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Paul Arnold: Sächsische Münzgeschichte 1486–1611


Paul Arnold:

Sächsische Münzgeschichte 1486–1611.

Vom Ende der spätmittelalterlichen Groschenwährung bis zur Durchsetzung der neuzeitlichen Reichstalerwährung

202 Seiten, Format 20 x 28 cm

durchgängig farbige Abbildungen. Festeinband, Bonn 2022.

Preis: 56,– Euro.

ISBN: 978-3-7749-4366-7


Dieses Buchprojekt war schon lange im Gespräch, doch nun kann man konstatieren: Was lange währt, wird gut! Der Autor erklärt im Vorwort seine Ambitionen wie folgt: „Die Abhandlung über die sächsische Münzgeschichte und die Münzpolitik der sächsischen Fürsten zwischen 1486 und 1611 fasst den bisherigen Forschungsstand zusammen. Damit wird der Mangel bisheriger neuerer Typenkataloge behoben, in denen die sächsischen Münzen, nur nach Grundtypen geordnet, beschrieben sind, ohne auf die wichtigen münzgeschichtlichen Zusammenhänge einzugehen.“


Das Werk startet mit Kurzbiographien der sächsischen Landesherrn in dem im Titel genannten Zeitraum. Das ist durchaus hilfreich zum Verständnis der historischen Wirren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Unmittelbar an die Kurzbiographien schließt sich das Kapitel „Die Stellung Sachsens im Heiligen Römische Reich Deutscher Nation“ an, gefolgt von dem Kapitel „Bergbau und Münzpolitik in Sachsen“. Vor allem die Münzpolitik wird dann im Kapitel „Sachsens Münzgeschichte von 1486 bis 1611“ vertieft fortgesetzt. In diesem Kapitel werden die Nominalschritte (Zinsgroschen – Schreckenberger – Guldengroschen) des Übergangs von der spätmittelalterlichen Groschen-Währung zur Großsilbermünze, dem Guldengroschen (später Taler genannt), aufgezeigt, die letztlich in der Münzordnung von 1500 kulminierten. In jenem Jahr wurden die ersten Guldengroschen geprägt, die dann als Klappmützentaler bezeichnet wurden. Diese Klappmützentaler waren wertgleich dem Goldgulden und entsprachen 7 Schreckenbergern bzw. 21 Zinsgroschen. Wertmäßig sind die Bildunterschriften „Gulden“ unter den Abbildungen 22 bis 28 zwar korrekt aber nicht glücklich, denn die Bilder zeigen Klappmützentaler. Den ersten Klappmützentaler hat der Autor mit Fragezeichen mit einer ersten kleinen Emission zur Münzstätte Leipzig gelegt (Walther Haupt hatte noch „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ Annaberg angenommen). Kohl/Becker (2020) legten den ersten Klappmützentaler nach Hall in Tirol und Frohnau am Schreckenberg. Der Prägeort des ersten Klappmützentalers bleibt also ein ungelöstes Problem.


Ausführlich geht der Autor auf die sogenannte Münztrennung 1528/1530–1533 in der Münzprägung der ernestinischen und albertinischen Linie sowie der 1534 erfolgten Münzeinigung der beiden Linien ein. Unterstützt wird die Anschaulichkeit durch zahlreiche Tabellen zur Nominalstruktur und Rauh- sowie Feingewichtsangaben.

Der Schmalkaldische Krieg und die darin erfolgte Niederlage von Kurfürst Johann Friedrich brachte die endgültige Trennung der Ausmünzung der beiden sächsischen Linien. Erhellend ist der Hinweis des Autors zu den 1547 in Leipzig geprägten silbernen und goldenen Notklippen. Er weist darauf hin, dass es keine Belagerungsklippen sind (wie häufig geschrieben), weil sie erst nach dem Ende der Belagerung Leipzigs geprägt worden sind.


In den Unterkapiteln 5.5 und 5.6 werden der Beitritt Kursachsens zur Reichsmünzordnung 1571 und die Münzpolitik Kursachsens als Obersächsischer Kreisstand von 1572 bis 1611 behandelt.

Im Hauptkapitel 6 stellt der Autor detailliert die sächsischen Münzstätten zwischen 1486 und 1611 vor. Bei der Münzstätte Buchholz weist Arnold ausdrücklich darauf hin, dass der Buchholzer Katharinentaler eine Medaille (Schaumünze) ist, kein Taler. Unterstrichen wird das durch die Tatsache, dass es von ihm nur gegossenen, keine geprägten Exemplare gibt.

Im folgenden Kapitel werden die „Gedenkmünzen und Medaillen Kurfürst Friedrichs des Weisen“ vorgestellt, dem sich das Abschlusskapitel mit der Überschrift „Die Entwicklung des sächsischen Gesamtwappens auf den Münzen im 16. Jahrhundert“ anschließt.


Das Werk ist eine lesenswerte Zusammenfassung über die Entwicklung des Münzwesens in Sachsen im 16. Jahrhundert. Ein Ersatz für die eingangs erwähnten und für Sammler wichtigen Typenkataloge ist es allerdings nicht. Es ist dennoch nicht nur Sachsen-Sammlern sehr zu empfehlen, was auch durch die zahlreichen Abbildungen in bester Qualität unterstrichen wird.

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