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Mit Kurschwert und Rautenkrone – Relief erinnert in Freiberg an lange Bergbautradition

Kursachsen hatte gegenüber vielen anderen deutschen Regionen den großen Vorteil, dass es im Erzgebirge mit reichen Silberlagerstätten gesegnet war, deren Ausbeute sich profitabel in klingende Münze verwandeln ließ. Mit einem aus zwölf Tafeln bestehenden Bronzerelief „Freiberger Silberausch“ erinnern die Freiberger Münzfreunde im Torbogen des im 16. Jahrhundert erbauten Schlosses Freudenstein, dass in der berühmten Bergstadt und ihrer Umgebung vom Mittelalter bis zur Einstellung des Bergbaus im Jahr 1969 etwa 5.700 Tonnen Silber gewonnen wurden. Davon verwandelte man circa 2.000 Tonnen in klingende Münze.

Das mehrteilige Relief „Freiberger Silberrausch 2018“ erinnert anlässlich des ersten Silberfundes 1168 und der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortsnamens 1218 an die Silbergewinnung und -verarbeitung und zeigt eindrucksvoll, wie man im Mittelalter und der frühen Neuzeit das Edelmetall gewonnen und in klingende Münze verwandelt hat. [Bildquelle: Foto von Lothar Schumacher]

Angelehnt an historische Holzschnitte, Miniaturen und Beschreibungen schildert das Relief Etappen der Freiberger Bergbau- und Münzgeschichte von einem eher zufälligen Silberfund im Jahr 1168 über die Erschließung der Erzgruben und der schweren Arbeit der Bergleute bis zur Weiterverarbeitung des Metalls und der Herstellung von Münzen. Am Ende der Bilderserie ist das von zwei Bergleuten gehaltene Stadtwappen zu sehen. Es wird auch daran erinnert, dass die Münzstätte Mitte des 16. Jahrhunderts von Freiberg nach Dresden verlagert wurde. Begonnen hatte das Relief der bekannte Dresdner Medailleur Peter-Götz Güttler, der es aber wegen einer Erkrankung nicht abschließen konnte. Das Künstlerpaar Katja und Markus Latzke aus Neuenhagen bei Berlin führte die Arbeit zum glücklichen Ende. Gegossen wurde das Relief in der Kunstgießerei Seiler in Schöneiche bei Berlin.

Die sächsische Münzordnung von 1534 zeigt auf dem Titelblatt, wie in damaligen Prägestätten Taler, Groschen und Goldgulden Stück für Stück geschlagen wurden. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Zahlreiche große und kleine Münzen wurden in Freiberg mit der manuellen Prägeweise hergestellt. Diese und die in den anderen kursächsischen Münzstätten Annaberg, Buchholz, Dresden, Leipzig, Schneeberg und Zwickau geprägten Geldstücke mit den sächsischen Kurschwertern und der Rautenkrone systematisch zu sammeln, ist eine Lebensaufgabe. Viele sind zu moderaten Preisen erhältlich, es gibt aber auch seltene Prägungen wie Doppel- und Mehrfachtaler sowie ein- und mehrfache Dukaten, für die man sehr viel Geld hinblättern muss.

In Freiberg wurde 1550 der Taler des Kurfürsten Moritz von Sachsen geprägt, kenntlich am Münzmeisterzeichen Stern. [Bildquelle: Auktion Künker 303 vom 7./8. Februar 2019 Nr. 2072]

Hilfreich ist, dass sächsische Münzen und Medaillen gut erforscht und katalogisiert sind. Bereits in der Barockzeit wurden Teile des Bestandes publiziert, etwa in der mit unzähligen Kupferstichen ausgestatteten und vor allem auf sächsische Medaillen fokussierenden „Saxonia numismatica“ von Wilhelm Ernst Tentzel, aber auch in den „Wöchentlichen historischen Münzbelustigungen“ von Johann David Köhler und in anderen Schriften. Wichtig ist der als Referenzwerk zitierte und auch als Reprint verfügbare Katalog „Sammlung Otto Merseburger umfassend Münzen und Medaillen von Sachsen albertinische und ernestinische Linie“, der 1894 in Leipzig veröffentlicht wurde. In den vergangenen Jahren aufgrund neuer Forschungen publizierte Bücher bieten einen guten Überblick über das, was aus sächsischen Prägeanstalten in die Welt ging und welche Raritäten sich unter ihnen befinden.

In der „Saxonia numismatica“ sind Münzen und Medaillen unter anderem von Kurfürst Friedrich dem Weisen und anderen Herrschern in deutscher und wegen der internationalen Verständlichkeit auch lateinischer Sprache beschrieben und in sauberen Kupferstichen abgebildet. [Bildquelle: Fotoarchiv von Helmut Caspar]

Wer es genau wissen will, was er in seiner Sammlung hat und wie seine Stücke historisch einzuordnen sind, ist im Dresdner Münzkabinett an der richtigen Adresse. Im April 2019 feierte die von sächsischen Kurfürsten und Königen weitsichtig geförderte Sammlung ihr 500. Gründungsjubiläum mit einer neuen Ausstellung im Georgenbau des Dresdner Schlosses.


Die Ausbeute ihrer Silberminen machte die sächsischen Kurfürsten und ab 1806 Könige reich. Sie bauten prächtige Burgen, Schlösser und Festungen, legten kostbare Juwelen-, Gemälde- oder Skulpturensammlungen an und unterhielten ein Heer von Dienern sowie Höflingen aber auch Mätressen. Zum standesgemäßen Auftreten gehörten aufwändige Familienfeste sowie Turniere, aber auch der Einsatz von Soldaten, die auf europäischen Kriegsschauplätzen zum Ruhme des Hauses Wettin ihr Leben lassen mussten. Hin und wieder wurden junge Untertanen an andere Länder, etwa Brandenburg-Preußen, gegen Geldzahlungen oder Kunstgegenstände verliehen, wie man damals beschönigend sagte.


Das prunkvolle Leben der Kurfürsten und Könige kostete Geld, viel Geld. Es wurde von fleißigen Sachsen durch Handel und Wandel sowie die Auswertung der heimischen Ressourcen erwirtschaftet. Dabei spielten die Einnahmen aus der Münzprägung eine nicht unwichtige Rolle. Von den Pfennigen, Groschen, Talern, Goldgulden und Dukaten sowie von den zum Lob der Dynastie geprägten Medaillen blieb ungeachtet der in Not- und Kriegszeiten und der Ausgabe neuer Münzen veranlassten Einschmelzungen vergleichsweise viel erhalten. Somit nimmt die sächsische Numismatik in den Angeboten des deutschen und internationalen Münzhandels einen vorderen Platz ein.


Literaturempfehlung dazu:

Gerade zu Sachsen ist umfangreiche Sammlerliteratur erhältlich. Ein Beispiel finden Sie hier.

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