Weltmünzenatlas – Georgien

 

Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Georgien, amtlich Sakartwelos Respublika, ist ein Staat im Westen Transkaukasiens, der im Norden an Rußland, im Osten und Südosten an Aserbaidschan, im Süden an Armenien und die Türkei und im Westen an das Schwarze Meer grenzt. Geografisch gesehen, ist Georgien ein Gebirgsland, in dem Relief- und Klimaverhältnisse sehr unterschiedlich sind. Im Norden erstreckt sich die imposante vergletscherte Hauptkette des Großen Kaukasus und seine Südabdachung, die mit den Gipfeln Schchara (5068 m über NN) und Kasbek (5033 m über NN) gewaltige Höhen erreichen. Im Süden sind der Kleine Kaukasus und die Ausläufer des Ararathhochlands nicht mehr ganz so hoch, steigen aber immerhin noch bis auf 2850 m über NN (Mepiszkaro) bzw. 3301 m über NN (Großer Abul) auf. Zwischen diesen gewaltigen Gebirgsmassiven liegt im Westen zum Schwarzen Meer hin die Kolchis-Ebene und im Osten die transkaukasische Senke mit den Hochebenen Innerkartlien, Unterkartlien und Alasan. Von den beiden größten Flüssen Georgiens fließt die Kura ins Kaspische Meer und der Rioni ins Schwarze Meer. Ist das Klima in der Kolchis noch feucht-subtropisch so wird es nach Osten hin kontinentaler und trockner. Die h

 

öchsten Niederschlagsmengen im Land (2400–3000 mm/Jahr) finden sich an den dem Schwarzen Meer zugewandten Hängen. Aufgrund der großen Relief- und Klimaunterschiede ist auch die Vegetation des Landes sehr verschieden. Außer Misch-, Buchen-, Fichten- und Kiefernwäldern, subalpinen und alpinen Wiesen und ausgedehnten Steppen gibt es etwa 4000 endemische Pflanzenarten. 84% der Bevölkerung Georgiens sind Georgier, 7% Aserbaidschaner, 6% Armenier, 1,5% Russen, 1% Osseten. Darüber hinaus gibt es noch Abchasen, Griechen, Ukrainer, Weißrussen, Assyrer, Tataren u. a. Die Georgier wiederum setzen sich aus diversen anderen Gruppen zusammen, die zum Teil als Einzelvölker angesehen werden. Gut 84% aller Einwohner sind orthodoxe Christen, rund 10% Muslime und etwa 3200 Individuen Juden.

 

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Georgiens

In der Antike wurde der Westen des heutigen Georgien Kolchis und der Osten Iberien genannt. Wie aus urartäischen Quellen hervorgeht, erlebte die Region Kolchis (urartäisch Kulcha) aufgrund ihrer fruchtbaren Täler, ihrer wild- und holzreichen Wälder und ihrer reichen Bodenschätze bereits im 8. Jahrhundert v.u.Z. eine Blüte. Im 6./5 Jahrhundert v.u.Z. gründeten die antiken Griechen Kolonien in Phasis, Dioskurias und Gyenos. Etwa zur gleichen Zeit gründeten die Iberer im Osten einen eigenen Staat. Um 200 v.u.Z. wurde Kolchis ein Teil des Pontischen Reiches und geriet um 65 v.u.Z. in die Abhängigkeit Roms. Ab 117 u.Z. stand dann auch Iberien unter formeller römischer Oberhoheit. Im 4. Jahrhundert hielt das Christentum Einzug in Georgien. Nach den Römern geriet das Land unter sasanidischen und byzantinischen Einfluß, ehe es die Araber im 7. Jahrhundert eroberten. Nachdem die arabische Macht verfallen war, wurde Georgien Ende des 10. Jahrhunderts vereint und die Abhängigkeit von Byzanz beseitigt. Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte das Land unter der Dynastie der Bargratiden seine Blüte und seine größte Ausdehnung – es reichte nun vom Schwarzen bis zum Kaspischen Meer und besaß sogar Teile Armeniens und Persiens. Im 14. Jahrhundert verwüsteten die Mongolen – allen voran Timur (1386) – Georgien, das dann Ende des 15. Jahrhunderts in die Königreiche Imeretien, Kachetien, Kartli und ein Fürstentum zerfiel. Diese wiederum gerieten im 16. Jahrhundert in osmanische und persische Abhängigkeit. Darüber hinaus entstanden zusätzliche eigenständige Fürstentümer. 1762 schlossen sich Kartli und Kachetien zusammen und bildeten das Ostgeorgische Königreich. Dieses stellte sich 1783 unter russischen Schutz und wurde 1801 zur russische Provinz erklärt. 1803 verleibte sich Rußland Mingrelien, 1804 Imeretien und 1810 Abchasien ein. Die Aufstände von 1804, 1812 und 1819 gegen die Russifizierungspolitik scheiterten allesamt. Im Zarenreich wurde Westgeorgien schließlich zum Gouvernement Kutaissi und Ostgeorgien zum Gouvernement Tiflis. Am 26. Mai 1918 erklärte sich Georgien zur unabhängigen Demokratischen Republik und konnte diesen Status mit ausländischer Unterstützung und schließlicher Anerkennung auch durch die Sowjetunion bis 1921 waren. Anfang Februar 1921 besetzte die Rote Armee Georgien auf Stalins Anordnung hin jedoch und erzwang die Proklamation einer Sowjetrepublik, die dann von 1922 bis 1936 zusammen mit Armenien und Aserbaidschan die Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik bildete. Ab 1936 war Georgien eine Unionsrepublik der Sowjetunion. Von der Reformpolitik Michael Gorbatschows und E. Schewardnadses beflügelt, erstarkten die nationalen Kräfte in Georgien während der späten 1980er und Georgien erklärte am 9. April 1991 seine Unabhängigkeit von der UdSSR. Wegen der inneren Konflikte mit Südossetien und Abchasien – beide Gebiete innerhalb Georgiens hatten sich 1990 bzw. 1992 für unabhängig erklärt – trat Georgien 1993 der GUS bei und schloß im Februar 1994 einen Freundschaftsvertrag mit Rußland. Im März 1994 kam es zum Beitritt Georgiens zum NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ und im April 1996 zu einem „Kooperations- und Partnerschaftsabkommen“ mit der EU. Drei Jahre später wurde Georgien Mitglied des Europarats und im Juni 2000 auch Mitglied der WTO. Nachdem die USA bereits im April 2002 Militärberater nach Georgien geschickt hatten, stellte Georgien im November 2002 einen Antrag auf Beitritt zur NATO. Weil Georgien den abtrünnigen Südosseten und Abchasen die Unabhängigkeit aber nicht gewähren wollte, kam es sowohl während der 1990er als auch 2008 zu wiederholten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den erwähnten Abtrünnigen und Georgien. Da Abchasien und Südossetien militärisch allerdings von Rußland gestützt wurden, konnte Georgien letztlich keinen Sieg für sich verbuchen. Nach anschließender französischer Vermittlung einigte sich Georgien mit Rußland trotz bestehender Differenzen im August 2008 auf einen Waffenstillstand und einen späteren EU-Friedensplan. Am 26. August 2008 erkannte Rußland die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens an. 2009 folgte die Anerkennung durch Nikaragua, Venezuela und Nauru. Von Georgien, den USA, der EU und dem großen Rest der Welt wird die einseitig proklamierte Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens jedoch bis heute nicht anerkannt. Am 27. Juni 2014 schloß Georgien mit der EU ein wirtschaftliches und politisches Assoziierungsabkommen. Entsprechend der Verfassung vom 17. Oktober 1995 ist Georgien eine präsidiale Republik. Der auf fünf Jahre direkt gewählte Präsident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Regierungsgeschäfte lenkt ein Ministerpräsident. Das Parlament hat nur eine Kammer mit 150 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Zu den einflußreichsten Parteien zählen das „Bündnis Georgischer Traum“ und die „Vereinigte Nationale Bewegung“.

 

 

Die Münzen Georgiens

Zwischen 1834 und April 1993 galten in Georgien 100 Kopeken = 1 Russischer Rubel. Am 5. April 1993 wurde der Georgische Rubel auf der Grundlange 100 Kopeken = 1 Georgischer Rubel eingeführt. Zwischen dem Russischen Rubel und dem Georgischen herrschte Parität. Ab 3. August 1993 war jedoch nur noch der Georgische Rubel gesetzliches Zahlungsmittel. Am 25. September 1995 kam es dann zur Einführung einer neuen Währung. Diese lautete auf Lari und wurde in 100 Tetri unterteilt. Gleichzeitig wurde eine Währunsreform auf der Basis 1 Mio. Georgische Rubel = 1 Lari beschlossen. Zu den Kursmünzen, die 1993 emittiert wurden, gehörten 1, 2, 5, 10 und 20 Tetri aus Stahl sowie 50 Tetri aus Aluminium-Nickel-Bronze. Lari-Münzen wurden damals noch keine für den Umlauf geprägt. 1- und 2-Lari-Stücke sowie neue 50-Tetri-Münzen verausgabte man erst 2006. Dabei brachte man die 50 Tetri aus Kupfernickel, die 1 Lari aus Kupfernickel-Zink und die 2 Lari aus unedlem Bimetall aus. Weitaus umfangreicher als die Kursmünzenausgabe gestaltet sich jedoch die georgische Gedenkmünzenemission, die bereits 1995 begonnen wurde. Mit diesen Geprägen gedachte man verschiedenster Anlässe. Interessant ist, daß Georgien außer Kurs- und Gedenkmünzen 2006 auch noch Goldbarrenmünzen (999,9er Gold) in sechs Gewichtsklassen verausgabte – 10 Lari (1/10 oz.), 25 Lari (1/4 oz.), 50 Lari (1/2 oz.), 100 Lari (1 oz.), 300 Lari (5 oz.) und 1000 Lari (10 oz.). Da der antike Mythos von den Argonauten, dem legendären Kolchis und dem Goldenen Vlies nach Georgien verortet wurde, wird verständlich, wieso das Land seine Goldbarrenserie „Goldenes Vlies“ taufte und dementsprechend bebilderte. Geprägt wurden die georgischen Münzen bei der Monnaie Royal de Paris,  bei der [British] Royal Mint, bei der Koninklijke Nederlandse Munt, bei der Münze Österreich AG, bei der Mennica Warzawska und bei der Mint of Finland. Michael Kurt Sonntag

 

Quellen: Abb. 1, 4 und 5: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden; Abb. 2: MA-Shops, Mehlhausen, Berlin-Karow; Abb. 3: MA-Shops, Emporium Hamburg. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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