Weltmünzenaltlas – Brunei

Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Das islamische Sultanat Brunei (malaiisch Negara Brunei Darussalam) befindet sich an der Nordwestküste Borneos und wird durch den malaysischen Bundesstaat Sarawak in zwei Landesteile geteilt. Borneo (indonesisch Kalimantan) wiederum ist die größte der Großen Sunda-Inseln im Malaiischen Archipel. Die beiden Landesteile Bruneis liegen in einer Küstenebene am Südchinesischen Meer, die zum Landesinneren hin in ein bewaldetes Hügelland übergeht. Etwa 80% des Landes sind von Wald bedeckt. Auch in der Küstenebene finden sich Wäder, allerdings sind dies Mangroven- und Sumpfwälder und keine Regenwälder wie im Landesinneren. Im Südosten Bruneis steigt das Hügelland auf bis zu 1850 m Höhe an (z. B. in der Crocker Range). In Brunei herrscht äquatoriales Regenklima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 27 ºC. Wenngleich Brunei nicht im Einzugsbereich tropischer Wirbelstürme liegt, so leidet es bisweilen dennoch unter diesen, da sturmbedingte Flutwellen es auch erreichen können. Die Bevölkerung des Landes lebt zum größten Teil in den schmalen Küstenebenen. 67% der Einwohner sind Malaien, 11% Chinesen, 4% Iban u. a. einheimische Völker und der Rest ausländische Gastarbeiter aus Indonesien, Thailand und Indien. Die Staatsbürger Bruneis sind weitgehend von der Steuer befreit und genießen zudem ein kostenfreies Bildungs- und Gesundheitswesen. Staatsreligion ist der sunnitische Islam, dem die malaiische Bevölkerungsmehrheit anhängt. Zudem gibt es etwa 10% Christen und rund 15% Buddhisten.

 

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Bruneis

Laut einer Überlieferung wurde das Sultanat Brunei bereits 1363 gegründet. Anderen Quellen zufolge entstand es erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts, nachdem die muslimischen Malaien die eingeborenen Dayak unterworfen oder verdrängt und das Gebiet islamisiert hatten. Seine größte Ausdehnung erreichte das Sultanat Brunei aber während des 16. Jahrhunderts, als es sich außer auf Borneo auch noch auf die philippinischen Sulu-Inseln und Palawan erstreckte. 1841 überließ der Sultan von Brunei dem britischen Armeeoffizier Sir James Brooke das Gebiet von Sarawak als Gegenleistung für dessen Hilfe bei der Niederschlagung eines bruneiischen Aufstands. Brooke nahm 1842 den Titel eines Rajas (Königs) an und erweiterte sein Gebiet nach und nach auf Kosten des Sultans. 1846 trat Sultan Omar Ali Saifuddin II. die ehemalige Pirateninsel Labuan an die Briten ab, die sie 1848 zur Kronkolonie machten. 1877 vergab dann Sultan Abdul Mumin der britischen North Borneo Company eine Konzession für 15 000 Straits-Dollars und überließ ihr das heutige Sabah. 1888 wurde das restliche Brunei ein britisches Protektorat. 1906 unterstellte man dieses einem britischen Statthalter, so daß der Sultan nur noch formaljuristisch Herrscher seines Landes war. Nachdem man 1929 in Seria Erdöl entdeckt hatte, wurde dies von der „Brunei Shell Petroleum Co.“ gefördert. Zwischen 1941 und 1945 war Brunei von den Japanern besetzt. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg verließen die Japaner das Land und die Briten kehrten nach Brunei zurück. 1950 konnten Sultan Omar Ali Saifuddin III. und eine zivile Regierung die Macht in Brunei wieder übernehmen. Durch ein Abkommen mit Großbritannien erhielt Brunei 1959 weitreichende innere Autonomie und eine erste geschriebene Verfassung, blieb aber weiterhin britisches Protektorat. Infolge der gewaltigen Ölförderung wurde Brunei Anfang der 1960er ein Wohlfahrtsstaat, in dem die Staatsbürger weder Steuern und Sozialabgaben entrichten, noch Geld für Bildung und Gesundheit ausgeben mußten. Weil Brunei, Sarawak und Britisch-Nordborneo aber nicht als Einzelstaaten an Malaysia angeschlossen werden wollten, wie dies der Sultan vorhatte, sondern nur in einem Einheitsstaat Nordborneo, wenn überhaupt, kam es am 8. Dezember 1962 zu einem Aufstand gegen den Sultan. Dieser wurde bis zum 17. Dezember 1962 mit britischer Hilfe niedergeschlagen, der Ausnahmzustand verhängt und das Parlament aufgelöst. 1971 erlangte Brunei dennoch die volle Souveränität. 1979 schlossen die Briten mit dem seit 1967 amtierenden Sultan Hassanal Bol­kiah ein Abkommen, wonach Brunei 1984 unabhängig werden sollte. Am 1. Januar 1984 wurde Brunei wie vereinbart, vom Vereinigten Königreich in die Unabhängikeit entlassen. Noch im selben Jahr wurde es Mitglied der ASEAN (Association of South East Asian Nations) und der UNO. Fünf Jahre später trat es auch der APEC (Asian-Pacific Economic Cooperation) bei. Im August 1998 regelte Sultan Hassanal Bolkiah seine Nachfolge, indem er seinen ältesten Sohn Prinz al-Muhtadee Billah zum Kronprinzen einsetzte. Das Sultanat Brunei ist nämlich eine Erbmonarchie, in der der Sultan Staatsoberhaupt und Regierungschef ist und über eine enorme Machtfülle verfügt. Ihm stehen zwar vier Räte zur Seite – ein Ministerrat, ein Kronrat (für Verfassungsangelegenheiten und Gnadenakte), ein Thronfolgerat und ein Rat für religiöse Fragen –, doch haben diese nur beratende Funktion. Und auch die Parteien des Landes haben keine politische Macht.

 

Die Münzen Bruneis

Vom 25. Juni 1903 bis zum 1. April 1946 galten in Brunei 100 Cents (Fen, Sen) = 1 Straits-Dollar (Yuan, Ringgit). Aber auch der britische Handelsdollar war als Zahlungsmittel gebräuchlich. Der Dollar der Straits Settlements und der britische Handelsdollar trugen auf ihren Rückseiten die Nominalangabe in Chinesisch („Yi Yuan“) und in Malaiisch („Satu Ringgit“). Schließlich waren beide Münzen von den Briten für den Handel in Ostasien konzipiert worden. Aus diesem Grund waren auch Feinheit (900er Silber) und Gewicht (26,9568 g) der beiden Münzen gleich – zumindest bis 1907. Ab da wurde das Gewicht des Straits-Dollars gesenkt – 1907 auf 20,21 g, 1919 auf 16,84 g – und 1919 auch seine Feinheit auf 500er Silber reduziert. Der britische Handelsdollar dagegen blieb bis zum Ende seiner Emission (1935) in Gewicht und Feinheit unverändert. Zwischen dem 1. April 1946 und dem 12. Juni 1967 zirkulierte in Brunei der Malaya-Dollar (Ringgit), der mit dem Straits-Dollar pari stand und in 100 Cents (Sen) unterteilt wurde sowie die gemeinschaftlich verausgabten Münzen der Föderation Malaya und Britisch-Borneo. Hierzu zählten die Staaten Malaya, Singapur und die britischen Gebiete Nordborneo (ab 1963 Sabah genannt), Brunei und Sarawak. Seit dem 12. Juni 1967 gilt in Brunei der Brunei-Dollar (Ringgit) zu 100 Cents. Dieser steht mit dem Singapur-Dollar pari. Die Kursmünzen, die man seither in Brunei prägte – zunächst unter Sultan Omar Ali Saifuddin III. (1950–1967) und dann unter Sultan Hassanal Bolkiah (seit 1967) –, umfassen die Nominale 1, 5, 10, 20 und 50 Sen und bestehen mit Ausnahme der 1-Sen-Münze allesamt aus Kupfernickel, bloß die 1-Sen-Münze ist aus Bronze und seit 1993 aus mit Kupfer galvanisiertem Eisen. 1-Dollar- bzw. 1-Ringgit-Kupfernickel-Münzen emittiert das Land jedoch erst seit 1970. Nominale von 2 bis 1000 Dollars (Ringgit) prägte Brunei zwar ebenfalls, allerdings handelt es sich hierbei um Sondermünzen, die zum größten Teil aus Silber oder Gold bestehen. Mit diesen Münzen gedenkt das Land Ereignissen wie der 1-, 10-, 20- und 25-jährigen Unabhängigkeit Bruneis, dem 10- und 25-jährigen Bestehen der Währungsbehörde (Brunei Currency Board), der 30-jährigen Gemeinschaft der Südostasiatischen Staaten, der 22. Gipfelkonferenz der Gemeinschaft der eben erwähnten Staaten, den XX. Südostasienspielen, der Konferenz der Finanzminister des Commonwealth of Nations, dem 20. Jahrestag der Krönung des Sultans, dem 50. Geburtstag des Sultans, der Hochzeit des Kronprinzen usw. Ausgebracht wurden und werden diese Edelmetallmünzen aus 925er oder 999er Silber und aus 916,67er oder 999,9er Gold. Hergestellt wurden die Münzen Bruneis bisher bei der Royal Mint in Llantrisant, der Singapore Mint Pte Ltd. in Singapur und bisweilen auch bei der Huguenin frères & Co. in Le Locle. 

 

 

 

Quellen: Abb. 1, 3 und 4: Beutler, Münzen und Edelmetalle, Gärtringen; Abb. 2: Emporium Hamburg, Hamburg; Abb. 5: MPO-Direct, Niederlande; Abb. 6: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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