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Vom Münzensammler zum Palladium-Experten: Interview mit René Frank

Der Name des hessischen Publizisten ist spätestens seit einer Artikelserie über historische Goldmünzen ein Begriff. Das Buch zu diesem Thema fand viele Leser. Sein Palladium-Katalog erschien kürzlich bereits in sechster Auflage. Wir fragten nach dem Werdegang von René Frank und dem beeindruckenden Spektrum seiner numismatischen Themen.



Münzen-Online: Sie sind beruflich eher musikalisch unterwegs, als Pädagoge und Komponist. Wie kamen Sie zur Numismatik? 


René Frank: Schon in meiner Kindheit habe ich mich mit Münzen beschäftigt. Wenn meine Mutter vom Einkaufen zurückkam, durfte ich das Kleingeld in ihrem Portemonnaie durchschauen. Mich interessierten die Buchstaben, die auf den Münzen standen. Als Siebenjähriger legte ich mir so eine kleine Sammlung zu, fügte die Buchstaben in Tabellen ein und wunderte mich, dass D, F, G und J immer wieder auftauchten. Wenig später bekam ich einen ersten Katalog, den Kleinen Deutscher Münzkatalog. Das war das erste Buch, das ich freiwillig las. Nun wusste ich, dass die Buchstaben für Prägestätten stehen, aus denen die Münzen kamen. Ich machte es mir zur Aufgabe, aus dem Portemonnaie meiner Mutter möglichst Münzen aller Prägestätten herauszusammeln. Beim Kleingeld zu einem, zwei, fünf, zehn Pfennigen war sie großzügig, auch noch beim 50-Pfennig-Stück. Bei Markstücken wurde sie knauserig, die wollte sie nicht so ohne weiteres hergeben. Meine erste Sammlung bestand also aus sortiertem Kleingeld.


Münzen-Online: Waren Sie damals auf möglichst prägefrische Münzen aus?


René Frank: Nein, überhaupt nicht. Mir ging es um die Vollständigkeit. Ich habe beim Sortieren allerdings festgestellt, dass es in der Abfolge der Münzen zwischen 1950 und 1966 eine große Lücke gibt. Ich fragte mich: Was war da los? Warum finde ich keine Münzen aus diesem Zeitraum? Anhand des Kataloges fand ich heraus, dass in diesem Zeitraum gar keine geprägt wurden. So hat sich mein Interesse nach und nach entwickelt. Während der Ferien bei meinen Großeltern in Marktheidenfeld im Spessart entdeckte ich eine Münzhandlung. Immer, wenn ich zu meinen Großeltern durfte, ging ich mit meiner Oma in diese Münzhandlung. Ich wollte meine Sammlungen vervollständigen. Ich hatte nämlich inzwischen angefangen, Pfennige aus dem Kaiserreich, dem Dritten Reich und der Weimarer Republik zu sammeln. So hat sich dann das Spektrum meiner Interessen immer mehr erweitert.



Münzen-Online: Es waren nur die kleinen Münzen, die sie interessierten?


René Frank: Ja. Dafür gab es aber auch einen Grund. Ich hatte nur wenig Taschengeld: Mehr ging da nicht! Zur Kommunion, damals war ich neun Jahre alt, wünschte ich mir schließlich eine Goldmünze. Alle anderen Kinder hatten sich etwas zum Spielen gewünscht. Ich aber hatte mein Interesse für Goldmünzen entdeckt. Ich bekam eine Zwei-Rand-Münze aus Südafrika. Die kostete damals um die 250 Mark. Ich legte sie in ein schönes Kästchen und schaute sie immer wieder an. Als ich einige Jahre später eine Banklehre begann, war ich schon von Berufs wegen mit Münzen beschäftigt. Die Vergütung als Auszubildender ermöglichte es mir, weitere Münzen zu erwerben, nun auch ausländische. Als ich die Bank verlassen hatte und Lehramt studierte, beschäftigte ich mich intensiver mit Goldmünzen, sammelte zwischenzeitlich auch Palladium und Platin. Mittlerweile habe ich Münzen von der Antike bis in die Gegenwart, das gesamte Spektrum, also auch Mittelalter, Renaissance, Barock. Von allem ist etwas dabei!


Münzen-Online: Ist es nie zu einer Spezialisierung gekommen, die blieb?


René Frank: Nein, tatsächlich nicht. Ich habe viele wichtige Münzen der Geschichte zusammengetragen, aber nie gesagt: Ab jetzt sollen es nur noch Münzern mit Olympiamotiven oder mit Segelschiffen sein oder mit Tieren oder so etwa. Das Interesse war immer ganzheitlich.

 

Münzen-Online: Sie müssen auf Abwege gekommen sein. Wie fanden Sie zur Musik? 


René Frank: Das war auch schon sehr früh. Meine Eltern hatten eine Bontempi-Orgel im Wohnzimmer stehen, die meine Mutter früher mal spielte. Ich fing an, darauf herumzuklimpern. Probierte, welche Töne zusammenpassen könnten. Mit acht, neun Jahren begann ich, Klavierunterricht zu nehmen, fast zeitgleich mit dem Münzensammeln. Das wurde dann mein Beruf. Ich studierte Kirchenmusik in Mainz und Schulmusik in Frankfurt. Parallel dazu habe ich Gesang studiert und eine Klavier- und Chorleiter-Ausbildung absolviert. Heute bin ich Musiklehrer, unterrichte auch Geografie und Geschichte. Neben meiner Lehrtätigkeit leite ich vier Chöre, spiele in einer Band und komponiere. Ich habe also mehrere Standbeine.

Münzen-Online: Sie publizieren auch über Münzen. Was hat dazu geführt?


René Frank: Vor etwa 30 Jahren hatte ich mir einige Münzen aus Palladium gegönnt. Die kamen aus Russland. Es begann mit einer kleinen "Ballerina" zu fünf Rubel. Die kostete damals etwa 200 Mark, was für meine Verhältnisse erschwinglich war. Damals interessierte ich mich zudem für Münzen mit Komponisten, weil das die Numismatik mit der Musik verbindet. Da gab es eine russische Palladium-Münze, auf der Modest Mussorgski abgebildet war. Die legte ich mir ebenfalls zu. Als ich meine dritte Münze aus diesem Metall hatte, stellte ich fest: Oh, die sind aber ganz schön selten. Ich versuchte mir einen Überblick über alle Palladium-Münzen, die es gibt, zu verschaffen. Aber einen Katalog gab es damals noch nicht. Ich veröffentlichte zunächst einen Artikel über Palladiummünzen n einer Fachzeitschrift. Daraus entstand die Idee, einen Katalog zum Thema zu veröffentlichen. So kam vor genau 20 Jahren der erste Palladium-Münzkatalog in einer Auflage von rund 400 Exemplaren auf den Markt. Im Oktober letzten Jahres ist inzwischen die 6. Auflage erschienen.


Münzen-Online: Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten von Palladium-Münzen ein?


René Frank: Vor 20 Jahren war Palladium recht günstig. Wenn jemand eine Investition in Gold scheute, investierte er gerne in Platin oder Palladium. Ab dem Jahr 2019 ist der Preis für Palladium allerdings aus verschiedenen Gründen in die Höhe geschossen. Eine Unze kostete zeitweise über 3.000 Euro pro Unze, also mehr als damals Gold. Viele Sammler sagten, das können wir nicht mehr bezahlen. Viele Sammlungen wurden verkauft. Das war ganz logisch. Wer in den Neunzigern eine Palladium-Münze für 300 Mark gekauft hat, bekam jetzt 3.000 Euro, wenn er sie verkaufte! Ausreichend Kundschaft für eine Zweitverwertung gab es unter Sammlern aber nicht. In den letzten Jahren sind daher viele Münzen in die Schmelze gewandert. Ich selbst habe auch einen Teil meines Palladiums verkauft. Diesen Exodus merkt man heute übrigens am Markt. Es gibt weniger Palladium-Münzen als vor zehn Jahren. Neue werden kaum noch geprägt. Der Maple Leaf wurde 2017 eingestellt. Aktuell gibt es nur noch den American Palladium Eagle, der jährlich erscheint. Was gerade in Mode ist, sind Münzen mit extrem niedrigem Gewicht. Diese scheinen für Käufer noch erschwinglich zu sein. Es gibt da jetzt gerade eine Münze mit afrikanischer Lizenz, die eine tausendstel Unze an Palladium enthält. Das sind 0,03 Gramm. Da fragt man sich, wie man aus so wenig Material überhaupt ein rundes Metallplättchen pressen kann.


Münzen-Online: Sehen Sie dann nochmal eine Chance für Palladium?


René Frank: Als ungeeignet für das Sammeln würde ich Palladium-Münzen nicht bezeichnen. Schließlich gibt es solche Münzen schon seit 60 Jahren. Wenn ein Metall so lange am Markt bleibt, gibt es auch Kundschaft dafür. Aber die Palladium-Sammler sind ein überschaubarer Kreis. Als ich mit dem Sammeln von Münzen aus Palladium begann, geriet ich immer wieder an dieselben Leute. Man kann sogar manchmal die Wege der einzelnen Münzen nachvollziehen, das es von einigen Prägungen nur 100 bis 300 Exemplare gibt. Zudem muss man einen weiteren Unsicherheitsfaktor bedenken: Die industrielle Verwertung des Metalls ist in letzter Zeit erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Die Automobilindustrie verwendet traditionell viel Palladium. Die Branche schwächelt aber bekanntlich seit einiger Zeit und die aufstrebenden E-Autos benötigen gar kein Palladium. Einer der größten Produzenten ist zudem das von Boykotten betroffene Russland. Infolge der Handelsbarrieren steht aktuell auch Palladium unter Druck.



Münzen-Online: Wird das Metall dann substituiert?


René Frank: Ja, man kann es durch Platin substituieren. Aber Platin ist aktuell teurer als Palladium. Daher ist eine solche Substitution nicht sinnvoll. Solange die Automobilindustrie weniger produziert, gibt es dort auch weniger Nachfrage. Daher sind beide Metalle von der Industrie in letzter Zeit nicht so stark nachgefragt worden und bleiben daher im Schatten von Gold und Silber. Langfristig sehe ich allerdings, dass sie Aufholbedarf haben. In der Münzprägung gibt es aktuell allerdings keine Hoffnung auf eine Renaissance. Russland hat seine Prägungen schon in den 1990er Jahren eingestellt. Kanada und Australien folgten. Keine größere Münzprägeanstalt, außer der US-Mint, hat aktuell angekündigt, Palladium-Münzen auszugeben. Die meisten, die Gold und Silber ausgeben, setzen noch auf Platin, etwa die Münze Österreich oder die Royal Mint in Großbritannien. Aber keine setzt auf Palladium.


Münzen-Online: Was machen Sie aktuell?


René Frank: Zurzeit bin ich viel mit Musik beschäftigt, mit Musikprojekten und Notenbüchern. Aktuell ist ein Notenbuch mit u.a. drei Liedern von mir erschienen. Im Mai kommt ein neues Notenbuch für die ostdeutschen Bistümer heraus, in dem auch ein Lied von mir enthalten sein wird. Und dann wird bald eine Einzelausgabe für Bläser, Streicher, vierstimmigen Chor und Band von einem Lied, das ich komponiert habe, erscheinen. Meine Kompositionen sind überwiegend „Neues Geistliches Lied“, also populäre Kirchenmusik, Chorlieder oder Klavierstücke. Über Münzen schreibe ich aber parallel dazu weiter. Aktuell bereite ich einen Zeitschriften-Beitrag zum 100. Jubiläum der wunderschönen Quetzal-Goldmünzen aus Guatemala von 1926 vor.


Das Interview führte Dietmar Kreutzer.

Fotos: Kreutzer





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