Weltmünzenatlas – Biafra

Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Biafra, wie sich die von Nigeria abgespaltene damalige Ostregion nach Ausrufung ihrer Unabhängigkeit (30. Mai 1967) bezeichnete, lag im Südosten Nigerias. Sie grenzte im Norden und Westen an Nigeria, im Osten an Kamerun und im Süden an den Golf von Guinea, genauer gesagt an die Bucht von Biafra – diese wurde 1975 in Bucht von Bonny bzw. Bonny-Bucht umbenannt. Geografisch betrachtet, erstreckte sich Biafra über eine breite Küstenebene, die nach Norden und Osten hin von Hügelländern umgeben war. Das Klima ist tropisch und der tropische Regenwald und die Feuchtsavanne die vorherrschenden Vegetationsgebiete im Land. Die Regenzeit dauert von April bis November, die größten Niederschlagsmengen fallen jedoch im Juni und im September. Nahezu die gesamte Bevölkerung Biafras gehörte zum Volk der Ibo. Diese wiederum waren katholische und anglikanische Christen.

 

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Biafras

Am 1. Oktober 1960 wurde Nigeria unabhängig und 1963 eine Republik innerhalb des Commonwealth of Nations. Aufgrund von sozialen, kulturellen und ethnischen Spannungen vor allem zwischen den muslimischen Hausa und den christlichen Ibo putschte das Militär am 15. Januar 1966 unter der Führung des Generals Johnson Aguiyi-Ironisi – er gehörte zum Volk der Ibo – und riß die Macht an sich. Einen Monat später trat Staatspräsident Azikiwe von seinem Amt zurück. Am 29. Juli 1966 kam es dann allerdings zu einem Gegenputsch von Militärs, die den Hausa nahestanden. Diese stürzten und ermordeten General Johnson Aguiyi-Ironisi und starteten im Norden Nigerias Progrome gegen die dortige Ibo-Minderheit. Die besagten Progrome sowie die gleichzeitige Erschließung großer Erdölvorkommen im Südosten Nigerias veranlaßten den Ibo-Oberst Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu und Militärgouverneur der Ostregion Nigerias – dies war das Stammland der Ibo – dazu, diese Ostre­gion am 30. Mai 1967 für unabhängig zu erklären und die Republik Biafra auszurufen. Oberst Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu wurde Biafras Staatspräsident und erhielt den Beinamen „Ikemba“ (Vater der Nation). Anerkannt wurde die neue Republik aber nur von den afrikanischen Staaten Elfenbeinküste, Gabun, Sambia und Tansania sowie von dem nichtafrikanischen Land Haiti. Da die Zentralregierung Nigerias die neu gegründete Republik ebenfalls nicht anerkannte und sogar darauf bestand, die Sezession Biafras rückgängig zu machen, kam es im Juli 1967 zum Krieg zwischen den Armeen Biafras und Nigerias. Zu einem blutigen Bürgerkrieg, der bis zum Januar 1970 dauerte und schätzungsweise zwischen 1 und 2 Millionen Tote forderte – Tote, die jedoch nicht allein Opfer von Bomben, Granaten und sonstigem Kriegsgerät, sondern zu einem Großteil Opfer des ständigen Hungers geworden waren. Zwar hatte es Hilfsmaßnahmen von Seiten des Internationalen Roten Kreuzes und christlicher Kirchen gegen den Hunger gegeben, doch konnte das Elend damit nur gelindert und nicht grundlegend beseitigt werden. Am 15. Januar 1970 kapitulierte Biafra, sein Staatspräsident ging ins Exil und die ehemals unabhängige Republik wurde anschließend wieder in den nigerianischen Staat eingegliedert. Es folgte eine Politik der nationalen Aussöhnung, die trotz der großen Zahl an Kriegsopfern letztlich erfolgreich war. Um die ethnisch-kulturellen Rivalitäten zu mindern und künftigen Konflikten den Wind aus den Segeln zu nehmen, teilte man das Staatsgebiet des ehemaligen Biafra 1979 in vier Bundesstaaten auf.

 

Die Münzen Biafras

In der Republik Biafra galten 12 Pence = 1 Shilling, 5 Shillings = 1 Crown und 20 Shillings = 1 West African Pound (ab 29. Januar 1968: 1 Biafra Pound). Zwischen Biafra Pound und West African Pound herrschte Währungsparität, d. h. ihr Wechselkursverhältnis stand 1:1. Alle Kursmünzen unterhalb des Pfundes (3 Pence, 6 Pence, 1 Shilling, 2 1/2 Shillings), die man 1969 verausgabte, bestanden aus Aluminium, trugen auf ihren Vorderseiten das Abbild einer Kokospalme vor aufgehender Sonne, von einer Manilla umgeben und nannten das Staatsmotto PEACE UNITY FREEDOM (Frieden, Einheit, Freiheit). Auf den Rückseiten lesen wir die Wertangaben und die Staatsbezeichnung und sehen im Falle des Shillings einen Kronenadler auf einem Elefantenstoßzahn und im Falle der 2½-Shillings-Münze einen nach links gelagerten Westafrikanischen Waldleoparden. Im Unterschied dazu emittierte man die 1-Pound-Münze aus 640er Silber. Sie zeigt auf ihrer Vorderseite das Wappen der Republik und nennt die Staatsbezeichnung und das Emissionsjahr 1969. Auf der Rückseite sehen wir einen Kronenadler mit ausgebreiteten Schwingen auf Pergamentrolle vor ovalem bekränztem Schild mit aufgehender Sonne und Spruchband – In des Spruchband: THE FIGHT FOR SURVIVAL / SPES (Der Kampf ums Überleben / Hoffnung) – und lesen ONE 1 POUND. Interessant und bemerkenswert ist, daß Biafra trotz einer nur sehr kurzen Existenz als unabhängiger Staat neben seinen Umlaufmünzen auch zwei Gedenkemissionen herausbrachte. Die Rede ist von einer silbernen 1-Crown-Münze von 1969 auf den Staatspräsidenten der Republik und von einer Münzserie zu 1 Pound (3,99 g), 2 Pounds (7,98 g), 5 Pounds (15,98 g), 10 Pounds (39,94 g) und 25 Pounds (79,88 g) aus 22-karätigem Gold von 1969 auf den 2. Jahrestag der staatlichen Unabhängigkeit. Die Crown-Münze aus 900er Silber, die Staatspräsident Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu (1933–2011) gewidmet ist, zeigt auf ihrer Vorderseite sein nach rechts gewandtes Porträt und nennt seinen Namen und das Emissionsjahr. Auf der Rückseite sehen wir eine Kokospalme und lesen INDEPENDENCE AND LIBERTY (Unabhängigkeit und Freiheit) ONE CROWN. Die erwähnte Goldserie dagegen ist motivgleich mit der bereits beschriebenen 1-Pound-Münze aus 640er Silber, nennt aber auf den Münzvorderseiten zusätzlich zur Staatsbezeichnung die Legendenergänzung SECOND ANNIVERSARY OF INDEPENDENCE (2. Jahrestag der Unabhängigkeit). Die Umlaufmünzen aus Aluminium wurden bei der „Casa da Moeda“ im portugiesischen Lissabon geprägt und die 22-karätigen Goldmünzen stammen aus der „Usine Genevoise de Dégrossissage d’Or“ im schweizerischen Genf.

 

 

Quelle: Abb. 1, 2, 3: sesambestcoins2004; Abb. 4: Künker, Auktion 237 (Oktober 2013), 3914; Abb. 5: H. D. Rauch, Auktion 92 (April 2013), 1643; Abb. 6: Künker, Auktion 139 (März 2008), 7788. Den erwähnten Münzhandlungen und Auktionshäusern sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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