70 Jahre Währungsreform (Teil 2)

22.06.2018

Die Währungsreform in der SBZ

Es werden nur Beispiele gezeigt, vollständig sind die Ausgaben erfasst im Standardkatalog „Holger Rosenberg / Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871. 20. Auflage Regenstauf 2015.“ Aus diesem Katalog sind alle hier gezeigten Bilder von Geldscheinen entnommen.

 

Die Sowjets zogen in ihrer Besatzungszone am 24. Juni 1948 mit einer Währungsreform nach, die aber offensichtlich so gut wie nicht vorbereitet war. Beleg sind die „neuen“ Geldscheine, die sogenannten Kuponscheine, die nichts anderes sind als die alten Geldscheine mit einer Wertmarke, die den neuen Wert und die Jahreszahl 1948 trägt. Was die Sowjets keineswegs dulden wollten, war eine Ausdehnung der Währungsreform der West-Alliierten auf deren Berliner Sektoren, stattdessen plante man deren Verschmelzung mit der sowjetischen Besatzungszone. Als trotzdem die Ausgabe der westdeutschen Währung in Berlin (freilich als „Berliner Ausgabe“ extra gekennzeichnet) angekündigt wurde, machten die Sowjets Ernst und sperrten in der Nacht vom 23. zum 24. Juni alle Zufahrtswege nach Berlin. Die Blockade, eine direkte Folge der Währungsreform, hatte begonnen und die Spaltung Deutschlands noch weiter vertieft.

 

 

Berliner beobachten 1948 die Landung eines „Rosinenbombers“ auf dem Flughafen Tempelhof. Foto: Wikipedia

 

 

Die Kuponscheine wurden bereits ab 25. Juli 1948 wieder eingezogen und durch Banknoten der Deutschen Notenbank ersetzt, die auf „Deutsche Mark“ lauteten. Diese Scheine waren bis 1964 im Umlauf.

 

Die freie und soziale Marktwirtschaft

 

Neben der eigentlichen Währungsreform ist für die schnelle und anhaltende Besserung der Wirtschaftslage in den Westzonen vor allem die gleichzeitig mit der Währungsreform begonnene und konsequent weitergeführte neue Wirtschaftsordnung verantwortlich: die freie Marktwirtschaft. Sie ist das historische Verdienst von Ludwig Erhard, dem damaligen Direktor der Wirtschaftsverwaltung der Bizone, der von Anfang an diese freie Marktwirtschaft als soziale Marktwirtschaft bezeichnete und entsprechend auszugestalten versuchte.

 

Entwurfsmodell von Hubertus von Pilgrim für den Ludwig-Erhard-Brunnen in Bonn-Rüngsdorf

 

Erhards Verdienst beruht auf seinem Mut, nach langen Jahren der Wirtschaftslenkung und obwohl rings um Deutschland auch weiterhin Wirtschaftslenkung bestand, auf eigene Verantwortung und mit nur unwilliger Duldung der Militärregierung eine freie Wirtschaftsordnung ohne Rationierungen und Reglementierungen einzuführen. Am 24. Juni 1948 billigte der Wirtschaftsrat der Bizone die neuen Leitsätze, mit denen Erhard ermächtigt wurde, Waren aus der Bewirtschaftung und Preiskontrolle herauszunehmen. In kurzer Zeit fielen die meisten Preisvorschriften weg.

 

Die späteren Notenausgaben

 

 Bei der Währungsreform wurde nur das Papiergeld umgetauscht, die Münzen blieben zunächst im Umlauf. Die Bank Deutscher Länder ging aber noch 1948 an die Ausgabe von Kleingeld, zunächst in Form von Geldscheinen.

 

 

Die Moralapostel nahmen sich sehr schnell des noch 1948 herausgegebenen 5-DM-Scheines an: „Schmutz und Schund“ war die Wertung für den nackten Oberkörper der Europa symbolisierenden Frauengestalt. Außerdem bestand der Verdacht, das komplizierte Linienarrangement, das den Schein fälschungssicher machen sollte, stamme von Picasso, der als Schöpfer der kommunistischen Friedenstaube im Nachkriegs-Deutschland verfemt war.

1948 folgten noch die von der Banque de France gedruckten und stark den französischen Einfluss widerspiegelnden Noten zu 50 und 100 DM.

 Die 10- und 20-DM-Noten der Bank Deutscher Länder folgten 1949 und schlossen die Neugestaltung der deutschen Markwährung zunächst ab. Diese Scheine sind wieder in Amerika gedruckt und lehnen sich auch wieder an das Dollar-Vorbild an.

 

Das Porträt Ludwig Erhards auf der 2-DM-Umlaufmünze schuf Franz Müller. Foto: Muenzen.eu

 

Die Bundesrepublik Deutschland ehrte am 20. Juni 1988, dem 40. Jahrestag der Währungsreform, Ludwig Erhard mit der Erst-Ausgabe einer 2-DM-Umlaufmünze. Sie gedachte damit des Mannes, der zwar nicht die Währungsreform, aber mit ihr die Wirtschaftsordnung der Westzonen und später der Bundesrepublik Deutschland ganz maßgeblich gestaltete und so zum „Vater des Wirtschaftswunders“ wurde, eines unerhörten Wirtschaftswachstums, das seinen Anfang nahm in der Stunde Null der Deutschen Mark.

 

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