Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege

18.06.2018

Bei unseren „Sammlertipps Münzreinigung und Münzpflege“ haben wir uns mit Reinigungsmethoden für Münzen aus verschiedenen Metallen beschäftigt und auch mit dem Umgang mit bereits „geputzten“ Münzen. Diesmal folgt ein immer heiß diskutiertes Thema: Lackieren von Münzen und Medaillen. Dazu dann gleich auch das Entlacken.

Wir orientieren uns wieder am „Handbuch zur Münzpflege“ (4. Auflage Regenstauf 2015, 13,50 Euro) von Wolfgang J. Mehlhausen.

 

Teil 3.17 Lackieren und Entlacken

Wie schon mehrfach betont, sollten nach Ansicht des Autors „gelackte“ Münzen die Ausnahme sein. Manche Autoren von Fachbüchern sind hier anderer Meinung. Doch empfohlen wird die Lackbehandlung wirklich nur für Zink- und Eisenstücke und nur sehr eingeschränkt für Aluminium und Magnesium.

Und wie schon gesagt, bei den meisten mit Lack behandelten Münzen ist die Lackschicht viel zu dick aufgetragen. Was den Lack selbst angeht, so wird hier ausdrücklich nur der Zaponlack (Farbenhandlung, Baumarkt) empfohlen. Doch dieser, das sei vorab bemerkt, sollte unbedingt stark verdünnt werden, zu gut 50% mit dem dazu gelieferten Lösemittel (Azeton).

Um den Lack aufzubringen, gibt es mehrere Verfahren, die erprobt sind und in verschiedenen Büchern empfohlen werden. Keine Erfahrungen kann der Autor beim Einsatz von Sprays vermitteln.

Zunächst das „Streichverfahren“. Hier wird die zu behandelnde, gut getrocknete Münze zunächst von der einen, dann – nach stundenlangem Trocknen des Lacks –, von der anderen Seite mit einem sehr feinen Pinsel bestrichen. Den Rand nicht vergessen. Diese Arbeiten führt man zweckmäßig auf einem Holzbrettchen aus. Leider ist bei dieser einfachen Methode meist ein – wenn auch nur winziger Teil – der Stelle zwischen Münzoberfläche und Rand nicht richtig behandelt.

Daher ist das etwas aufwendigere „Tauchverfahren“ günstiger. Hier wird die Münze voll in ein verdünntes Lackbad eingetaucht, und zwar jeweils bis zur Hälfte. Die nicht behandelte Münzfläche nimmt man zum „Aufhängen“. Hier leisten Wäscheklammern gute Dienste, die man oben am Griff durchbohrt und dann auf eine „Trockenleine“ aufzieht. Nach einer gewissen Zeit taucht man die zweite Hälfte in das Lackbad ein. Meist ist gut ersichtlich, wo sich die „Nahtstelle“ zwischen unbehandeltem und behandeltem Teil befindet.

Man kann die Münzen auch auf einmal tauchen und dann auf einer dreieckigen Holzkonstruktion trocknen lassen. Man bekommt Dreiecksprofile aus Holz im Baumarkt, sägt sich handliche Stücke zurecht und klemmt so die Stücke in diese Leiste ein. Den Rand kann man gegebenenfalls noch vorsichtig mit einem Pinsel nachbehandeln.

 Es gibt im Handel auch ein „Konservierungsbad“. Die genaue Zusammensetzung solcher Bäder ist natürlich Rezept-Geheimnis des Herstellers, aber Wirksubstanzen sind hier Silikonverbindungen. Diese haben den Vorteil, dass sie wesentlich beständiger sind als Kohlenstoff-Verbindungen, wie „natürliche Fette und Öle“. Einige Sammler haben mit diesen Bädern gute Erfahrungen gemacht, andere schwören wiederum auf Silikon- oder Teflon-Sprays.

Nehmen Sie unter keinen Umständen Maschinenöl oder Speisefett für Münzen. Natürlich kann eine Eisenmünze auch durch solche Fette geschützt werden, doch wenn Sie diese dann in die Hand nehmen und andere Münzen berühren, haben Sie dort Fettflecken, die Schaden anrichten können.

Ein Vorteil der meisten Konservierungen ist, dass man sie in der Regel ohne großen Aufwand rückgängig machen kann. Doch Sie wissen: jede Regel kennt Ausnahmen. Dazu kann man beispielsweise Azeton (Verdünner für Zapon-Lack) oder auch Dichlormethan (Methylenchlorid) verwenden, das im Gegensatz zu Azeton nicht brennbar ist.

Das Entlacken von Münzen erfolgt, indem man die Stücke in eines der genannten Lösungsmittel einlegt. Zu empfehlen ist, dies immer dann zu tun, wenn die Lackschicht viel zu dick aufgebracht wurde, manchmal sogar mit „Nasen“ oder Blasen. Die meisten Lacke dunkeln nach und bei einigen Münzen zeigt sich, dass zu viel aufgebrachter Lack sehr fest anhaftet und gallertartige Stücke bildet. Diese kann man mit dem „Wundermittel“ Natron unter Zusatz von Lösemitteln abreiben und auffangen.

Wenn normale Lösemittel beim Entlacken versagen, so ist dies ein Zeichen dafür, dass früher einmal ungeeignete Lacke eingesetzt wurden. Methylenchlorid löst diese meist auf, aber wenn Sie diesen Stoff nicht beschaffen können, so nehmen Sie ruhig „Pinselreiniger“ oder auch „Abbeizer“, aber nicht bei Aluminium und Magnesium. Organische Lösungsmittel schaden den Münzmetallen nicht.

 

 Abschließend sei auch zu diesem Kapitel nochmals gesagt: Übung macht den Meister. Wenn Sie die ersten Lackierungen ausprobieren wollen, nehmen Sie weniger wertvolle Münzen dazu. Bevor Sie sich zum Lackieren von vielen Münzen entscheiden, probieren Sie auch einmal das Entlacken. Sie werden sich dann selbst ein Bild darüber machen können, ob das Entfernen von Schutzlacken ein Kinderspiel ist oder ob Sie hierbei Schwierigkeiten haben. Doch noch soviel: Lacke altern bekanntlich und auch darin besteht ein Problem. Sehr dicke und alte Lackschichten sind wirklich nicht einfach zu entfernen. Diese werden gelb und unansehnlich. Man hat einige Mühe damit, sie restlos zu entfernen. Vor allem haften die Lacke auf der Metalloberfläche unterschiedlich stark fest und erfordern eine weitere Bearbeitung.

Behandelt man eine nach Augenschein recht gut entlackte Münze im Säurebad, so stellt man schnell fest, dass einige Teile sehr wohl vom Lack befreit wurden und hell aussehen, andere Teile hingegen gar nicht. Auch diese Erfahrungen sprechen dafür, Lacke nur in Ausnahmefällen anzuwenden.

Zum Schluss noch ein Hinweis, der schon das Kapitel „Aufbewahren von Münzen“ tangiert. Heute gibt es Münzkapseln aus hochwertigem Material, von verschiedenen Herstellern aus dem In- und Ausland. Diese sind unbedingt für viele korrosionsfähige Münzen zu empfehlen. Sie müssen nur wirklich gut schließen und von namhaften Herstellern bzw. Handelsfirmen stammen, wo sie manchmal deutlich teurer sind als „No-Name-Produkte“. Beim Verschließen müssen sie einen „Knack“ machen, was bedeutet, dass das Stück praktisch hermetisch eingeschlossen ist. Darum niemals zu große Kapseln, sondern möglichst gut passende verwenden. Ein Nachteil ist, dass Sie diese Stücke dann nicht „richtig“ anfassen können, doch im Vordergrund sollen immer das gute Passen und der Schutz der Münze stehen.

 

In Teil 3.18 folgen „Tipps zur Münzreparatur“

 

 

 

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