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Metall des DDR-Fünfzigers von 1950 aus eingeschmolzenen Bronzedenkmälern

Nach der Berlin-Blockade 1948/49 und der Gründung der Bank deutscher Länder dauerte es nicht lange, bis Westdeutschland, ab 23. Mai 1949 Bundesrepublik Deutschland, und Ostdeutschland, ab 7. Oktober 1949 Deutsche Demokratische Republik, eigene Münzen und Geldscheine herausbrachten. Das ostdeutsche Pendant zu dem von Richard M. Werner gestalteten Fünfzigpfennigstück mit der jungen Frau, die einen Baumreiser pflanzt, war ein 1949 in wenigen Probeexemplaren und dann 1950 in einer Auflage von beachtlichen 67,7 Millionen in der Münze am Molkenmarkt in der Mitte Berlins mit der Kennung A hergestelltes Fünfzigpfennigstück. Auf ihm wird eine Fabrikanlage mit qualmenden Schornsteinen und einem Pflug davor mit der großen Ziffer 50 kombiniert.

Der DDR-Fünfziger von 1950 hat einen sehr seltenen Vorgänger von 1949 mit der „dünnen“ Wertzahl 50. Die frühen DDR-Münzen geben DEUTSCHLAND noch als Herkunftsland an. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Gestalter des DDR-Fünfzigers mit der Aufschrift DEUTSCHLAND war der bereits an der früheren Preußischen Staatsmünze Berlin tätige Stempelschneider und Medailleur Franz Paul Krischker. Nach dem Zweiten Weltkrieg im Westteil der Viersektorenstadt Berlin als Metallgestalter tätig, war er auch Urheber der goldenen Medaille für den 1949 gestifteten Nationalpreis der DDR mit Goethes Kopf.

Der bis 1990 verliehene Nationalpreis der DDR mit eindrucksvollem Goethekopf ist ein Werk von Franz Krischker. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Die Ausgabe des DDR-Fünfzigers war nötig, weil die blauen Fünfzigpfennigscheine mit der Ortsangabe BERLIN 1948 beim täglichen Gebrauch sehr schnell zerschlissen, was Anlass zu Klagen in der Bevölkerung und im Einzelhandel führte. Außerdem wollte man sich so schnell wie möglich von den aus der Nazizeit stammenden Münzen trennen, die damals noch in Umlauf waren. Das für die Emission der neuen Fünfziger benötigte Metall wurde aus dem Material gestürzter und verschrotteter Bronzedenkmäler und aus anderem Buntmetall gewonnen.

50-Pfennig-Schein, 1948 von der Deutschen Notenbank herausgegeben. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar].

Während in Ostberlin noch überlegt wurde, wer die über 67 Millionen Ronden für den neuen Fünfziger herstellt, machte sich Franz Krischker an den Entwurf. Die Bildseite, die das „brüderliche Zusammengehen“ von Arbeiterklasse (Fabrik) und Bauernschaft (Pflug) als Symbol der 1949 gegründeten DDR schildert, ging bei den SED- und Regierungsgremien anstandslos durch. Gegenüber den seltenen Proben von 1949 hat man allerdings bei der 1950 realisierten Gesamtauflage vor allem die Zahl auf der Wertseite verändert. Die zunächst magere Zahl 50 fiel 1950 kräftiger aus, um sie besser erkennen zu können. Originale Probe-Fünfziger von 1949 erzielen im Handel horrende Summen. Wenn normale Fünfziger von 1950 in Stempelglanz angeboten werden, sind ihnen gute Preise sicher.


Nach und nach wurden in der Sowjetischen Besatzungszone die alten Reichspfennige und Fünfziger eingezogen und durch neues Kleingeld aus Aluminium ersetzt, das in Berlin mit dem Münzzeichen A und im sächsischen Muldenhütten bei Freiberg mit einem E gezeichnet wurde. „Die Prägung der neuen Geldstücke stellte für die Münze Berlin eine echte Bewährungsprobe dar. Galt es doch, innerhalb kurzer Zeit zig Millionen Münzen für die notwendige Ausstattung unserer Bürger mit neuem Hartgeld gemeinsam mit der Münze Dresden-Muldenhütten zu prägen“, erinnerte sich der inzwischen verstorbene Geschäftsführer der DDR-Münze, Hartmut Mielke, und wies darauf hin, dass in Berlin die Zahl der Münzarbeiter massiv verstärkt wurde und man in drei Schichten gearbeitet hat. Pro Schicht seien rund eine Million Münzen hergestellt worden. „Das Münzmaterial wurde aufgrund fehlender Kapazitäten nicht wie früher selbst in der Münze hergestellt. Es wurde in Streifen aus Aluminium bezogen, die auf Egalisierungswalzwerken in mehreren Arbeitsgängen auf die erforderliche Rondenstärke mit einer Toleranz von +/- 0,02 mm gewalzt wurden. Diese Ronden waren nicht immer völlig eben, was sich negativ auf die Qualität der Münzen auswirkte. Nach dem Walzen der Alu-Streifen wurden Ronden in den erforderlichen Abmessungen gestanzt. Nachfolgend wurden die gestanzten Ronden in schwenkbaren Scheuerglocken mit soda- und seifenhaltigen Waschmitteln gescheuert und entgratet.“ Die nassen Ronden hat man in großen Zentrifugen mit Warmluft getrocknet. Die auf speziellen Rändelmaschinen vorgestauchten Ronden erhielten in den Prägemaschinen beidseitig ihre Wert- und Bildseite. Es erfolgte dann an Förderbändern eine Endkontrolle, bei der missratene Stücke aussortiert wurden. Anschließend hat man die Münzen in Beutel verpackt und verblombt. Von den Ausgabestellen der Banken und Sparkassen gelangten die Münzen in die Lohntüten und Portemonnaies der DDR-Bewohner.


In ihren frühen Jahren besaß die DDR kein eigenes Wappen und auch keine eigene Fahne. Auf den vor und nach der Gründung des zweiten deutschen Staates am 7. Oktober 1949 geprägten Aluminiummünzen erscheinen Symbole für den Zwei- und den Fünfjahrplan, die aus Hammer und Ähre gebildet wurde, ergänzt durch den Zirkel. Das erste Logo ist, was erst nach dem Ende der DDR enthüllt wurde, einer Nazi-Medaille nachempfunden, natürlich ohne Hakenkreuz. Das DDR-Wappen erhielt erst in den fünfziger Jahren seine endgültige Form und wurde 1959 offiziell der schwarz-rot-gold gestreiften Fahne eingefügt. Von jetzt ab wurde auch beim Flaggezeigen national und international sichtbar, dass es kein einheitliches Deutschland gibt, sondern zwei deutsche Staaten.

Blick auf Alumünzen der DDR, die deren Ende 1990 überstanden haben. Zu sehen ist der Wandel beim Staatswappen und der Landesbezeichnung. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Die SED- und DDR-Führung hatte sich von ihrer gesamtdeutschen Vision verabschiedet, die in der Inschrift DEUTSCHLAND auf den zwischen 1948 und 1953 geprägten Münzen zum Ausdruck kommt, aber auch in gesamtdeutschen Ansprüchen artikuliert wurde. Entwürfe für neue Münzen, die das Brandenburger Tor in Berlin und den Kölner Dom als gesamtdeutsches Zeichen darstellen, wurden nicht ausgeführt und haben im Archiv der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Berlin als bemerkenswerte Zeugnisse für den kommunistischen Alleinvertretungsanspruch der DDR und ihrer Staatspartei SED überlebt. Die Änderung der Staatsflagge sei erforderlich, da die Deutsche Demokratische Republik „als der einzige rechtmäßige deutsche Staat sich auch in der Flaggenführung sichtbar von dem westzonalen Separatstaat unterscheiden will“, so die damalige Sprachregelung. Indem die DDR-Staatsflagge die „Symbole des friedlichen Aufbaus“ Hammer, Zirkel und Ährenkranz trage, werde sowohl für das deutsche Volk als auch für die ganze Welt sinnvoll veranschaulicht, „dass unter dieser Flagge das neue Deutschland auftritt, dem die Zukunft gehört und von dem der Frieden ausgeht“, erklärte der damalige Innenminister Karl Maron. Mit der von ihm und seinesgleichen für undenkbar gehaltenen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hatte auch die DDR-Flagge ausgedient.

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