Verlustserie am Goldmarkt

06.07.2018

Zum Ende des 1. Halbjahres 2018 meldete finanzen.net, dass Gold unter einem starken Dollar und hohen US-Zinsen leide: „Neues Jahrestief markiert“. Die Financial Times titelte: „Ungeachtet steigender Risiken fällt das Metall auf seinen niedrigsten Stand seit sechs Monaten“. Im Börsenteil der ARD heißt es: „Der Handelsstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt eskaliert, die Aktienmärkte straucheln – doch der Goldpreis kann davon nicht profitieren. Woran liegt's?“ Werfen wir einen Blick auf die Rolle des Goldes im Lauf der Jahrhunderte – und die Preisentwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

 

Funktion des Goldes

Schmuck aus Gold gab es schon in der europäischen Bronzezeit. Die Gräber der ägyptischen Pharaonen waren mit Gold ausgestattet. Zu Zeiten des Goldstandards waren die Münzen in vielen Staaten Europas und Amerikas aus Gold. Die geringe Verfügbarkeit  sowie seine einzigartigen chemisch-physikalischen und ästhetischen Eigenschaften waren eine Voraussetzung für den Siegeszug. Dennoch beruht der hohe Wert des Goldes letztlich auf nichts anderem als auf der allgemeinen Überzeugung, dass es einen hohen Wert habe. Im Vergleich der knappen und hoch bewerteten Sachwerte steht Silber dem Gold am nächsten. Hier sind die Preisausschläge jedoch größer. Außerdem erweist es sich auf lange Sicht als weniger wertbeständig. Auch Diamanten gelten als inflationsresistent. Sie sind sogar leichter als Gold zu transportieren. Anders als Gemälde, Antiquitäten und andere Kunstgegenstände sind sie zudem kaum Modeströmungen ausgeliefert. In Zeiten von Deflation sind Diamanten jedoch kam verkäuflich. Um das Preisniveau zu stabilisieren, erwog der Goldhändler De Beers zu Beginn der 1930er Jahre ernsthaft, einen Teil seiner Bestände in die Nordsee zu kippen. Gold hat zwar immer ein Preisrisiko, ein kompletter Wertverlust ist jedoch ausgeschlossen.

 

Freigabe des Preises

Am 22. April 1944 wurde auf der Konferenz von Bretton Woods im US-Staat New Hampshire ein internationales Währungssystem mit dem US-Dollar als Weltleitwährung geschaffen. Das an diesem Tag beschlossene Abkommen legte ein Tauschverhältnis von 35 Dollar je Feinunze Gold fest. Mit dem System war die US-Notenbank verpflichtet, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum vereinbarten Kurs in Gold umzutauschen. Während des Vietnamkrieges geriet der Dollar jedoch in eine Vertrauenskrise. Im März 1968 einigten sich die Vertreter der am Londoner Goldpool beteiligten Zentralbanken, den Goldpreis teilweise freizugeben, worauf er am 1. April auf 38 Dollar je Feinunze stieg. Nachdem US-Präsident Nixon im August 1971 erklärte, der Dollar sei ab sofort nicht mehr in Gold einlösbar, kletterte er kurzfristig auf 50 Dollar je Feinunze. Es folgte eine Hausse mit immer neuen Höchstständen. Am 14. Mai 1973 überschritt der Goldpreis in London mit 102,25 US-Dollar erstmals die 100-Dollar-Grenze. Um zu zeigen, dass das Gold demonetisiert sei, intervenierte das US-Schatzamt. Massive Goldverkäufe ließen den Preis von knapp 200 Dollar Ende 1974 auf wenig mehr als 100 Dollar im August 1976 fallen. Bald ging es jedoch weiter nach oben: Am 27. Dezember 1979 überwand der Goldpreis mit 508,75 US-Dollar erstmals die Marke von 500 US-Dollar. Angesichts zahlreicher politischer Krisen erreichte er am 21. Januar 1980 einen Rekordstand von 850 US-Dollar je Feinunze.

 

Absturz auf Tiefpunkt

Der Aufschwung führte dazu, dass massiv in die Förderung von Gold investiert wurde. Zwischen 1980 und 1989 erhöhte sich die weltweite Minenproduktion von 962 auf 1653 Tonnen. Die Goldexporte der sozialistischen Länder, allen voran der Sowjetunion, kletterten von 90 auf 296 Tonnen. Der hohe Preis aktivierte Privatbürger, sich von ihrem Altgold zu trennen. Im genannten Zeitraum schwoll das Angebot aus eingeschmolzener Ware von 1313 Tonnen auf 2477 Tonnen an. Parallel dazu ließen Maßnahmen zur Stabilisierung der US-Wirtschaft das Vertrauen in den Dollar zurückkehren. Der Goldpreis sank infolgedessen langfristig auf maximal 400 Dollar je Feinunze. Als Großbritannien und die Schweizerische Nationalbank im Jahr 1999 ankündigten, sich von einem Teil ihrer Goldreserven zu trennen, ging es noch einmal steil bergab. Der US-Wirtschaftswissenschaftler Barry Eichengreen verkündete: „Gold war zwar fast tausend Jahre lang die Grundlage für den monetären Tauschhandel. Die nächsten tausend werden das Millennium des elektronischen und nicht des physischen Geldes sein. Gold hat in diesem Umfeld keine Funktion mehr. Die restlichen Bestände, die die Zentralbanken noch behalten, werden sie in den Vitrinen ihrer Währungsmuseen ausstellen.“

 

Renaissance ab 2001

Als der Preis um die Jahrtausendwende auf etwa 250 Dollar je Feinunze fiel, machte sich Panik breit. Mehrere Goldminen-Gesellschaften gingen pleite. Da platzte die New-Economy-Blase. Ab März 2000 fielen die Börsenkurse nachhaltig. Die Terrorattacken vom 11. September 2001 beschleunigten die Krise. Die Folgen: Die US-Regierung senkte die Steuern, und die Notenbank der Vereinigten Staaten unter Alan Greenspan setzte die Zinsen herab. Der Strom billigen Geldes schürte einen Boom bei Firmenbeteiligungen und provozierte eine Blase am Immobilienmarkt. Die schwere Krise an den Finanzmärkten von 2008 folgte. Gleichzeitig liberalisierte die Volksrepublik China ihren Goldmarkt. Innerhalb weniger Jahre wurde das Land zum zweitgrößten Goldabnehmer weltweit, hinter Indien und vor den USA. Zwischen 2001 und 2011 stieg der Goldpreis infolge dieser Entwicklungen auf einen Schwindel erregenden Rekordwert von zuletzt 1920,65 Dollar. Mit dem Abebben der Staatsschuldenkrise ermäßigte sich der Preis im April 2013 auf 1500 Dollar, fiel im Dezember 2015 sogar auf 1051 Dollar zurück. Ob der momentan für Gold angezeigte Preis einigermaßen realistisch ist, lässt sich schwer einschätzen. Der Ökonom Roy W. Jastram behauptete 1977 anhand von Untersuchungen, dass es auf lange Sicht eine „goldene Konstante“ gäbe. Auf Zeiten der Hausse folgten anhaltende Phasen der Baisse. Fachleute halten derzeit einen Preis von ca. 1000 Dollar pro Feinunze für gerechtfertigt.

 

 

Foto: Goldene Armreifen im Souk von Dubai – Bildquelle: Wikimedia, Joi

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