Die Jahrhundertmünze

05.08.2018

 

Seit April 2015 zeigt das Museum August Kestner in Hannover „Die Jahrhundertmünze“. Die Präsentationsreihe konzentriert sich – alle drei Monate wechselnd – immer auf eine Münze und beleuchtet ihren historischen Hintergrund. Verantwortliche Kuratorin ist Dr. Simone Vogt, der wir auch die Texte verdanken.

Nach vierzehn Jahrhunderten Münzgeschichte ist man in Hannover inzwischen im 8. Jahrhundert nach Chr. und bei Karl dem Großen (768–814) angekommen. Somit ist die erste Hälfte der Münzgeschichte seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bis in unsere heutige Zeit durchlaufen. Das hat man im Museum August Kestner zum Anlass genommen, alle bisherigen Jahrhundertmünzen gleichzeitig bis 28. Oktober 2018 erneut zu zeigen und so Geschichte(n) anhand von Münzen zu erzählen.

Wir dürfen nun wöchentlich voranschreitend die bisher gezeigten „Jahrhundertmünzen“ aus Hannover hier präsentieren. Noch schöner sind sie nur im Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover; Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen.

 

Die 4. Jahrhundertmünze:

3. Jahrhundert v. Chr.

 

 

Denar, Römische Republik, bald nach 210 v. Chr. (Inv.-Nr. H 81)

Av.: Kopf der Roma mit Helm nach rechts schauend, X hinter ihrem Kopf; Rv.: Die Dioskuren Castor und Pollux reiten nach rechts, ROMA

 

Unsere bisherigen drei Jahrhundertmünzen aus dem 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. stammen aus der östlichen antiken Mittelmeerwelt: Lydien, Athen, Ägypten. Doch welches Geld hatten die Römer im Westen? Das Römische Reich war immerhin die größte und langlebigste Zivilisation der klassisch-antiken Welt.

 

Es war der Zweite Punische Krieg gegen die Karthager unter Hannibal (218–201 v. Chr.), der die Römer veranlasste, eigene Silbermünzen prägen zu lassen. Silbergeld war im 3. Jahrhundert schon längst im Mittelmeerraum geläufig, doch die Römer prägten selbst noch kein Edelmetall, sondern gossen große, unhandliche Bronzemünzen (siehe Abb. 2) oder imitierten griechische Münzen. Erst die Denare als neue Leitmünzen waren eigene römische Silbermünzen.

 

Der Name „Denar“ bedeutet übersetzt „Zehner“ und meint, dass die Münze zehn Bronzeasse wert war. Ein X für römisch 10 ist somit auch auf der Vorderseite auf Höhe des Nackens der Göttin zu sehen.

 

Das kriegerische Selbstverständnis und die militärische Macht der Römer ist den frühen römischen Münzen anzusehen: Roma hat als Stadtgöttin zwar langes Haar und Ohrringe, doch trägt sie einen Helm mit Flügeln, so dass ihr kämpferischer Charakter eindeutig ist. Das gleiche gilt für die Dioskuren: Die Zwillinge Castor und Pollux waren Söhne des Jupiter und halfen den Römern in Schlachten. Auf dem Denar sind sie reitend zu sehen mit Lanzen in den Händen und Helmen auf dem Kopf. Die Sterne über den Köpfen verweisen auf das Sternbild der Dioskuren.

Schon im 2. Jahrhundert v. Chr. finden sich viele andere Motive auf römischen Münzen mit einer jeweils eigenen Aussage.

 

 

Römische gegossene Bronzemünze, 3. Jahrhundert v. Chr. (Inv.-Nr. 1991.34)

Av.: Kopf der Roma; Rv.: Rad mit 6 Speichen, beiderseits „II“ als Wertzeichen für den Dupondius

 

 

Eine archäologische Münzdatierung

Obwohl keine Zeitangaben auf den Denaren zu finden sind, weiß man sehr sicher, dass Denare erstmals kurz vor 211 v. Chr. geprägt wurden. Zu dieser Datierung verhalfen Ausgrabungen in der antiken Stadt Morgantina auf Sizilien. Diese wurde von den Römern 211 v. Chr. erobert, wobei auch ein Tempel zerstört wurde. Ein kleiner Schatzfund unter den Tempeltrümmern beinhaltete sehr frühe Denare, die noch nicht lange im Umlauf gewesen sein können. Es gibt keine älteren Fundzusammenhänge für römische Denare, also müssen sie kurz vor der Eroberung Morgantinas durch die Römer erstmals geprägt worden sein.

 

Das Gewicht des Denars orientierte sich an dem römischen Pfund (etwa 327 g). Er wiegt etwa 1/72 des römischen Pfundes, was heute ca. 4,55 g entspricht. Der Denar veränderte zwar im Laufe der Geschichte Gewicht und Feingehalt, blieb aber etwa 500 Jahre lang die vorherrschende Silbermünze im Römischen Reich.

 

Die Kaufkraft der ältesten Denare ist leider unbekannt.

 

Der Name „Dinar“ vieler moderner Währungen geht auf den Denar zurück.

 

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