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Nachbericht zur Frühjahrsauktion von Dr. Busso Peus vom 28. und 29. April 2021

Die Frühjahrsauktion des Hauses Dr. Busso Peus Nachf. übertraf alle Erwartungen. In Zeiten, in denen das Münzensammeln eine der wenigen Tätigkeiten ist, denen man uneingeschränkt nachgehen kann, erfreut sich dieses Hobby weltweit größter Beliebtheit. Vermutlich spielt dabei auch der Aspekt einer nachhaltigen Wertanlage eine Rolle. Gewiss ist jedoch, dass Münzen von besonderer Qualität und mit ausgewählten Provenienzen mit hohen Preisen honoriert werden.


Drei über Jahrzehnte sorgfältig aufgebaute Sammlungen bildeten diesmal den Schwerpunkt des Antikenangebotes. Dabei kamen überwiegend griechische Münzen zum Aufruf, welche sich seit einigen Jahren besonderer Resonanz erfreuen, wohl auch wegen ihres besonderen ästhetischen und historischen Reizes.



Ersterer trieb einen Diobol von Tarent (Nr. 25), eine herrliche Miniatur des Kampfes mit dem Nemeischen Löwen, von 500 auf 2.000 €.


Ein seltener Hemiobol von Metapont (Nr. 32) aus der gleichen Sammlung (Dr. H. M.) verzehnfachte die Schätzung von 150 auf 1.600 €.


Der prächtige Nomos von Kaulonia (Nr. 40, Schätzung 5.000 €) fand nach heftigem Bietgefecht mit 17.000 € zu seinem neuen Besitzer.


Der vorzügliche Stater des Timoleon (Nr. 69, SP 1000 €) aus der Darmstädter Sammlung Hrycyna bewies einmal mehr, dass hervorragende Erhaltungen heute Spitzenpreise erzielen (Zuschlag: 4.200 €).


Bei dem Trihemiobol von Samothrake (Nr. 89, SP 500 €) sorgte zusätzlich noch eine namhafte Provenienz (Slg. Jameson) dafür, dass der Preis auf des Dreizehnfache anstieg: 6500 € war er dem Höchstbietenden wert.


Der prächtige Herakles-Stater von Abdera (Nr. 81, SP 10.000 €) blieb dabei mit 24.000 € fast noch in einem „konventionellen“ Bereich der Steigerung.


Der frühe Stater von Korinth (Nr. 122, SP 1500 €) stieg auf eindrucksvolle 10.000 €. Oft in dieser Qualität für um die 1.000 € gehandelt, erzielte eine besonders hübsche Drachme Alexanders des Großen dieses Mal 2.400 € bei einer Schätzung von 300 €.


Das Titelstück, der prächtige Goldstater mit dem Namen Philipp III., aber dem Bildnis Alexanders, fand mit 26.000 € einen glücklichen neuen Besitzer (SP 15.000 €). Der besondere Anspruch der Sammlung Graeculus (der alle folgenden, hier erwähnten Stücke entstammen) an die Qualität, insbesondere kleiner Nominale, machte sich bei einem hübschen, bislang nicht befriedigend (Nr. 168, SP 350 €) zugeschriebenen Diobol mit einer Gans, bezahlt: Erst bei einem Stand von 3.400 € endete das internationale Bietergefecht, das zwischen drei Kontinenten ausgetragen wurde.


Die Drachme des Pharnakes (Nr. 170, SP 5.000 €) zählt zu den besterhaltenen Exemplaren dieses Typs und erbrachte 18.000 €. Eine besonders charmante Drachme von Ephesos (Nr. 226, SP 400) erzielte 3.000 €.


Bei einer Drachme von Rhodos (Nr. 281, SP 500 €) war es wohl die unwiderstehliche Patina, die den Preis auf 3.400 € trieb.


Auch bei einem vorzüglich erhaltenen Stater von Kelenderis (Nr. 335, SP 1.000 €) dürfte die Kabinettstönung, die von einer langen Sammlungsgeschichte zeugen dürfte, für die phänomenale Steigerung auf 8.000 € verantwortlich gewesen sein. Münzen, die mit der jüdischen Geschichte in Verbindung stehen, sind ohnehin immer für Überraschungen gut.


So stieg der Preis eines so seltenen wie hübschen Obols von Gaza (Nr. 373, SP 2.000 €) auf 7.500 €.


Wirklich unterschätzt war der Achtelshekel, den man Hannibal zuweist (Nr. 527, SP 200 €). Die erzielten 6.000 € stellen das Dreißigfache der Schätzung dar.


Mit einem historisch bedeutsamen Dinar, den man Al-Malik zuschreiben kann (Nr. 620, SP 10.000 €) endete die Antikensektion mit 22.000 €, einem neuen Preisrekord für diesen Münztyp.


Dieser Trend, nämlich dass selbst optimistische Zuschlagserwartungen bei der diesjährigen Frühjahrsauktion teilweise deutlich übertroffen wurden, setzte sich im gesamten Verlauf der Auktion fort. Die schriftlichen Vorbieter, die durch langjährige Sammelerfahrung oder als Händler mit großer Marktkenntnis die moderaten Schätzungen bereits großzügig überboten hatten, hatten Schwierigkeiten, sich gegen die Internetbieter aus der ganzen Welt durchzusetzen. Die große Aufmerksamkeit, die unsere Auktionen zwischen Kalifornien und Japan, zwischen Norwegen und Tasmanien erfahren, zeigte sich auf ausnahmslos allen Sammelgebieten. Die Freude darüber teilen wir mit allen Einlieferern, die uns ihre Sammlungen zu treuen Händen gegeben hatten, um genau den passenden und meistbietenden Liebhaber für jedes Objekt zu finden.


Zeigen lässt sich diese Aufmerksamkeit anhand einfacher Zahlen. Ein britischer 5facher Sovereign aus dem Jahr 1911 wurde von einem Onlinebieter für rekordverdächtige 7000,- Euro ersteigert.


Als Höhepunkte der Auktion folgten kurz darauf zwei Münzen der ersten tschechoslowakischen Republik. Ein äußerst seltener 10facher Dukat 1930 fand einen Interessenten aus dem Ausland, dem diese Münze stolze 70.000 Euro Wert war.


Gleich darauf wurde ein 5facher Dukat aus dem gleichen Jahr für 30.000 Euro zugeschlagen.


Das seit Jahren anhaltende Interesse an ostmitteleuropäischen Münzen zeigte sich auch bald darauf, als ein Taler der Grafen Schlick in prägefrischer Erhaltung von 2.500 Euro Taxe auf 14.000 Euro hinaufgeboten wurde.


Auch im altdeutschen Bereich waren Rekordergebnisse zu beobachten. Eine Augsburg zugeschriebene Miscellan-Goldmedaille auf die Liebe im Gewicht eines 20fachen Dukaten wechselte für 18.000 Euro den Besitzer.


Die folgende hübsche Serie preußischer Taler bestätigte wieder das große Interesse unseres Kundenstammes an den Münzen der Hohenzollerndynastie. Die Taler der Lose 1249 bis 1255 erbrachten allein einen addierten Zuschlag von 42.700 Euro (bei einer Taxe von 27.000).


Weitere Höhepunkt stellten einige sehr schöne Münzen und Medaillen Hessen-Homburgs dar, die von den interessierten Sammlern hart gegen die Konkurrenz von Internet und Telefon erkämpft werden mussten.


Auch goldene Raritäten des Erzbistums Mainz, ein bei Peus stets populäres Sammelgebiet, erbrachte Ergebnisse, die hier einfach erwähnt werden müssen. Ein Doppeldukat Anselm Casimirs von Umstadt aus dem Jahr 1642 wurde von 7.500 Euro Schätzung von sachkundigen Interessenten auf 10.000 Euro, ein Münzvereins-Goldgulden von 1626 sogar auf 18.000 Euro hinaufgesteigert.


Aber auch unterhalb dieser ausgesuchten Spitzenergebnisse fanden Münzen in allen Preislagen selten gesehene Zuschläge und glückliche Besitzer, verschmäht wurde nahezu nichts. Die Reichsmünzen erzielten in etwa die zu erwartenden Zuschläge mit einigen Spitzenpreisen bei lupenreiner Erhaltung. Dieser Trend setzt sich weiterhin fort. Allgemein war Gold, inländisches wie ausländisches, altdeutsches wie reichsdeutsches, besonders stark umkämpft. Münzwaagen, Prägestempel und eine schöne Serie US-amerikanischer Banknoten wurden abschließend versteigert, wobei bei Letzteren noch am ehesten Schnäppchen zu machen waren. Die Ergebnisse der abschließenden Lots zeigten, dass die Bieter von der gegebenen Möglichkeit zur Besichtigung, vorab reichlich Gebrauch gemacht hatten.


Am zweiten Tag konnte der Zeitplan trotz der Verzögerung, die ausschließliches Online- und Telefonbieten mit sich bringt, weitestgehend eingehalten werden, und eine sehr erfolgreiche Auktion konnte am Donnerstagnachmittag mit einem Gesamtzuschlag beendet werden, der die Schätzung nahezu verdoppelte.


Dr. Busso Peus Nachfolger e.K.

Inhaber: Christoph Raab

Bornwiesenweg 34

60322 Frankfurt am Main


Tel.: 069-9596620

Fax: 069-555995

E-Mail: info@peus-muenzen.de

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