Leserpost: Wieviele deutsche Münzen aus der Vorkriegszeit gibt es heute noch?
- Dietmar Kreutzer

- 19. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Frage:
Der Preis der überwiegenden Zahl der Gold- und Silbermünzen aus dem Kaiserreich orientiert sich im Münzhandel am Materialpreis. Silbermünzen aus der Weimarer Republik sind dagegen deutlich teurer als der Wert des in ihnen enthaltenen Silbers. Woran liegt das?
Andreas Pagel (Dresden)

5 Reichsmark (Standard-Umlaufmünze, Deutsches reich, 1927, 500er Silber, 25 Gramm, 36 mm)
Bildquelle: Numista, Heritage Auctions
Antwort:
Im sogenannten Jaeger also dem Standardkatalog Die deutschen Münzen seit 1871 von Kurt Jager (29. Auflage, 2025) wird an mehreren Stellen auf die Frage eingegangen. Im Allgemeinen Teil heißt es, dass die Zahl der Münzen, die die Zeit überdauern, vor allem von der wirtschaftlichen Lage zum Zeitpunkt der Außerkurssetzung bestimmt wird: "Während vor dem Ersten Weltkrieg eingezogene Münzen zu rund 85 bis 90 % an die Reichsbank zurückflossen und eingeschmolzen wurden, sind die während der Inflation außer Kurst gesetzten Silbermünzen des Kaiserreichs nicht einmal zu 2 % eingelöst worden. Diese Stücke sind daher heute noch sehr häufig. Die nach 1923 geprägten Münzen der Weimarer Republik - zwischen 1929 und dem Zweiten Weltkrieg eingezogen - verloren hingegen ihre Gültigkeit zu einer Zeit, in der es sich die Bevölkerung nach jahrelanger Rezession und Arbeitslosigkeit nicht leisten konnte, Münzen verfallen zu lassen. Das Ergebnis ist, dass diese Stücke zu 96 bis 99 % eingelöst wurden und deshalb heute recht selten vorkommen." (Ebenda, S. 23)
Zu den Goldmünzen des Kaiserreichs schreibt Jaeger, dass große Mengen der Millionenauflagen bereits während der Kaiserzeit eingeschmolzen wurden, entweder im Ausland infolge grenzüberschreitender Zahlungen in Gold oder im Inland von der Industrie: "Nach dem Jahresbericht von 1909 der Pforzheimer Handelskammer betrug allein der Goldverbrauch der Schmuckindustrie in Pforzheim jährlich 72 bis 75 Millionen Mark, davon stammten etwa 66 Millionen Mark aus 20-Mark-Stücken." (Ebenda, S. 206) Dennoch blieb wohl knapp die Hälfte der Stücke erhalten. Die großen Silbermünzen aus dem Kaiserreich wurden nach dem Ersten Weltkrieg als "Notgroschen" zurückgehalten, sowohl die Umlauf- als auch die Gedenkmünzen: "Bei den 3- und 5-Mark-Stücken sind bis Ende 1920 lediglich 176.686 bzw. 852.192 eingezogen gewesen. Sowohl von diesen beiden als auch den 1/2- und 1-Mark-Stücken dürfte heute noch ein recht hoher Prozentsatz existieren." (Ebenda, S. 41)
Zu den Silbermünzen der Weimarer Republik gibt es im Jaeger sogar eine Aufstellung der Wertstufen, die in der Zeit des Dritten Reiches bei vollem Wert eingezogen wurden. Danach wurden von 152.390.000 Stücken zu fünf Mark beachtliche 150.980.665 Stücke eingezogen. Ähnlich sah es bei den niedrigeren Wertstufen aus. (Ebenda, S. 291f.) Die Abgabe der alten Münzen fiel nicht zuletzt deshalb leicht, weil es neue Silbermünzen gab. Die 2- und 5-Mark-Stücke, zumeist mit dem Porträt des früheren Reichspräsidenten Hindenburg, waren gegenüber den Vorgängern aus der Weimarer Republik bei gleichem Silbergehalt verkleinert. Diese Silbermünzen wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht eingezogen. Nach Kriegsbeginn sind sie jedoch in der Bevölkerung gehortet worden. Sie kommen daher besonders oft vor. Ein "Hindenburg" hat also in der Regel keinen numismatischen Wert, sondern bezieht seinen Wert nur aus dem in ihm enthalten Silber.
Dietmar Kreutzer




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