Die Jahrhundertmünze

01.10.2018

Seit April 2015 zeigt das Museum August Kestner in Hannover „Die Jahrhundertmünze“. Die Präsentationsreihe konzentriert sich – alle drei Monate wechselnd – immer auf eine Münze und beleuchtet ihren historischen Hintergrund. Verantwortliche Kuratorin ist Dr. Simone Vogt, der wir auch die Texte verdanken.

Nach vierzehn Jahrhunderten Münzgeschichte ist man in Hannover inzwischen im 8. Jahrhundert nach Chr. und bei Karl dem Großen (768–814) angekommen. Somit ist die erste Hälfte der Münzgeschichte seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bis in unsere heutige Zeit durchlaufen. Das hat man im Museum August Kestner zum Anlass genommen, alle bisherigen Jahrhundertmünzen gleichzeitig bis 28. Oktober 2018 erneut zu zeigen und so Geschichte(n) anhand von Münzen zu erzählen.

Wir dürfen nun wöchentlich voranschreitend die bisher gezeigten „Jahrhundertmünzen“ aus Hannover hier präsentieren. Noch schöner sind sie nur im Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover; Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen.

 

Die 11. Jahrhundertmünze:

5. Jahrhundert n. Chr.

Solidus, Flavius Honorius, Constantinopel, 402/3 n. Chr. (Museum August Kestner Inv.-Nr. 1934.162)

 

Die 11. Jahrhundertmünze zeigt den Kaiser Flavius Honorius (reg. 393–423 n. Chr.). Er ist abgebildet als fast frontale Büste mit Perlendiadem und verziertem Brustpanzer. Rechts schultert er eine Lanze, und links hält er einen Schild. Trotz des geringen Durchmessers ist die Münze sehr detailliert gearbeitet, denn es ist sogar der Schildschmuck zu erkennen: Man sieht in der Vergrößerung einen Reiter nach rechts galoppieren. Die Umschrift nennt den Namen des Honorius mit seinen Titeln.

Die Bedeutung des Namens Honorius kann mit „Der Ehrenvolle“ übersetzt werden. Aber die Herrschaftszeit des Kaisers war alles andere als das, denn er musste die große Schmach der ersten Plünderung Roms während der Kaiserzeit erleben! Das Zentrum des jahrhundertealten Römischen Reiches, der einstige „Nabel der Welt“, wurde überrannt von den Westgoten unter Alarich (410 n. Chr.). Dieses einschneidende Ereignis war eine Etappe im Laufe der tiefgreifenden Veränderungen am Übergang von Spätantike zum Mittelalter.

 

Der Beginn einer neuen Zeit

Welcher Art waren diese Veränderungen? Zu allererst ist die Verehrung eines neuen Gottes, des Gottes der Christen, zu nennen. Das Christentum wurde im 4. Jahrhundert n. Chr. immer stärker, während der Glaube an die heidnischen Götter vernachlässigt wurde. Aus den kleinen Gemeinden der christlichen Frühzeit wuchs die vorherrschende Religion im Römischen Reich.

 Teil eines Elfenbeindiptychons mit der Darstellung des Honorius. Oberhalb des vexillums (Fahne) ist das Christogramm zu sehen. Das Diptychon befindet sich in Aosta.

 

Zwei weitere Aspekte der Umwälzungen in der Spätantike können anhand der Münze des Honorius illustriert werden: Zum einen verlagerte sich das weltpolitische Zentrum in Richtung Osten nach Constantinopel und zum anderen wurde ein neues Münzsystem eingeführt.

Je mehr Ansehen das alte Rom verlor, desto stärker wuchs die Bedeutung der Stadt am Bosporus: Constantinopel, heute Istanbul. Der römische Kaiser Constantin (reg. 306–337 n. Chr.) erwählte die Stadt zu seiner neuen Residenz und gab ihr seinen Namen, nachdem sie zuvor jahrhundertelang Byzantion hieß. Die Stadt ersetzte als „neues Rom“ bald die alte Hauptstadt des Römischen Reiches.

Früher wurde Roma häufig als mächtige Frau in der Bildkunst wiedergegeben. Auf der hier gezeigten Münze ist dagegen Constantinopolis als thronende Göttin stolz und herrschaftlich zu sehen. In der rechten Hand hält die Göttin eine Lanze, in der linken trägt sie eine Victoria auf dem Globus. Der rechte Fuß ruht auf einem Schiffsbug. Das Kürzel CONOB im Abschnitt steht für die Stadt Constantins und ihre Münzstätte. Hier ist der Solidus geprägt worden.

Die Solidi sind „solide“ oder „massive“ Goldmünzen, die 1/72 des römischen Pfundes wiegen, also ca. 4,55 g nach heutiger Gewichtseinheit. Solidi erwiesen sich als langlebige Neuerung, die wiederum Constantin der Große einführte, denn der Solidus blieb sieben Jahrhunderte lang die Hauptmünze des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches.

 

 

 

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