Die Jahrhundertmünze

12.08.2018

Seit April 2015 zeigt das Museum August Kestner in Hannover „Die Jahrhundertmünze“. Die Präsentationsreihe konzentriert sich – alle drei Monate wechselnd – immer auf eine Münze und beleuchtet ihren historischen Hintergrund. Verantwortliche Kuratorin ist Dr. Simone Vogt, der wir auch die Texte verdanken.

Nach vierzehn Jahrhunderten Münzgeschichte ist man in Hannover inzwischen im 8. Jahrhundert nach Chr. und bei Karl dem Großen (768–814) angekommen. Somit ist die erste Hälfte der Münzgeschichte seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bis in unsere heutige Zeit durchlaufen. Das hat man im Museum August Kestner zum Anlass genommen, alle bisherigen Jahrhundertmünzen gleichzeitig bis 28. Oktober 2018 erneut zu zeigen und so Geschichte(n) anhand von Münzen zu erzählen.

Wir dürfen nun wöchentlich voranschreitend die bisher gezeigten „Jahrhundertmünzen“ aus Hannover hier präsentieren. Noch schöner sind sie nur im Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover; Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen.

 

Die 5. Jahrhundertmünze:

2. Jahrhundert v. Chr.

 

Drachme, Parthien, Silber, 123–88 v. Chr. (Inv.-Nr. 1921.2)

Vs.: Brustbild des bärtigen Königs Mithradates II. mit Diadem.

Rs.: Der Dynastiegründer Arsakes auf einem Thron, in altpersischer Tracht mit Bogen in der Hand, griechische Beischrift (in lateinischer Umschrift): BASILEOS BASILEON MEGALOY ARSAKOY EPIPHANOYS.

 

 

Kulturberührung

Das 2. Jahrhundert v. Chr. gehört einer Epoche an, die man als Hellenismus bezeichnet. Es ist die Zeit, als in Folge der Eroberungen Alexanders des Großen (356–323 v. Chr.) weite Teile Vorderasiens mit der griechischen Kultur des Mittelmeerraumes in Kontakt kamen. Asiatische Reiche wie Parthien ließen ihrerseits Münzen prägen, deren Bilder die Kulturberührungen  deutlich machen: Griechische sowie einheimisch-parthische Einflüsse finden sich gemeinsam auf den Münzen.

 

Auf der Vorderseite ist das Brustbild des parthischen Königs wiedergegeben. Er hat wie die griechisch-hellenistischen Könige eine einfache Binde (Diadem) um den Kopf gebunden, trägt aber eine einheimische Tracht und einen eher ungriechischen langen Bart. Die Rückseite zeigt den Dynastiegründer Arsakes ebenfalls mit einheimischer Kleidung (Hosen, Kopfbedeckung).  Die Beischrift ist allerdings auf Griechisch verfasst, der damaligen Weltsprache: „(Münze) des Königs der Könige, des großen hervorragenden Arsakes“.

 

Natürlich nahmen auch die Parther an überregionalem Handel teil. Um dies zu erleichtern, prägten sie ihre Silbermünzen im Gewicht der griechisch-attischen Drachme aus (ca. 4 g), der geläufigsten Währung jener Zeit.

 

Der Prägeherr dieser Münze war wahrscheinlich König Mithradates II. Sein Name wird nicht auf dem Geldstück genannt, und den Namen Arsakes trugen als Zweitnamen alle parthischen Könige. Die Zuweisung an diesen König und die Datierung sind daher unsicher.

 

Eigenbild – Fremdbild 

Das Kerngebiet des parthischen Herrschaftsbereichs lag ungefähr im Staatsgebiet des heutigen Iran. Seit dem 2. Jh. v. Chr. und mit dem kriegerischen Dynastiegründer Arsakes gewann das parthische Reich großen Einfluss in Vorderasien bis erst im 3. Jh. n. Chr. die parthische Großmacht zugrunde ging.

 

Mit den Römern mussten sich die Parther immer öfter auseinandersetzen, je mehr sich das römische Einflussgebiet nach Osten ausdehnte. Kriege gegeneinander fanden häufig statt, und die Parther wurden zu „Angstgegnern“ der Römer, was sich auch in der römischen Münzprägung niederschlug.

 

Wenn wir mit der hier präsentierten Münze zeigen, wie sich die parthischen Könige selbst darstellten, so zeigen römische Münzen die römische Sicht auf den „barbarischen“ Gegner.

 

 

 

Denar, Rom, Silber, 19 v. Chr. (Inv.-Nr. 2008.276)

Vs.: Büste der Feronia

Rs.: Kniender Parther übergibt Feldzeichen.

 

 

Die Silbermünze aus dem Jahr 19 v. Chr. bildet einen Parther ab, der ein römisches Feldzeichen zurückgibt. Gut erkennbar sind ein Umhang und die Hose wiedergegeben, ein unrömisches Kleidungsstück, mit dem Römer in der Bildkunst gerne „Nichtrömer“ kennzeichneten. Der Parther kniet unterwürfig und streckt seine linke Hand aus. Mit der Münze wird ein – eigentlich kleiner – römischer Sieg über die Parther ein Jahr früher gefeiert.

 

 

 

 

 

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