Goldraub in der Münze

28.05.2018

Authentische Kriminalfälle für Numismatiker

Vor über einem Jahr wurde im Berliner Bode-Museum eine 100 Kilogramm schwere Maple-Leaf-Goldmünze gestohlen. Die Ermittlungen sind noch immer nicht abgeschlossen. Der Coup war nicht der erste spektakuläre Raubzug. Münzen-Online stellt einige Verbrechen mit numismatischem Kontext vor. 

 

Kriminalgericht Berlin-Moabit - Bildquelle: Wikimedia, Quine

 

 

 

Historische Publikation zum Raub (Berlin, 1719) - Bildquelle: ZVAB, Rüdigern

 

Ausgeraubtes Kabinett

Am 2. April 1718 bezahlte der Berliner Hofschlosser Daniel Stieff einen Privatauftrag in ungewöhnlicher Münze. Ein verdutzter Goldschmied erhielt vierzehn historische Goldmünzen, eine ätolische, eine paduanische, eine siamesische sowie einige arabische und türkische Münzen. Der aus Frankreich stammende Goldschmied zeigte die Stücke einem Bekannten, dem Bibliothekar Mathurin la Croze, der auch die königliche Medaillenkammer beaufsichtigte. Dieser stellte fest, dass zumindest eine der Münzen aus der Sammlung seines Dienstherren gestohlen worden war. Bei einer rasch anberaumten Inventur wurden viele Fehlstellen in den Tabletts der königlichen Kammer festgestellt. Am 17. April 1718 verhörte König Friedrich Wilhelm I. den Schlosser persönlich. Der behauptete, er habe die Stücke von einem ihm unbekannten Juden erworben. Durch ein Ablenkungsmanöver geriet plötzlich auch der Schlosskastellan Valentin Runck in Verdacht. Er gestand schließlich den Ablauf der Raubzüge: Mithilfe von Nachschlüsseln hätten Stieff und er unzählige Wertgegenstände aus dem Schloss entwendet, darunter Bargeld und Medaillen: „Der Kastellan bediente sich selbst mit ca. 3.150 Talern und 300 Dukaten, während Stieff mit ca. 9.470 Talern und 650 Dukaten resp. Goldgulden Majestät mehr schädigte.“ (U. G. Schrock: Ein Münz- und Medaillendiebstahl vor 280 Jahren. In: Money Trend, Heft 10/1996, S. 49 f.) Am 8. Juni 1718 wurden beide öffentlich hingerichtet.   

 

 

Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) - Bildquelle: Wikimedia, Kaufmann

 

Leichtfertiger Forscher

Auf einer Reise nach Venedig freundete sich Johann Joachim Winckelmann in Rom mit einem Hotelgast an. Als jener ihn nach seinem Namen fragte, zeigte der Altertumsforscher seinen Reisepass vor. Nebenher erwähnte er, dass er gerade „in Wien von der Kaiserin mit einer goldenen und zwei silbernen, und von dem Fürsten Kaunitz mit einer goldenen Schaumünze beschenkt worden sei“. (Winckelmanns Werke, Erster Band, Dresden 1839, S. XXIX) Am Abend des 5. Juni 1768 zeigte Winckelmann dem Gast die Stücke. Der vertrauenswürdig wirkende Nachbar fragte, wieviel die Medaillen wert seien. Winckelmann antwortete, dass „die eine goldene zehn, und die andere 17 Dukaten, jede der zwei silbernen aber 30 Paoli wert wären“. (ebenda) Zwei Tage später ermordete der habgierige Nachbar den Altertumsforscher. Die Ermittlungen erbrachten, dass der Täter Francesco Arcangeli hieß und ein vorbestrafter Krimineller war. Im Prozess wies Arcangeli jede Schuld von sich: „Wer schuld war an dem Unglück, sei also erstens Winckelmann selbst, weil er ihm die unseligen Münzen gezeigt habe, in zweiter Linie aber der Teufel, der ihm den bösen Gedanken eingegeben habe, sie dem fremden Manne zu rauben – was er übrigens eigentlich nur aus Liebhaberei getan habe.“ (Willibald Alexis: Kriminalfälle der Geschichte. Altenmünster 2012, Kapitel: Winckelmanns Ermordung) Am 16. Juli 1768 verurteilte das Stadt- und Landgericht von Triest den Mörder zum Tod durch das Rad. Vier Tage später wurde er hingerichtet.

 

 

20 Dollar (USA, Gold, 1849) - Bildquelle: National Numismatic Collection

 

Verirrte Münzbestände

Im Gefolge des kalifornischen Goldrausches von 1849 nahm die Münzstätte von San Francisco ihren Betrieb auf. Deren Mitarbeiter bedienten sich in den ersten Jahren schamlos mit diversen Tricks an den Goldbeständen. Ein Kassierer entfernte die gestempelten Anhänger von Säcken mit frischen Münzen im Wert von 120.000 Dollar. Er behauptete, sie seien verlorengegangen. Als Ersatz ließ er sich Anhänger über 100.000 Dollar anfertigen. Den „Gewinn“ von 20.000 Dollar pro Sack zweigte er für sich ab. Ein Edelmetallprüfer in der Raffination des Goldes behauptete, die hohen Verluste entstünden, weil das Gold durch den Schornstein verschwinde. Tatsächlich wurde Goldstaub auf dem Dach des Gebäudes entdeckt. Die Verluste waren jedoch wesentlich höher. Der Mitarbeiter hatte sich einen eigenen Vorrat angelegt. Auch der Hausmeister der Münze langte zu: „Dafür, dass er das Gebäude frei von Ratten hielt, die damals in San Francisco eine regelrechte Plage waren, wurde er allgemein gelobt. Doch was hatte er ausgeheckt? Die von ihm in Fallen gefangenen Ratten schlitzte er auf, steckte Double Eagles in die Kadaver, nähte sie wieder zu und warf die toten Ratten auf den Abfallhaufen. Stunden später kehrte er zum Müllhaufen zurück und holte sich die Ratten nebst goldenem ‚Inhalt‘, um dank dessen die Freuden der Boomtown zu genießen.“ (Hermann Schnabel: Nuggets, Diggers, Dollars. In: MünzenRevue, Heft 7-8/2002, S. 22)

 

 

50 Pesos (Centenario, Mexiko, Gold, 1947) - Bildquelle: Münzen am Zoo, Pollandt

 

Rätselhafte Entführung

Am 24. November 1971 entführte ein Passagier namens Dan Cooper eine Boeing 727 auf einem US-Inlandsflug. Er trug eine Aktentasche voller Drähte und roter Stangen bei sich. Nach einer Zwischenlandung in Seattle wurden 200.000 Dollar und Fallschirme an Bord gebracht. Dann startete das Flugzeug erneut. Gegen 20.11 Uhr sprang der Entführer mit dem Geld von der hinteren Treppe des Flugzeugs ab. Die Identität des Mannes konnte nie zweifelsfrei festgestellt werden. Jahrzehnte später wurde ein ehemaliger Fallschirmjäger als Verdächtiger ermittelt, der zwischenzeitlich verstorben war. Er hatte ein Bankkonto mit 200.000 Dollar und eine Sammlung von Goldmünzen hinterlassen. Walter Grant schrieb unter seinem Namen eine Autobiografie. Danach hat er den größten Teil der nummerierten Dollarnoten in Mexiko ausgegeben: „In der nächsten Zeit ging ich drei oder vier Mal pro Woche nach Juarez hinüber. Ich kaufte so viele 50-Peso-Goldstücke wie ich unauffällig in meine Stiefel stopfen konnte. Nach zwei Monaten hatte ich fast 500 Münzen zusammen.“ Die Notwendigkeit des Schmuggels ergab sich aus dem seinerzeitigen Goldverbot in den USA: „Gold zu besitzen hat verschiedene Vorteile. Abgesehen von seltenen Münzen, lässt sich der Erwerb nicht zurückverfolgen. An beinahe jedem Ort der Erde kann man es in Papiergeld tauschen.“ (Walter Grant: DB Cooper - Where Are You. Publication Consultants 2008, Chapter: Covering the Bases)

 

 

Hof der Alten Münze (München) - Bildquelle: Wikimedia, Freihalter

 

Unsichere Prägestätte

In der Nacht vom 20. auf den 21. September 1906 wurden 130.030 Mark aus der Königlichen Münze von München gestohlen: „Der Vorarbeiter Eichstätter hatte einen Berg frisch geprägter Goldmünzen zu zehn Mark mit dem Bildnis Königs Otto von Bayern nicht im Tresor, sondern, weil der Feierabend nahte, nur in einem Holzschrank verstaut. Als Eichstätter am nächsten Tag den Beutel holen wollte, war er weg.“ (Helmut Caspar: Gelegenheit macht Diebe. In: MünzenRevue, Heft 7-8/2017, S. 28) Die Kriminalpolizei stellte bei ihren Ermittlungen fest, dass die Diebe über den Hintereingang der Münzstätte am trockengelegten Pfisterbach gekommen sein mussten. Der Weg zum Schrank des Vorarbeiters konnte anhand der beschädigten Türschlösser und anderer Spuren rekonstruiert werden. Haussuchungen bei den Mitarbeitern der Münze brachten keine Ergebnisse. In deren Umfeld wurde die Polizei allerdings fündig: Der Soldat Wilhelm König war in der Tatnacht mit einer völlig lädierten Uniform in seine Unterkunft zurückgekehrt. Eine triftige Begründung konnte er nicht nennen. An Uniform und Schuhen wurden Schmutzpartikel vom Pfisterbach gefunden. Im Verhör gaben König und sein Komplize Wilhelm Ruff, Arbeiter an der Münzstätte, den Raubzug zu. Anstifter Ruff erhielt vier Jahre und sechs Monaten Gefängnis. König musste vier Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Von der Beute konnten 121.500 Mark sichergestellt werden.

 

 

Österreichischer "Philharmoniker" - Bildquelle: Coin Invest

 

Geplündertes Versteck

Im Dezember 2016 wurde bekannt, dass der österreichische Unternehmer Christian Baha (49) bestohlen wurde. Auf dem Anwesen des Investmentbankers wurden 87 Kilogramm Gold- und 50 Kilogramm Silbermünzen entwendet. Baha hatte die Münzen im Jahr 2003 als „Notgroschen“ zurückgelegt. Zunächst deponierte er sie in einem Bank-Schließfach. Später wuchs jedoch sein Misstrauen gegenüber den im Zuge der Euro-Krise angeschlagenen Finanzinstituten. Er wollte „nicht zu viel an einem Ort lagern und im Falle einer Wirtschaftskrise schnellen und direkten Zugriff haben“. (Prozess um Millionen-Diebstahl endet mit mehrjährigen Haftstrafen. In: Der Standard, 26.7.2017) Im Laufe des Jahres 2012 ließ er die Münzen in Säcke füllen und zu seinem Landsitz Frohsdorf bringen. Sein damaliger Mitarbeiter Patrick L. (34) mauerte einen Teil des Schatzes in den Kamin des dortigen Schlosses ein. Für die restlichen Münzen hob er mit einem Bagger eine Grube im Schlosspark aus. Zwei Jahre später kam Patrick L. auf die Idee, sich den Schatz anzueignen. Mit einem Komplizen grub er die von einem geschlossenen Betongebilde ummantelten Gold- und Silbermünzen wieder aus, öffnete das Betongehäuse und nahm die Münzen an sich. Bei einem Kontrollgang bemerkte Baha jedoch den Verlust. Als Patrick L. die Stücke einem Händler anbot, griff die Polizei zu. Im Juli 2017 wurden er und sein Komplize zu Haftstrafen von drei bzw. dreieinhalb Jahren verurteilt.   

 

 

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