Die Jahrhundertmünze

29.07.2018

 

Seit April 2015 zeigt das Museum August Kestner in Hannover „Die Jahrhundertmünze“. Die Präsentationsreihe konzentriert sich – alle drei Monate wechselnd – immer auf eine Münze und beleuchtet ihren historischen Hintergrund. Verantwortliche Kuratorin ist Dr. Simone Vogt, der wir auch die Texte verdanken.

Nach vierzehn Jahrhunderten Münzgeschichte ist man in Hannover inzwischen im 8. Jahrhundert nach Chr. und bei Karl dem Großen (768–814) angekommen. Somit ist die erste Hälfte der Münzgeschichte seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. bis in unsere heutige Zeit durchlaufen. Das hat man im Museum August Kestner zum Anlass genommen, alle bisherigen Jahrhundertmünzen gleichzeitig bis 28. Oktober 2018 erneut zu zeigen und so Geschichte(n) anhand von Münzen zu erzählen.

Wir dürfen nun wöchentlich voranschreitend die bisher gezeigten „Jahrhundertmünzen“ aus Hannover hier präsentieren. Noch schöner sind sie nur im Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover; Öffnungszeiten: Di-So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen.

 

Die 3. Jahrhundertmünze:

4. Jahrhundert v. Chr.

 

Goldstater, Pharao Nektanebos II. von Ägypten (Museum August Kestner, Inv.-Nr. 1989.90)

Av.:  Die Hieroglyphen „nub nefer“ (perfektes Gold). Rv.: Springendes Pferd

 

Die erste und einzige ägyptisch-pharaonische Prägung ist die dritte Münze in unserer Präsentationsreihe „Jahrhundertmünze“. Das Museum August Kestner besitzt ein Exemplar dieser seltenen Münzen, welches das schönste und besterhaltene in Deutschland ist.

Auf der Vorderseite ist ein Perlenkragen abgebildet, an dem unten sechs Anhänger hängen. Rechts und links hängen Schnüre herab, mit denen der Kragen im Nacken verknotet werden konnte. Unterhalb sieht man eine Lunge, aus der die Luftröhre senkrecht nach oben herauswächst.  Beide Hieroglyphen – Lunge mit Luftröhre sowie Perlenkragen – stehen zusammen für „perfektes Gold“ und sind die ersten und einzigen jemals auf Münzen geprägten Hieroglyphen. Pferde hingegen waren ein häufiges Münzmotiv. Mit ihnen verband man militärische Qualitäten.

Darüber hinaus gibt es keine weiteren Angaben, die auf den Prägeherrn schließen lassen, doch aus historischen Gründen kommt nur der letzte einheimische Pharao Ägyptens, Nektanebos II. (360–343 v. Chr.) als Prägeherr in Frage. 

Doch warum ließ er ganz am Ende der pharaonischen Epoche nach tausenden von Jahren bewährter Tauschwirtschaft nun erstmals Münzen in Ägypten prägen? Nektanebos II. musste zur Sicherung seines Reiches gegen persische Angriffe ausländische, vor allem griechische Söldner einsetzen. Diese verlangten offenbar eine Bezahlung in Münzgeld, dem seit über zwei Jahrhunderten bewährten Zahlungsmittel im östlichen Mittelmeerraum. Das Gewicht der Münze (8,51 g) entspricht einer doppelten griechischen Drachme, dem für Griechen gewohnten Nominal. Über die Kaufkraft der Goldmünze haben wir leider keine Hinweise.

Die bekannten Exemplare dieses Münztyps wurden alle in Ägyptens traditioneller Hauptstadt Memphis (südwestlich des modernen Kairo) gefunden. Über ihren weiteren Umlauf in Ägypten wissen wir daher nichts.

 

Zivilisation ohne Bargeld

Die ägyptische Hochkultur und ihr komplexes Wirtschaftssystem kamen über 4000 Jahre lang ohne gemünztes Geld aus. Selbst nachdem im westlichen Nildelta die griechische Kolonie Naukratis gegründet wurde (6. Jahrhundert v. Chr.) und in dieser Stadt griechisches Münzgeld im Umlauf war, übernahmen die Ägypter das Zahlungsmittel nicht. Stattdessen hielten sie an einem System des Warenaustausches fest, bei dem Waren und Leistungen lediglich in fiktive Kupfergewichte „umgerechnet“ wurden, um äquivalente Werte zu bestimmen.

Erst als Nektanebos II. gezwungen war, griechische Söldner zu bezahlen, kam es zur Prägung der Nub-nefer-Münzen. Diese blieben eine Ausnahme. Keine weiteren Münztypen können sicher als pharaonische Münzen bestimmt werden.

Silber war das übliche Metall der griechischen Münzen, doch in Ägypten war dies sehr viel schwieriger zu bekommen als Gold, das im südlichen Nachbarland Nubien reichlich vorhanden war.

Nachdem Alexander der Große ab 332 v. Chr. Ägypten erobert und auch dort eine makedonisch-griechische Herrschaft etablierte, wurde Münzgeld auch am Nil üblich. Die ägyptischen Prägestätten kennzeichneten ihre Münzen von nun an mit ägyptischen Symbolen, wie z.B. dem Widderkopf des Gottes Amun.

 

Tetradrachme, Alexandria, 318 v. Chr.

Av.: Herakleskopf im Löwenfell nach rechts. Rv.: Thronender Zeus mit Adler, auf Höhe seiner Knie Widderkopf mit Doppelfederkrone (Museum August Kestner, Inv.-Nr. 1926.96)

 

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