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Leserpost: Münzen mit vertieften Bildern und Inschriften gab es schon viel früher!

Lieber Herr Kreutzer,


danke für Ihren Bericht über US-Münzen mit vertieften Bildern und Inschriften. Dass man Geldstücke auf diese Weise schmückte, ist eine Errungenschaft der Zeit um 1800, also der Periode der Industriellen Revolution. Unter der Regentschaft von König Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) gab es vielfältige Bestrebungen, das preußische Münzwesen zu reformieren und es durch Herstellung neuartiger Prägestempel mit komplizierten Gravuren auch gegen vielfältige Angriffe von Fälschern sicher zu machen, vor allem solchen aus England. Der Berliner Stempelschneider Daniel Friedrich Loos und sein Sohn Friedrich Wilhelm Loos legten der Generalmünzdirektion in Berlin Werkzeuge vor, „deren Nachahmung für die gemeinen Falschmünzer unmöglich, für die künstlerischen [also technisch versierteren] Graveure aber mit den größten Schwierigkeiten verknüpft sein würde“.


Probensammler freuen sich, wenn sie einen solchen Zehner von 1812 mit dem vertieften Monogramm FWR (Friedrich Wilhelm Rex) erwerben können.

Die wegen ihrer Größe und ihres Gewichts auch Karrenräder genannten Penny-Münzen mit dem Kopf des britischen Königs Georg III. und der am Meer sitzenden Britannia tragen vertiefte Buchstaben und die Jahreszahl 1793, die nachzuahmen Fälschern schwerfiel.

In dem von Jérôme Bonaparte, einem Bruder von Kaiser Napoleon I., regierten Königreich Westphalen, hat man mit solchen Kupfermünzen bezahlt. Die Signatur weist auf den Pariser Meistergraveur Nicolas-Pierre Tiolier hin.


Der für den Bergbau und das Münzwesen zuständige Minister Friedrich Anton von Heinitz lobte gegenüber dem König die Leistungen des „sehr geschickten Hof-Medailleurs“, der sich an den neuartigen Pennies englischer Produktion und französischen Münzen orientierte. Die von Loos entwickelten Friedrichs d'ors würden durch ihre ungewöhnliche Art, gleichzeitig erhaben und vertieft zu prägen, in Preußen einen neuen technischen Standard repräsentieren. Er halte die Nachahmung solcher Stempel selbst durch den geschicktesten Falschmünzer für unmöglich. Heinitz bat den König, die „successive Anfertigung“ ähnlicher Stempel für doppelte und halbe Friedrichs'dors aus Gold sowie Reichstaler, Acht-, Vier- und Zweigroschenstücke „gnädigst befehlen“ zu wollen. Der Befehl kam nicht, denn die Zeiten waren ungünstig, um Preußen mit neuartigem Hartgeld zu fluten. Die wenigen Proben für die so genannten Ausgleichungsmünzen aus Kupfer mit der Jahreszahl 1812 avancierten zu numismatischen Raritäten. Ich zeige hier noch Geldstücke aus England und dem Königreich Westphalen, die mit solcherart fälschungssicheren Merkmalen ausgestattet sind.


Mit besten Grüßen


Arne Roland

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