• Dietmar Kreutzer

Spaniens „Kindsköpfe“: Die Münzporträts von König Alfons XIII.


Der amerikanische Literat Ernest Hemingway äußerte sich 1923 wenig schmeichelhaft über den Kindskopf auf dem spanischen Thron: „Der König von Spanien ist König, seit er sich erinnern kann. Er ist als König geboren worden, und man kann die Entwicklung seines von Fotos bekannten Unterkiefers auf den Fünf-Peseten-Münzen seit 1886 verfolgen. Es ist kein Spaß für ihn, König zu sein. Er war als Baby viel hübscher, wenn man den Peseten trauen darf, aber das sind wir alle gewesen.“ (Ernest Hemingway: Die Geschäfte der europäischen Könige, in: Gesammelte Werke 6, Reinbek 1977).


5 Pesetas, Spanien, 1888, Silber. Bildquelle: Worthpoint, Ebay.

Als Alfons XIII. Zur Welt kam, hatte die spanische Politik ihre schwersten Stürme bereits hinter sich. Die Thronprätendentin Isabella II. (1833-1868) war in den Intrigen um die Krone erfolgreich gegen Don Carlos geblieben. Die republikanische Revolte gegen die Monarchie von 1868 war fruchtlos. Als nächster König, der nach der Absetzung Isabellas benötigt wurde, konnte sich Alfons XII. (1874-1885) durchsetzen. Der jugendliche „Friedensstifter“ starb jedoch bereits mit 28 Jahren an der Schwindsucht. Als er dahinschied, war seine Frau schwanger. Das Kind wurde sechs Monate später geboren: „Alfons XIII. (1886-1931) ist der Einzige in der Geschichte Spaniens, der schon als König zur Welt kam; auch in der Geschichte des übrigen Europas finden sich solche Fälle nur schwerlich. Am 17. Mai 1886 feierte Spanien seine Geburt mit großen Freudenkundgebungen.“ (Die großen Dynastien, Erlangen 1996, S. 233).


20 Pesetas, Spanien, 1892, Gold. Bildquelle: Jesus Vico SA, Auction 6, Lot 527.

Bis zur frühzeitigen Volljährigkeit des Königs folgten 16 Jahre der Regentschaft, die längste in der spanischen Geschichte. Am 17. Mai 1902 war es endlich soweit. Der gerade 16-jährige Alfons leistete seinen Amtseid. Wer aber nun annahm, der König werde sich als konstitutioneller Monarch aus der Tagespolitik heraushalten, sah sich getäuscht. Schon am Tag des Thronantrittes beraumte er eine Kabinettssitzung an: „Der König ließ sich an der Spitze des langen Nußbaumtisches nieder, hörte die paar Begrüßungsworte an, die Sagasta (Regierungspräsident, d. A.) mit müder Stimme sprach und mit müden Gesten begleitete, und als ob er sein ganzes Leben lang nichts anderes getan hätte als Kabinetten zu präsidieren, wandte er sich an den Kriegsminister in herrischem Ton und examinierte ihn ruhig und eindringlich über die Gründe einer neuerlichen Verordnung, die die Schließung der Kriegsschulen verfügt hatte.“ (Salvador de Madariaga: Spanien – Land, Volk und Geschichte; München 1983, S. 182). Mit seinem Einsatz erwarb sich Alfons anfangs die Sympathie des Volkes. Mit seiner Parteinahme für Primo de Riviera als Militärdiktator im Herbst 1923 überspannte er jedoch den Bogen. Sein Stern begann zu sinken.


100 Pesetas, Spanien, 1897, NP, Gold. Bildquelle: Numista, Heritage Auctions.

Als die erste Münze mit dem Porträt von Alfons XIII. erschien, war der König gerade mal ein Jahr alt: „Nach diesem Bild benannten die Zeitgenossen die Münze ‚el pelon‘ – der Kahlkopf. 1891 wurde das Münzbild durch ein neues ersetzt, diesmal apostrophiert als ‚el bucles‘ – der Lockige. Das dritte Münzbild erschien 1896, das Bildnis des Königs nunmehr genannt ‚el tupe‘ – der Stirnlockige. Als ‚el cadete‘ bezeichneten die Spanier das Bildnis des 18-jährigen Königs auf den Münzen von 1904-1906. Ein weiteres Bildnis von Alfonso XIII. als Generalkapitän erschien 1910/11 auf céntimo-Münzen.“ (Rainer Wohlfeil, Geschichte Spaniens im Spiegel von Münzen und Banknoten, Teil 6 – Das Zeitalter der Peseta, Hamburg 2008, S. 15). Die ersten beiden Motive verdanken wir Gregorio Sellan, der sowohl für das Bild als auch die Wappenseite verantwortlich war. Das dritte Porträt von 1897 prangte gar auf einer großformatigen Umlaufmünze aus Gold. Die Münze wurde ausschließlich im genannten Jahr aufgelegt, kurz vor Ausbruch des spanisch-amerikanischen Krieges. Der Entwurf auf der Bild- und Wappenseite kam diesmal von Bartolomé Maura Montaner. Beachtliche 150.000 Exemplare dieser hohen Wertstufe nach den Vorgaben der Lateinischen Münzunion wurden seinerzeit geprägt. Eine numismatisch interessante Nachauflage mit annähernd 7.000 Exemplaren erschien in den Jahren 1961 und 1962. Das Herstellungsdatum ist an der Jahreszahl in den beiden Sternen auf der Bildseite zu identifizieren.


2 Pesetas, Spanien, 1905, Silber. Bildquelle: Authentic Ancient Coins.

Das Porträt des Königs in Kadettenuniform von 1904 entwarf ebenfalls Bartolomé Maura Montaner. Die in den Jahren 1910 bis 1911 ausgegebenen Münzen zu einem, zwei und 50 Céntimos sind von demselben Künstler entworfen worden. Das finale Bildnis des zu dieser Zeit längst volljährigen Königs auf einer Umlaufmünze folgte nach dem Ersten Weltkrieg: „In der Serie von Münzen zu 50 céntimos erschien 1926 eine Silberprägung, die das sechste und zugleich letzte Porträt des Königs enthielt. Sie trug die Titelei ALFONSO XIII REY DE ESPANA und enthielt auf der Gegenseite ein von bisherigen Ausführungen deutlich abweichendes Staatswappen.“ (S. 22f.) Die Entwürfe kamen nun von Enrique Vaquer. Danach gab es nur noch eine Münzprobe im Wert von einer Peseta aus dem Jahr 1927 von M. Martin. Die Münze wurde aber nicht mehr ausgeprägt.


50 Céntimos, Spanien 1926, Silber. Bildquelle: Numismatic Guaranty Corp.

Als der spanische Militärdiktator Primo de Riviera im März 1930 starb, war es einsam um den König geworden. Indem er den inhaftierten Vertretern des oppositionellen Revolutionskomitees eine Regierungsbeteiligung anbot, versuchte er seinen Thron zu retten. Die wollten jedoch nicht unter einem militaristisch orientierten Monarchen regieren. Die Gemeindewahl vom April 1931 zeigte, dass die Republikaner bereits die Großstädte dominierten. Ein Bürgerkrieg zwischen Monarchisten und Republikanern drohte. Der König verließ das Land. Am 14. April 1931 wurde die Republik ausgerufen.