Silphion – Eine verschwundene Pflanze auf Münzen

„Silphion [römisch Silphium] war im Altertum der Name einer Pflanze, die an der libyschen Küste im Lande Kyrenaika wuchs.“ (Hellmut Baumann: Pflanzenbilder auf griechischen Münzen. München 2000, S. 56) Laut Herodot war diese einer kyrenaiischen Überlieferung zufolge von Aristaios, einem Schüler des weisen Kentauren Chiron, in die Kyrenaika eingeführt worden. „Durch Anritzen von Wurzel und Stengel wurde ein harziger Milchsaft gewonnen, der als universelles Heilmittel galt. Die Pflanze selbst diente als hervorragendes Viehmastfutter.“ (Baumann, S. 56) Der Raubbau an dieser Pflanze führte nach Ansicht der Wissenschaft aber bereits in der Antike zu ihrer Ausrottung. Alle Versuche, sie zu rekultivieren, scheiterten ebenfalls schon im Altertum. Da diese Pflanze in griechischer Zeit jedoch ein Haupthandelsgut Kyrenes war und der Stadt beträchtlichen Wohlstand brachte, erschien die stilisierte Silphionstaude auch von Anfang an auf den Münzen Kyrenes, wodurch wir ihr Aussehen kennen. Dabei war die Silphionpflanze mit dem Porträt des Zeus Ammon gekoppelt, wie etwa auf den silbernen Tetradrachmen oder aber erschien in anderen Fällen zusammen mit einem reitenden Jüngling, wie z. B. auf den späteren goldenen Tetrobolen der Stadt.

 Kyrene: Tetradrachmon (um 460 v. Chr.), Silber, 16,8 g, Ø 24 mm, Münzstätte Kyrene. Quelle: MA-Shops, Mike R. Vosper (U.K.)

 

 Kyrene: Au-Drachme (322–313 v. Chr.). Reiter mit Chlamys r., Pferd im Passschritt. Rs: Silphionstaude, r. unten Jerboa (Wüstenspringmaus). SNG COP. -. BMC 132. 4,34g. Aus der Duplikatenslg. der American Numismatic Society (Inventarnr. 1997.9.199). Quelle: Hirsch Nachf., Auktion  267(5.5.2010 ), Nr. 379

 

Ob das Silphion, das zahlreiche Leiden heilen oder zumindest lindern konnte, allerdings auch als Verhütungsmittel verwendet wurde, wie dies beispielsweise der römische Dichter Catull in einem seiner Liebesgedichte andeutet, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Will man dem großen römischen Autor Gaius Plinius Secundus (23–79 n. Chr.) Glauben schenken, dann starb die Silphionpflanze noch während der Regierung Kaiser Neros aus. „Plinius erwähnt, daß schon zu seiner Zeit nur ein einziger Stengel des Silphion gefunden werden konnte, der als letzter Sproß der berühmten Pflanze Kaiser Nero zum Geschenk gemacht wurde.“ (Baumann, S. 56)

 

 

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