Herakles: Schon als Säugling ein Held

Dass Herakles nicht nur ein großer Held, sondern geradezu der Inbegriff des antiken griechischen Heros war, ist allseits bekannt. Schließlich bestand er alle zwölf schier unmöglich zu bewältigenden Taten bzw. Arbeiten, die er auf Befehl der Hera im Dienste des Eurystheus von Argos durchführte, mit Bravour – so tötete er beispielsweise den nemeischen Löwen, die lernäische Hydra, den erymanthischen Eber, die kerynthische Hirschkuh, die stymphalischen Vögel, bändigte den kretischen Stier, holte den Höllenhund Kerberos aus dem Hades in die Oberwelt, reinigte den Stall des Augeias, erbeutete den Gürtel der Amazonenkönigin, entwendete die goldenen Äpfel der Hesperiden usw. Auch fuhr er mit Jason und den Argonauten nach Kolchis (den heutigen Kaukasus), um das Goldene Vlies zu erbeuten, kämpfte gegen die Kentauren, gegen die Amazonen, gegen die Meropes (die Ureinwohner von Kos), gegen den dreileibigen Geryoneus und gegen den unverwundbaren Sohn der Gaia, Antaios. Die Liste der Abenteuer und Heldentaten des Herakles ist noch länger und umfasst sowohl glückliche als auch tragische Erlebnisse.

Eine Heldentat muss allerdings noch erzählt werden, da sie eine frühe Kostprobe seiner göttlichen Abstammung und Kraft gibt. Als Hera, die Schwestergemahlin des Zeus, herausgefunden hatte, dass Herakles der Sohn des Zeus und der Alkmene war, der Gattin des thebanischen Königs Amphitryon, kochte sie vor Eifersucht und trachtete Herakles von Beginn an nach dem Leben. So suchte sie eines Nachts das Schlafgemach auf, in dem das Baby Herakles und sein Halbbruder Iphikles – der eigentliche Sohn des Amphitryon –  in der Wiege lagen und sandte diesen zwei Schlangen. Als die Säuglinge die Schlangen bemerkten, zog sich Iphikles schreiend und verängstigt in eine Ecke zurück, während Herakles blitzschnell zupackte und beide Schlangen erwürgte. Eine Heldentat, die die Numismatik vielfach aufgriff und z.B. auf silberne Tridrachmen bannte.

 Kyzikos (Mysien), Tridrachmon (um 405 v. Chr. oder um 394 v. Chr.), Silber, 11,41 g, Ø 21 mm, Münzstätte Kyzikos. Quelle: CNG, Triton XIX (5. Januar 2016), Teil 1, Los 166

 

Bei der abgebildeten Münze handelt sich um eine sogenannte Bundes- bzw. Symmachie-Münze. Nachdem der Athener Konon 394 v. Chr. die Spartaner in der Seeschlacht bei Knidos geschlagen hatte, schlossen sich Samos, Ephesos, Knidos, Rhodos, Iasos, Kyzikos und Byzantion 394/393 v. Chr. zu einem Bündnis (Symmachie) zur Abwehr der spartanischen Vorherrschaft zusammen und emittierten anschließend Bündnismünzen. Diese trugen auf ihrer Vorderseite den die Schlangen würgenden Heraklesknaben sowie das Kürzel „ƩYN“ für ƩYNMAXON ([Münze] der Verbündeten) oder ƩYNMAXIKON (Bundesprägung) und nur auf der Rückseite das für die jeweils emittierende Polis charakteristische Wappen – aufblühende Rose für Rhodos, Biene für Ephesos, Aphroditekopf für Knidos, Löwenskalp für Samos, Löwenkopf über Thunfisch für Kyzikos, Rind über Delphin für Byzantion und Kopf des Apollon für Iasos.

Einer anderen, neueren Theorie zufolge, könnte Herakles, der dorische Held, auch für den spartanischen Sieg über Athen am Ende des Peloponnesischen Krieges stehen; diese Theorie bringt das Bündnis in Verbindung mit dem spartanischen Feldherren Lysander, der 405 v. Chr. die athenischen Seestreitkräfte vernichtete, Athen 404 v. Chr. zur Kapitulation zwang und den Attischen Seebund auflöste.

Die offensichtliche Verwirrung, die diese Münzen in der numismatischen Fachwelt gestiftet haben, rührt sicherlich daher, dass sie zum einen nicht datiert und zum anderen die einzigen auf uns gekommenen Quellen sind, welche die Existenz eines solchen Bündnisses nachweislich belegen. Doch ganz gleich, ob sie letztlich für eine anti- oder eine pro-spartanische Allianz stehen, historisch betrachtet sind sie von zentraler Bedeutung – da ohne sie weder die Existenz einer solchen Symmachie noch die einzelnen Mitglieder derselben je bekannt geworden wären.

 

 Herakles mit einer Schlange, Werk aus dem 2. Jahrhundert in den Kapitolinischen Museen in Rom. Quelle: Wikipedia, Foto: Marie-Lan Nguyen (2006)

 

 

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