Numismatische Spurensuche: Jesus von Nazareth

10.11.2018

Der Verrat des Judas (Gemälde von Andrey Mironov, 2009)

Bildquelle: Wikimedia, Mironov

 

 „Da ging einer von den Zwölfen namens Judas Iskariot zu den Hohepriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich ihn euch verrate? Sie aber versprachen ihm dreißig Silberlinge.“ (Matthäus 26,14–15) Nach den nächtlichen Gebeten im Garten Gethsemane sollte Jesus gefangen genommen werden. Von den Schergen des Hohepriesters und der Volksältesten begleitet, trat Judas Iskariot auf Jesus zu und verriet ihn: „Sei gegrüßt Meister.“ (Matthäus 26,49) Dann küsste er ihn.

Es ist nicht die einzige Stelle im Neuen Testament, die auf Münzen aus Palästina verweist. Historiker und Numismatiker haben die Funktionsweise des regionalen Währungssystems detailgenau rekonstruiert. Als Jesus im Jahr 7 v. Chr. geboren wurde, herrschte Herodes (73 v. Chr. – 4 v. Chr.) als von Rom eingesetzter König über Judäa. Er gab lediglich Kupfermünzen heraus, da ihm der Kaiser das Recht zur Silberprägung zeitlebens nicht verlieh. Dennoch kursierten Silbermünzen, insbesondere römische Denare: „Außerdem gab es die im Namen des Kaisers von der römischen Provinzialregierung geprägten Silbermünzen mit griechischer Aufschrift, die sogenannten Drachmen, Doppel- und Tetradrachmen, die Matthäus 17, 24 und Lukas 15,8 erwähnt werden.“ (Gerhard Kroll: Auf den Spuren Jesu. Leipzig 1970, S. 25)

 

Denar mit Porträt des Kaisers Tiberius (14 v. Chr. – 37 n. Chr.)

Bildquelle: MoneyMuseum

 

Infolge der römischen Besetzung wurde die traditionelle attische Drachme aus der Zeit Alexanders des Großen aber zunehmend vom römischen Silberdenar verdrängt. Diese Münze wird denn auch am häufigsten im Neuen Testament erwähnt: „Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der mit dem Frührot ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.“ (Matthäus 20,1–2) An anderen Stellen sind Schuldgeschäfte bis zu einer Höhe von 500 Denare thematisiert worden. Gewöhnliche Kupfermünzen werden ebenfalls erwähnt, zum Beispiel der Sestertius oder das Lepton.

 Zwei bronzene Lepta-Münzen

Bildquelle: Ekklesia-Project

 

Die zuletzt genannte Kupfermünze, von der zwei einem römischen Quadrans entsprachen, spielt beim „Scherflein der Witwe“ sogar eine wichtige Rolle. „Als Jesus dem Schatzkasten gegenübersaß, sah er zu, wie viele Leute Geld in den Schatzkasten warfen. Auch viele Reiche opferten viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf 2 Heller (griechisch: lepta dyo – d.A.) – das ist ein Quadrans – hinein (…): Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr geopfert als alle, die etwas in den Schatzkasten geworfen haben. Denn sie alle haben von ihrem Überfluss gespendet, sie aber hat in ihrer Armut alles geopfert, was sie hatte, ihren ganzen Unterhalt.“ (Markus 12,41–44)

Tetradrachme aus dem Jahr 21 n. Chr.

Bildquelle: MoneyMuseum

 

Die einleitende Geschichte um den Verrat an Jesus wird lediglich bei Matthäus fortgeführt. Dieser berichtet nicht nur vom Todesurteil, das über Jesus verhängt wurde. Die ausschließlich bei Matthäus vorkommenden Silberlinge, mit denen Doppeldrachmen gemeint sein dürften, spielen wiederum eine Schlüsselrolle. „Da nun sein Verräter Judas sah, dass er (Jesus – d.A.) verurteilt worden war, ergriff ihn Reue, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohepriestern und Ältesten zurück und sagte: Ich habe Sünde getan, da ich unschuldiges Blut verraten habe. Die aber entgegneten: Was geht uns das an? Da sieh du zu. Da warf er die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon; er ging hin und erhängte sich. Die Hohepriester hoben die Silberlinge auf und sagten: Man darf sie nicht in den Tempelschatz tun, weil es Blutgeld ist. Sie beschlossen daher, damit den Acker des Töpfers als Begräbnisstätte für die Fremden zu kaufen. Darum wird jener Acker bis heute Blutacker genannt.“ (Matthäus 27,3–8)

 Palästina zur Zeit Jesu

Bildquelle: Wikimedia, Library of Congress

 

 

 

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