Carsten Theumer und das böse Geld

25.09.2018

Carsten Theumer erhielt gerade wieder interessante Aufträge und hohe Ehrungen, so konnte man bei muenzen-online am 24.9.2018 lesen. Aus diesem Anlass seien hier eine Münze und eine Medaille von ihm ausführlicher vorgestellt.

 Carsten Theumer gestaltete die 10-Euro-Münze 2005 zum 200. Todestag von Friedrich Schiller. Foto: ma-shops, S&R Edelmetalle

 

Die 10-Euro-Bundesgedenkmünze von 2005 auf den 200. Todestag von Friedrich Schiller, die breite Zustimmung in der Sammlerschaft gefunden hat, ist ein Werk von Carsten Theumer. Die Jury des Gestaltungswettbewerbs urteilte:

„Der Münzentwurf stellt auf der Bildseite eine Porträtdarstellung Schillers in den Mittelpunkt, umrahmt von Titeln ausgewählter dramatischer Werke. Die Darstellung des Kopfes des Dichters ist deshalb bemerkenswert, weil sie - ohne falsch idealisierende Elemente - den Menschen Schiller authentisch erkennen lässt. Die Komposition ist insgesamt künstlerisch sehr überzeugend. Gleichwohl erscheint der Jury die Auswahl der zitierten Werke eher zufällig (nur Dramen), sie sollte so geändert werden, dass Schiller auch als Lyriker, Epiker und Philosoph repräsentiert wird.

Der Adler auf der Wertseite korrespondiert in gelungener Weise mit der Bildseite, was durch seine kreisförmige Begrenzung unterstrichen wird.“

Nach diesem Vorschlag lautet nun die Umschrift auf der Bildseite: „200. Todestag des Dichters Friedrich v. Schiller / Die Räuber . Über Anmut und Würde . Die Kraniche des Ibycus / Wilhelm Tell . Nänie . Wallenstein . Der Geisterseher

Für viele Sammler von Gedenkmünzen und auch von modernen (Münz- und Medaillen-)Gestaltungen ist diese Münze ein Glanzlicht.

Medaille zum 12. Deutschen und 50. Süddeutschen Münzsammlertreffen 2015 in Speyer von Carsten Theumer, Guss, 99 x 90 mm, unpatiniert (es gibt auch eine unpatinierte Version)

 

Vom 25. bis 27. September 2015 fand in Speyer das 12. Deutsche Münzsammlertreffen statt, das zugleich als das 50. Süddeutsche Münzsammlertreffen zählt. Carsten Theumer aus Halle gestaltete die Medaille zum Tagungsmotto „Böses Geld, schlechtes Geld, falsches Geld“.

Auf der Vorderseite ist es Theumer gelungen, eine gewaltig große Schriftmenge als gestalterisches Element zu nutzen, so dass die Schrift zuerst dekorativ und die Bildelemente betonend wahrgenommen wird und dann erst in ihrem Informationsgehalt. Im Zentrum dieser Medaillenseite steht der Kaiser-Dom zu Speyer, der ja auch das Speyerer Stadtwappen ist und so auf jeden Fall für den Veranstaltungsort steht. Auf dem siegelartig angebrachten Dom-Bild sitzt die Eule, die seit den attischen Tetradrachmen eines der bekanntesten Münzbilder ist und heute gerne als Symbol für die Numismatik gesehen wird. Über der Eule steht das Jahr des Treffens und der Medaille: 2015. Das große gotische „S“ unter dem Siegel, das der Eule sozusagen gegenüber steht, ist das Münzbild der Speyerer Heller, auf deren anderen Seite wiederum der Dom abgebildet ist. Diese Heller aus dem 14. Jahrhundert sind auch Zeichen stolzer Selbstbehauptung der Freien und Reichsstadt Speyer. Dagegen greifen die Adler, Hoheitssymbol auf deutschen Münzen, als kleine Irritation in die Gestaltung dieser Medaillenseite ein. Fast wie aus dem Untergrund heraus verweisen sie auf das große Thema der Tagung, in der es ja um viele Facetten des „Geldes“ ging. Ganz bewusst steht zu den beiden stilisierten und beschnittenen Adlern die kleine Eule aber in ihrer Lebendigkeit im Vordergrund. Die Schrift ist in zwei Segmente geteilt. Links steht der Medaillenanlass: 12. DEUTSCHES / 50. SÜDDEUTSCHES / MÜNZSAMMLER- / TREFFEN, rechts dann Ausrichterin und Auftraggeberin: NUMISMATISCHE / GESELLSCHAFT / SPEYER / 1965–2015 (das 50. Süddeutsche Münzsammlertreffen fiel also zusammen mit dem 50-jährigen Bestehen der NGS).

Die schriftlose Rückseite, die schon dadurch spannungsstark zu Vorderseite kontrastiert, teilt sich in drei erzählende Bildfragmente, von denen jedes einzelne eine der drei verschiedenen Eigenschaften des Geldes illustriert, die das Tagungsthema bilden: Böses, falsches, schlechtes Geld.

Das „böse Geld“ wird von Theumer mit dunklen und anonymen Geldgeschäfte in Zusammenhang gebracht, bei denen es nur wenige Gewinner, aber zumeist viele Verlierer gibt: Waffengeschäfte, Drogengeschäfte oder auch Geldwäsche jeglicher Art. Die Übergabe von Koffern voller Bargeld ist zum Symbol solcher Geschäfte geworden.

Beim „falschen Geld“ testet ein offensichtlich „kleiner Betrüger“ einen Fünfer durch Draufbeißen auf Echtheit. Reines Gold und Silber sind weich, alle Legierungen davon sind hart. Aber es ist eine zwar noch sprichwörtliche, aber doch überholte Methode: Bei unseren heutigen Euro-Sondermünzen würden wir uns die Zähne ausbrechen, so wie wir uns bei so manchen staatlichen Methoden der Geld-Manipulation die Zähne ausbeißen.

Für das „schlechte Geld“ setzt Theumer kein gut gefülltes, träges Sparschwein ein, sondern eine galoppierende Wildsau mit Schlips. Das ist ein Verweis auf den Berufstand der Banker, dessen öffentliches Erscheinungsbild in den letzten Jahren durch gewinngeile und kriminelle Machenschaften sehr gelitten hat. Es ist heute nicht mehr ratsam, so Theumers Botschaft, ein Sparkonto anzulegen, großes Geld wird mit der Zeit zu kleinem Geld.

Am rechten Rand hat Theumer mit „T“ seine Medaille signiert.

 

Carsten Theumer, Jahrgang 1956, wurde im südlichen Sachsen-Anhalt, in der „Dom- und Residenzstadt“ Zeitz, geboren. Plastisches Arbeiten gefiel ihm schon als Schüler, so dass er auch einmal darüber nachdachte, Kunstlehrer zu werden. Aber dieser Plan wurde ebenso ad acta gelegt wie die Option Steinmetz. Wenn man Carsten Theumer zuhört, wird spürbar, dass er die Einengungen fürchtete, die sich mit solchen Berufsbildern verknüpfen können. Er wollte – und das in der DDR – lieber selbstständig sein. Und so bewarb er sich an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle, wurde abgelehnt, verstand aber die Aufforderung, noch etwas zu üben, bewarb sich erneut und konnte 1977 mit dem Studium beginnen. Sein Lehrer war zuerst Gerhard Lichtenfeld, der aber schon 1978 verstarb, dann Bernd Göbel, einer der besten deutschen Medailleure. Theumer schwärmt noch heute von den vorbildlichen Studienmöglichkeiten auf Burg Giebichenstein - und wenn man seine Arbeiten sieht, verwundert es auch nicht, wenn er sagt, man orientierte sich an den drei großen M der Bildhauerei: Aristide Maillol, Giacomo Manzù und Henry Moore. 1983 war sein Studium beendet und er wurde freischaffender Bildhauer,allerdings zugleich mit Lehrtätigkeiten in der Bildhauerklasse der Burg Giebichenstein.

 

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