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Mirko Schöder: Der Medailleur und Stempelschneider Albrecht Krieger.

Aktualisiert: Feb 7

Franz Macher

Mirko Schöder, Medaillenkunst des Barock in Leipzig. Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde, Neustadt an der Orla 2019. 580 S., farbig bebildert, 16,5 x 24,5 cm, Hardcover, 40 Euro, ISBN 978-3-9809196-0-9.



In Nürnberg 1663 geboren und in Leipzig 1726 gestorben, gehört Albrecht Krieger mit über 230 zugewiesenen Medaillen zu den produktivsten Medailleuren der Barockzeit. Trotz dieses umfangreichen Werkes und der zahlreichen qualitätvollen Stempel, die er als Stempelschneider an der Münzstätte Leipzig schnitt, ist sein Name bislang eher wenig bekannt. Das mag sich nun ändern mit der anzuzeigenden Arbeit, der 2018 an der Technischen Universität Dresden im Fach Kunstgeschichte verteidigten Dissertation von Mirko Schöder.


Schöders Dissertation ist erwartungsgemäß mehr als ein Katalog, aber das ist sie glücklicherweise auch. Nach dem 1. Kapitel, in dem Schöder Forschungsstand und Quellensituation darstellt und seine Vorgehensweise kurz vorstellt, folgt in Kapitel 2 die Biografie Albrecht Kriegers, für die Krieger die Akten des Staatsarchivs in Dresden und Leipzig sowie des Leipziger Stadtarchivs auswertete. Dieser Teil der Dissertation ist schon primäre Forschungsarbeit und wertvoller numismatischer Erkenntnisgewinn, denn bislang gab es kaum Arbeiten und Forschungen zu Albrecht Krieger.


In den Kapitel 3 bis 5 wird das Medaillenwerk Kriegers nach ausgewählten Gesichtspunkten untersucht und vorgestellt. Im Kapitel 3 stehen Motivuntersuchungen anhand von Medaillen mit Bezug zu August dem Starken im Vordergrund. Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Entstehungsprozess der Medaillen. Dabei ist spannend zu verfolgen, welche Vorlagen Krieger nutzte, z.B. die im Barock so wichtigen Emblem-Bücher, aber darüber hinaus Druckgrafik ganz allgemein, antike Münzmotive und Medaillen anderer Künstler. Schöder bezieht hier aber auch die Auflagenhöhen und Vermarktungsstrategien ein sowie Kriegers Signierpraxis: „Im Gegensatz zur großen Mehrheit der in seiner Schaffensperiode tätigen Medailleure wird das Œuvre Kriegers unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass er auf eine Signatur seiner Arbeiten weitgehend verzichtete. Dabei handelt es sich um eine Besonderheit, die hinsichtlich seines überdurchschnittlich umfangreichen und qualitativ nahezu tadellosen Gesamtwerkes eine Vielzahl von Fragen aufwirft.“ (S. 193). In Kapitel 5 wird wegen dieser Besonderheit die Darstellungsweise ausgewählter Motive als Mittel der Künstlerzuschreibung untersucht. Das Ergebnis ist ein kleiner, sehr nützlicher Katalog von Merkmalen, die den Zugang zu Kriegers Werk erleichtern.


Kapitel 6 ist dann der wunderbar gestaltete Katalog (S. 233–534), gegliedert in „Chronologisch sortierte (Medaillen-)Gepräge“ (Nrn. 1–160), „Miszellangepräge“ (Nr. 161–201) und „Katalog der Münzen“ (Nrn. 202a–216). Im Katalog sind alle Stücke farbig abgebildet, häufig vergrößert (aber immer mit der Veranschaulichung des Originaldurchmessers) und immer ausführlich beschrieben. Der genauen Bild-und Textbeschreibung (lateinische Legenden werden auch übersetzt) folgen unter der Bezeichnung „Anmerkungen“ vielfältige Erläuterungen und Hinweise, danach noch Standort- und Literaturangaben. Der Katalog ist so eine Fundgrube für Medaillenfreunde und Historiker und wird sicher gern benutzt werden.


Als Kapitel 7 folgt ein „Resümee“, den Abschluss bilden Anhänge (Abkürzungen, Quellen, Literatur etc.). Anzumerken ist noch, dass das umfangreiche und gut bebilderte Buch mit 40 Euro sehr preisgünstig angeboten wird, und ein Schmuckstück der Publikationsreihe der Gesellschaft für Thüringer Münz- und Medaillenkunde ist, das selbstverständlich weit über den sächsischen Raum hinaus Beachtung verdient. Zu Recht heißt es auf S. 538: „Zweifelsfrei darf Krieger als ein wichtiger, von Leipzig aus agierender Beobachter seiner Epoche im mitteldeutschen Raum gelten, der bemerkenswerte Ereignisse seiner Zeit mittels seiner Kunstwerke ansprechend festzuhalten vermochte.“