Verein für Münzkunde Nürnberg e.V.

22.02.2017

14. September 2016: „Die Medaille auf die blühende Aloe im Volkamerschen Garten zu Nürnberg und weitere Aloe-Medaillen“ lautete das Thema des Vortrags von Dr. Hermann Maué. Seit dem späten Mittelalter legten Patrizier und vermögende Kaufleute in Nürnberg außerhalb der Stadtmauer weitläufige Lustgärten an. Als 1726 im Garten des Johann Magnus Volkamer eine Amerikanische Aloe ihren fast neun Meter hohen Blütenstamm mit mehr als acht Tausend Blüten austrieb, war das ein außergewöhnliches Ereignis, das den Gartenbesitzer veranlasste, die blühende Pflanze in einem Kupferstich und in einer Medaille bekannt zu machen und für die Nachwelt festzuhalten. Der bedeutende Nürnberger Arzt und Botaniker Christoph Jakob Trew publizierte eine detaillierte Beschreibung der Pflanze und dokumentierte von Tag zu Tag exakt deren Wachstum. Allerdings war die Nürnberger Medaille nicht die erste auf eine blühende Amerikanische Aloe. Als im Jahre 1700 im Garten des Leipziger Kaufmanns Caspar Bose eine Aloe zur Blüte kam, gab er als erster eine Medaille auf dieses Ereignis in Auftrag mit exakter Angabe der Höhe des Blütenstamms, der Anzahl der Verzweigungen und der einzelnen Blüten. Diese Medaille setzte über dreißig Jahre gewissermaßen einen Wettbewerb in Gang, in dem es darum ging, welche Aloe die größte Höhe erreichte und die meisten Blüten hervorbrachte. Es folgten bereits 1701 und dann 1720 und 1732 gleich mehrere Medaillen der Herzöge von Braunschweig, in deren Gewächshäusern in Salzdahlum Aloen blühten. 1713 erschien eine Medaille des dänischen Königs Friedrich IV. auf eine blühende Aloe im Garten von Schloss Gottorf. Friedrich hatte gerade erst die Herzöge von Holstein-Gottorf von ihrem Schloss vertrieben. 1710 blühte im Schlossgarten von Friedrichsthal in Gotha eine Aloe, die Christian Wermuth auf einer Medaille festhielt. Als Folge einer Verletzung hatte sie gleich zehn Stämme hervorgebracht. Aber nicht nur Medaillen, auch Holz- und Kupferstiche geben blühende Aloen wieder, und zeitgenössische Berichte schildern die Begeisterung der Betrachter dieses außergewöhnlichen Blühvorgangs.    HM
12. Oktober: Dr. Gerhard Schön, München, sprach zum Thema: „Die Kippermünzstätten in Brandenburg-Bayreuth 1620–1622“. Unser Vereinsmitglied hat sich mit seiner Dissertation über die Münz- und Geldgeschichte der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth im 17. und 18. Jh. wissenschaftlich mit der fränkischen Numismatik beschäftigt und gegenüber Carl Friedrich Geberts Publikation von 1901 wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen. Unter Markgraf Christian (1603–1655) existierten während der Kipperzeit bis zu 14 Münzstätten in dem kleinen Fürstentum. In alphabetischer Reihenfolge waren dies: Baiersdorf, Bayreuth, Creußen, Dachsbach, Erlangen, Hof, Kulmbach, Neustadt am Kulm, Neustadt an der Aisch, Pegnitz, Reh­au, Schauenstein, Weißenstadt und Wunsiedel. Ein wichtiges und aussagefähiges Dokument ist das Kulmbacher Schlagschatzbuch, erstellt nach einem 1623 abgeschlossenen Bericht des markgräflichen Beamten Hans Georg Hennigk, der die aus dem Betrieb aller markgräflichen Kippermünzstätten gezogenen Einnahmen und die daraus getätigten Ausgaben verbucht hatte. Eine umfassende Darstellung befindet sich im Katalog der Sammlung Grüber, 267. Künker-Auktion, September 2015, S. 114-143.
13. November: Anstelle eines Vortrags erfolgte ein Besuch der ersten gemeinsamen Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung „Karl IV.“ im GNM aus Anlass des 700. Geburtstags des böhmischen Königs und römisch-deutschen Kaisers aus dem Hause Luxemburg. Der Rundgang erfolgte unter sachkundiger Führung von Frau Claudia Guter aus München. Die Ausstellung überzeugte durch die große Menge hochwertiger Originale aus Prag und anderswoher, von denen viele noch niemals außerhalb ihres Aufbewahrungsortes ausgestellt wurden. Allerdings ist die Anzahl zeitgenössischer numismatischer Objekte mit zwei sehr übersichtlich: 1. Ein Ecu d’or (Goldener Schild) Karls IV. aus der Münzstätte Antwerpen (?) nach 1355 aus dem Besitz des Staatlichen Museums Schwerin. Dass solche Münzen – wie die Beschriftung verkündet – anlässlich des Reichstags in Metz 1366/67 unters Volk geworfen worden seien, um die Freigebigkeit des Kaisers zu unterstreichen, darf jedoch bezweifelt werden. Als Auswurfmünzen wurden in der Regel kleinere Silbermünzen verwendet, wohin gehend Goldmünzen eher als Donative an hochgestellte Personen gelangten. Das 2. Objekt sind einige nicht näher beschriebene Silbermünzen aus dem 1998 entdeckten Jüdischen Schatz von Erfurt, der im Jahr 1349 anlässlich eines Pogroms in der Nähe der Alten Synagoge verborgen wurde. Für die Teilnehmer des 14. Deutschen Münzsammlertreffens Ende April 2017 in Erfurt besteht jedoch die Gelegenheit, den dort in der Alten Synagoge ausgestellten Schatz mit u.a. 3141 Silbermünzen näher zu besichtigen. Die Nürnberger Ausstellung ist bis zum 5. März 2017 geöffnet.    W.S.

 

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