Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde e. V.

22.02.2017

Die Jahrestagung der Gesellschaft fand vom 30. September bis 2. Oktober 2016 in Neustadt an der Orla statt. Zum Vortragsprogramm:
Dieter Heus, Naumburg, nahm eine Münzstättenzuweisung der bisher „heimatlosen“ Schwarzburger Hohlpfennige mit dem Namen der Herrschaft vor. Für die in der Periode des regionalen Pfennigs für Schwarzburg aktiven Münzstätten Saalfeld und Königsee liegen keine Nachweise von Parallelprägungen städtischer und herrschaftlicher Münzen vor. Der politische und wirtschaftliche Mittelpunkt der Schwarzburger in dieser Zeit war Arnstadt. Heus vermutet, dass die Münzherren aus wirtschaftlichen Erwägungen auch der Stadt das Recht zur Münzprägung gestatteten, die jedoch zur Unterscheidung der herrschaftlich ausgebrachten Münzen in der Umschrift den Namen der Stadt zu verwenden hatte. Die Hohlpfennige selbst sind vom gleichen Stil mit ähnlichen Münzbildern.
Dr. Thomas Arnold, Geithain, stellte die Hohlpfennige der Münzstätte Naumburg vor, deren Schrift- und Bildgestaltung sowie meteorologischen Kriterien dem Muster Thüringer Hohlpfennige entsprechen. Der erste, als Einzelexemplar bekannte Naumburger Hohlpfennig stammt aus dem Zeit­raum 1350–1360. Es folgt ein Beischlag nach Erfurter Vorbild. Danach kam eine offenbar lebhafte Prägetätigkeit mit immer neuen Typen und vereinzelten Stempelvarianten in Gang, die insbesondere die Jahre um 1400 einschloss. Nach der vom Meißner Groschen ausgegangenen Krisenzeit um 1400 folgte ab etwa 1405/1410 eine Zeitspanne mit erheblicher Produktivitätssteigerung. Insgesamt konnten einschließlich der Varianten 39 verschiedene Stempel erfasst werden.
Matthias Grimm, Neustadt/Sa., erinnerte anlässlich des 700. Geburtstages von Karl IV. (14. Mai 2016) an die Auseinandersetzung zwischen Karl IV. von Böhmen und Günther XXI. von Schwarzburg um das deutsche Königtum 1349. Als Kaiser Ludwig der Bayer 1347 starb, gelang es der bayerischen Partei zunächst nicht, einen eigenen Kandidaten als Nachfolger aufzustellen. Schließlich wurde Günther XXI. von Schwarzburg vorgeschlagen, am 6. Februar 1349 wurde er in sein Amt eingeführt. Daraufhin rüstete Karl IV. gegen ihn. Er musste am 26. Mai 1349 mit dem Vertrag von Eltville zu Guns­ten von Karl IV. gegen eine Entschädigung von 20.000 Mark Silber und 1.200 Mark für entstandene Kosten der deutschen Königskrone entsagen.
Philipp Schwinghammer, Leipzig, sprach über „Münzen entlang der Weihrauchstraße. Zwischen Imitation und Transkulturalität“. Anhand ausgewählter Beispiele skizzierte er die arabische Münzgeschichte, die sich insbesondere durch ein interessantes Imitationsstufenmodell auszeichnet, welches erlaubt, die Imitation an sich in verschiedene Untergruppen zu unterteilen.
Wilfried Matzdorf, Halle, stellte den Weißenfelser Goldschmied und Medailleur Kurt Pötzsch vor, anläßlich des 50. Todestages von Pötzsch (* 24.8.1888; † 13.9.1966) fertigte Matzdorf eine biografische Skizze an. (siehe dazu „Münzen & Sammeln“, 9/2016, S. 34 – 36).    
Ronny Schwalbe, Neustadt/Orla., referierte über „Neustadt in landesherrlicher Dimension. Die Bedeutung der Stadt vom Hohen Mittelalter bis zum Wiener Kongress in Schlaglichtern“. Ab dem 10. Jh. gelangte die terra orla in Verbindung mit der Osterweiterung des Reichs in den Focus des Besitzstrebens. Das Reichsland Saalfeld, zu dem auch der Orlagau gehörte, war etwa 120 Jahre im Besitz des Erzbistums Köln, bis Kaiser Friedrich I. Barbarossa dieses Territorium 1179 im Zuge der Anbindung des Pleißenlandes an das Reich eintauschte. Im 13. Jh. traten die Grafen von Lobdeburg-Arnshaugk vermutlich als Ministerialien im oberen Orlagau auf. Nach deren Aussterben gelangte ihre Güter und Herrschaftsrechte durch Heirat an die Wettiner. In der Folgezeit spielte Neustadt stets eine zentrale Rolle in der wettinischen Hauspolitik und als Pfand für das Reich. Bei Spaltung der Wettinischen Lande in einen Ernestinischen Teil (mit der Kurwürde) und einen Albertinischen Teil. Neustadt gehörte zur Ernestinischen Linie. Zwischen 1705 und 1713 war Neustadt kurzzeitig Residenz der sächsisch-herzoglichen Nebenlinie Sachsen-Zeitz-Neustadt. Im Ergebnis des Wiener Kongresses wurde Neustadt am 18. Mai 1815 kurzzeitig der neu geschaffenen preußischen „Provinz Sachsen“ zugeschlagen. Aber bereits im März 1816 trat Preußen es an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach ab. Resümierend formulierte der Referent: „Wohl kaum ein anders Gebiet, wohl kaum eine andere Stadt kann so eine bewegte Territorialpolitik in ihrem Geschichtsbuch vorweisen.“

 

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