch, Auktion 261 (4–5. März 2019), Los 51

 

Wie aus Abb. 1 und Abb. 2 ersichtlich, verlängerte man das Porträt der Nike im Halsbereich zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Porträtbüste, so dass man daran die Flügel der Göttin „anbringen“ konnte. Dies geschah entweder durch nach oben hin stark geöffnete Flügel wie in Abb. 1 (Rückseite) oder aber durch eine einfache Andeutung nur leicht geöffneter Flügel wie in Abb. 2 (Vorderseite).

Eine weitere und künstlerisch auch sehr viel einfachere Methode, Nike im Porträt darzustellen, erreichte man dadurch, dass man dem weiblichen Porträtkopf auf der Münze schlicht und einfach nur den Zusatz NIKA (im dorischen Griechisch = Nike) beifügte, ohne ihn zusätzlich mit Flügelansätzen oder Flügeln auszustatten.

 

 

 Abb. 3: Metapont (Lukanien), 1/3 Stater (um 302 v. Chr.), Gold, 2,61 g, Ø [Höhe Vs.] 14 mm

Foto: Helios Numismatik, Auktion 2 (25. November 2008), Los 26

 

 

 Abb. 4: Brettion (Bruttium), Bronzenominal (um 216–214 v. Chr.), Bronze, 5,04 g, Ø [Höhe Vs.] 18,5 mm

Foto: Classical Numismatic Group, Electronic Auction 435 (2. Januar 2019), Los 5

 

In Abb. 3 verläuft die Aufschrift NIKA neben dem Porträtkopf rechts, von unten nach oben, und in Abb. 4 findet sie sich im linken Münzfeld unter dem Hals-Kinn-Bereich von links unten nach links oben verlaufend. So war und ist auch heute noch jedem, der diese Münzen sah bzw. sieht, klar, bei den Abgebildeten handelt es sich zweifelsfrei um die Siegesgöttin Nike. Nicht sofort als Nike erkennbar wären diese Porträts allerdings dann, wenn sie so sehr dezentriert wären, dass das Wörtchen NIKA außerhalb der Münzschrötlinge läge. Ein „guter“ Münzkatalog, der alle emittierten Münztypen von Metapont oder Brettion verzeichnet, könnte in so einem Fall jedoch Abhilfe schaffen und das abgebildete Gesicht doch noch eindeutig identifizieren helfen.

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