Schließung der Brussels Mint: Belgische Zeitung beschreibt Nostalgie und Wehmut

 

Die Tage der Königlichen Münzprägestätte in Brüssel sind gezählt – wir haben darüber bereits mit einer kurzen Meldung berichtet.  Nun hat die belgische Zeitung „Le Soir“ eine lesenwerte Reportage aus der Münzprägestätte veröffentlicht. Darin wird die Nostalgie beschrieben, die mit diesem Ereignis zusammenhängt.

 

Dem Bericht zufolge berichtet Jacques Cerutti, Leiter der Werkstatt: "Wir sind mehr als acht Leute hier in der Schicht. "Früher waren es hundertfünfzig". Derzeit ist die Prägestätte noch in zwei Teile unterteilt – im einen Bereich werden die Euromünzen produziert, im anderen Sammlerstücke und Sets. Und insbesondere im ersten Teil der Fabrik ist nicht mehr viel zu tun: Nach Darstellung von Fabrikleiter Cerruti wurden zuletzt vor mehr als drei Jahren 2 Euro Münzen hier geprägt, seitdem waren es 10 und 50 Cent im letzten Jahr.  

 

Inzwischen wird die „Brussels Mint“ nur noch zur Herstellung von 1, 2 und 5 Cent Münzen genutzt:  "Das sind die Münzen, die nicht zirkulieren, die Leute halten diese Münzen an der Unterseite ihrer Brieftaschen oder zu Hause in einer Ecke, deshalb müssen wir sie noch produzieren", klagt Francis Adyns, Sprecher des Federal Public Service (FPS) Finanzen hinzu . Abträglich für die Motivation ist offenbar auch der Umstand, dass die Kosten für die Herstellung einer 1-Cent-Münze deutlich höher sind als der gesetzliche Wert der Münze im Umlauf. Eine Cent-Münze kostet etwa 1,4 Cent

Aus dem Artikel der Zeitung „Le Soir“, der ausschließlich in französischer Sprache verfügbar ist, geht sehr deutlich hervor, welche historische Bedeutung die Schließung der Münze für Belgien hat:"Wir vertreten Belgien, es war der einzige Ort, an dem die belgischen Franken geprägt wurden", sagte Werkstattleiter Cerruti. Dabei waren es vor allem die Münzen mit starkem nationalen Bezug aus Brüssel, die erfolgreich waren:  "Vor zwei Jahren haben wir für das 200 Jahre Jubiläum der Schlacht von Waterloo insgesamt 175.000 Stücke besonderer 2-Euro-Münzen produziert. Frankreich hat sich dagegen gewehrt, also mussten die Münzen vernichtet werden. Also haben wir eine Gedenkmünze zu 2,50 Euro geschaffen, die in Belgien zu einem großen Erfolg wurde.“

Nun beginnt jedoch die Abwicklung der Traditions-Prägestätte – mit einem bitteren Beigeschmack.  Weltweit angesehene Münzdesigner wie Luc Luycx, Erschaffer der gemeinsamen Wertseiten der Euro-Münzen, wissen nicht, wo sie im Jahr 2018 arbeiten werden. Der FPS versucht, alle Mitarbeiter irgendwo im belgischen Staatsapparat unterzubringen – doch wo sonst in Belgien soll ein begnadeter Münz-Künstler arbeiten als in einer Münzprägestätte?

 

Den vollständigen Artikel können Sie hier in französischer Sprache lesen:

http://plus.lesoir.be/106864/article/2017-07-28/la-fin-dun-symbole-national-la-monnaie-royale-frappe-ses-dernieres-pieces

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