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Leserpost: Was passiert, wenn Gold crasht, nachdem der Händler es teuer eingekauft hat?

Aktualisiert: 31. März

Liebe Redaktion von Münzen-Online,

Ende Januar ist der Goldpreis über Nacht massiv zurückgegangen, vor einigen Tagen erneut. Was machen Münz- und Goldhändler, die kurz zuvor noch Goldmünzen zu Höchstpreisen angekauft haben, in solchen Fällen? Mit Verlust verkaufen?

Lars Wernecke (Dresden)


Amerikanische "Double Eagles" zu 20 Dollar wurden über Jahrzehnte hinweg

in Millionenauflagen geprägt. Sie gelten daher in der Regel als Anlagemünzen.

Bildquelle: Wikimedia, Portable Antiquities Scheme


Hallo Herr Wernecke,

das Problem der Chancen und Risiken Im Goldhandel ist nicht neu. Horst-Rüdiger Künker, langjähriger Leiter des Goldhandels bei Künker, sagte einmal: "Der größte Fehler bei einem Edelmetallhändler ist es, wenn er nicht weiß, wann es genug ist. Ich habe Münzhändler gesehen, die aus ihren gehorteten Silberbarren nach der geplatzten Spekulation der Hunt-Brüder eine Kellerwand aufgemauert haben - als Erinnerung an ihre irregeleitete Gier." Die Kehrseite der Kursgewinne im Edelmetallhandel ist also das Verlustrisiko. Das ist selbst im Alltagsgeschäft am Verkaufstresen ablesbar. Kurz nach der letzten Finanzkrise interessierte ich mich für eine goldene Zehn-Kronen-Münze aus Dänemark, die als bessere Anlagemünze gilt. Ich fragte den Händler, warum sie so teuer sei. Die Antwort: "Weil ich die vor dem Absturz des Goldpreises teuer eingekauft habe!"

Wenn Händler Gold zu extrem hohen Preisen von Kunden ankaufen und der Goldpreis kurz darauf fällt, drohen Verluste, wenn sie das Gold nicht schnell genug oder nur zu geringeren Preisen weiterverkaufen können. Ein hoher Goldpreis bietet für Goldhändler also sowohl Chancen als auch Risiken. Das sogenannte Kursrisiko, das sich nur teilweise abfedern lässt, ergibt sich aus der Spanne zwischen Ein- und Verkaufspreis. Im Artikel Gold verkaufen der Stiftung Warentest (Website der Verbraucherzentrale, 26.01.2026) heißt es: "Händler kalkulieren Abschläge für Einschmelzkosten, Kursrisiken und ihre Gewinnmarge ein. Übliche Abschläge liegen zwischen 8 und 15 Prozent. Ein Angebot von 85-92 % des Materialwerts ist realistisch." An diesen Zahlen ist erkennbar, dass Kursrisiken von erheblichem Umfang in einer solchen Kalkulation nicht eingepreist sind.

Kommt es zu einem anhaltenden Preissturz, ist für den Händler bedeutsam, ob er das angekaufte Gold zeitnah weiterveräußern konnte. In Zeiten moderner Anlagemünzen sind historische Umlaufmünzen des 19. Jahrhunderts, die in hohen Auflagen geprägt wurden, beim Kunden nicht mehr erste Wahl. Derartige "Massenware" wandert somit teilweise in den Schmelzofen. Bei einem Besuch einer Scheideanstalt bei Hamburg habe ich im Anschluss an ein Interview diese Art der Verwertung gesehen. Bevorzugt wandern schlecht erhaltene Münzen in den Ofen, häufig aber auch gute Napoléon d'ors, italienische Zwanzig-Lire-Stücke oder zwanzig Francs aus Belgien. Aber auch jüngere Prägungen bleiben nicht immer verschont. Ein Kollege schrieb jüngst: "Beim Aussortieren für die Schmelze sind die Sovereign-Exemplare ab 1957 seit der Amtsübernahme der Queen die erste Wahl."

Vom Goldpreis weitgehend unbeeinflusst sind dagegen seltene Sammlermünzen. Hier werden die Preise weder bei steigendem noch fallenden Goldpreises kurzfristig angepasst. Es gibt also Unterschiede zwischen reinem Gold- und echtem Münzhandel.

Dietmar Kreutzer

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